Sperma enthält neben Spermien die Sekretflüssigkeit, verschiedene Hormone, Geruchsstoffe – und bis zu 27 unterschiedliche Virentypen. Das sind deutlich mehr Krankheitserreger als bislang gedacht, so das Ergebnis einer Metaanalyse von Alex Salam und Peter Horby von der University of Oxford in "Emerging Infectious Diseases". Die beiden Mediziner hatten 3800 Veröffentlichungen analysiert, nachdem zuvor in weiteren Studien herausgekommen war, dass das Zika-Virus bis zu sechs Monate in Sperma überdauern und auch die Hoden schädigen kann. Bis zu 41 Tage nach einer abgeklungenen Infektion ist es unter Umständen sexuell übertragbar.

Zika ist jedoch nicht das einzige gefährliche Virus, das sich im Sperma befinden kann. Neben dem bekannten HI-Virus trifft dies beispielsweise auch auf das Ebola-, Marburg-, Hepatitis-B- und verschiedene Herpesviren zu, die beim Geschlechtsverkehr in den Blutkreislauf des Partners übergehen und schwere Infektionen auslösen können. Neben chronischen Krankheiten wie Aids durch HIV treten dadurch akute Anfälle von Lassa-, Rift-Valley- oder Chikungunya-Fieber auf. Andere Erreger wiederum führen zwar nicht zu Krankheiten, weil sie nicht übertragen werden, doch setzen sie womöglich die Beweglichkeit der Spermien herab oder erhöhen die Gefahr für sekundäre Ansteckungen mit Geschlechtskrankheiten. Manche Viren schädigen die DNA und lösen Mutationen in der DNA von Spermien aus, welche dann Eizellen befruchten. Auf diese Weise können Erbgutschäden an das heranwachsende Kind weitergegeben werden.

Neben den Viren im Sperma fanden die beiden Wissenschaftler noch Hinweise auf mindestens elf Virentypen, die in Hoden überdauern können. Dort vermögen diese sich zwar vielfach nicht erfolgreich zu reproduzieren, weil die Hoden immunologisch begünstigt sind und eine starke Immunabwehr aufweisen. Dennoch geht vielleicht ebenfalls ein Teil von ihnen auf das Sperma über und wird durch Geschlechtsverkehr übertragen. Darunter fallen beispielsweise Grippeviren, die Auslöser der Röteln oder von Sars. Salam und Horby betonen allerdings, dass ihre Studie nur einen Überblick bietet. Nun müsse erforscht werden, welche Viren überhaupt übertragen werden können, wie lange sie in Sperma lebensfähig bleiben und welche Folgen das für die Sexualpartner haben kann.