Die Trauer in Großbritannien war groß, als die Schwertwalkuh "Lulu" im Januar tot an der schottischen Küste angetrieben wurde: Sie hatte sich in Fangleinen aus der Fischerei verheddert und ist danach entweder ertrunken oder verhungert. Mit ihr war einer der letzten neun Schwertwale gestorben, die noch dauerhaft in den Gewässern rund um die Insel leben. Eine Autopsie durch die University of Aberdeen ergab jetzt, dass das Tier womöglich ohnehin dem Tod geweiht war und warum die Walkuh noch nie ein Kalb bekommen hatte, obwohl sie im besten Alter war. Denn Lulu wies in ihrem Fettgewebe mehr als 950 Milligramm polychlorierte Biphenyle (PCB) pro Kilogramm auf – einer der höchsten Werte, die jemals in einem Meerssäuger festgestellt wurde, wie der "Guardian" berichtet. Der Grenzwert für die Kontamination von Walen mit diesem Stoff liegt bei neun Milligramm pro Kilogramm Blubber. Darüber löst die Chemikalie bereits Vergiftungserscheinungen aus, welche die Tiere beeinträchtigen. PCB stört den Hormonhaushalt und führt zu Unfruchtbarkeit, weswegen die schottische Schwertwalschule wohl seit mehr als 20 Jahren nicht mehr erfolgreich Nachwuchs gezeugt haben

Darüber hinaus hat die schwere Belastung vielleicht auch die geistigen Fähigkeiten Lulus und ihren Orientierungssinn beeinträchtigt, weshalb sie sich in Seilen verfangen hat, mit denen Fangkäfige für Hummern und Krabben an Bord gehievt werden. Da ihre Familie sich nicht mit anderen, durchreisenden Schwertwalgruppen austauscht, dürfte der Bestand über kurz oder lang zum Aussterben verdammt sein. Allerdings sind auch andere Schwertwale aus dem Nordostatlantik mit PCB und anderen Chemikalien belastet. Eine Studie aus dem Jahr 2016 hatte gezeigt, dass die Tiere hier durchschnittlich mit 150 Milligramm PCB pro Kilogramm verseucht sind. Da Schwertwale am oberen Ende der Nahrungskette stehen, reichern sie in ihrem Gewebe große Mengen an aufgenommenen Schadstoffen an.

PCB wurden 1981 in Großbritannien verboten, 1987 folgte die Europäische Union. Zuvor verwendete man sie reichlich in Transformatoren, elektrischen Kondensatoren, in Hydraulikanlagen als Hydraulikflüssigkeit sowie als Weichmacher in Lacken, Dichtungsmassen, Isoliermitteln und Kunststoffen. Da sie biologisch praktisch nicht abgebaut werden, sind sie in der Umwelt jahrzehntelang vorhanden – mittlerweile wurden selbst in entlegenen Regionen wie der Antarktis PCB nachgewiesen. Ein Großteil der produzierten PCB wurden zudem nicht sicher entsorgt, weshalb sie weiter in die Natur gelangen können. Dafür spricht unter anderem, dass die mittleren PCB-Konzentrationen in Meeressäugern nach einem Rückgang in den 1990er Jahren seit der Jahrtausendwende nicht mehr weiter sinken.