Zur guten Tradition scheidender US-Präsidenten gehört es in der Regel, am Ende ihrer Amtszeit auch noch etwas für den Naturschutz zu tun und wertvolle Meeres- oder Landflächen der kommerziellen Nutzung zu entziehen. George W. Bush beispielsweise wies kurz vor seiner Amtsübergabe ein riesiges Gebiet südlich der Hawaii-Inseln als Meeresreservat aus, sein Nachfolger Barack Obama tat es ihm gleich. Präsident Donald Trump möchte dies aber offensichtlich in Teilen wieder rückgängig machen, wie ein Vorschlag von Innenminister Ryan Zinke zeigt, der diese Woche der "Washington Post" zugespielt wurde. Demnach sollen die Regelungen für die Gewässer um die Inseln Howland, Baker, Johnston, Wake, Jarvis, Palmyra, Rose und Kingman Reef so angepasst werden, dass "kommerzieller Fischfang wieder erlaubt ist".

Bei Wissenschaftlern wie Naturschützern gleichermaßen stößt dieses Ansinnen auf scharfen Protest, wie "Science" berichtet. "Diese Inseln gehören zu den größten Naturschätzen der Erde. Ich finde kaum Worte dafür, um meine Bestürzung über diesen erbärmlichen Betrug an heutigen und zukünftigen Generationen auszudrücken", wird der Meeresbiologe Callum Roberts von der University of York zitiert. George W. Bushs Regelung verbot den Fischfang innerhalb von 50 Seemeilen um die Insel, Barack Obama vergrößerte den Radius auf 200 Seemeilen; zuvor galt diese Einschränkung nur für die Zwölf-Seemeilen-Zone. Die Trump-Administration möchte diese Regelungen nun mit Hilfe einer neuen Proklamation des "Antiquity Act" oder einer "Executive Order" des Präsidenten revidieren. Dabei gehören die Gewässer um die Inseln zu den am besten erhaltenen Meeresregionen der Erde mit hoher Artenvielfalt und intakten Riffen – die weltweit wegen steigender Temperaturen, Versauerung des Wassers, Schadstoffen und Überfischung unter Druck stehen.

Besonders wichtig sind die Gebiete um Johnston und Wake für verschiedene Tunfischarten, deren Zahl auf weniger als 20 Prozent des Bestands vor dem industriellen Fischfang gesunken sind. Auf den Inseln nisten zahlreiche Seevögel, über deren Kot dann in großem Umfang Nährstoffe in den Ozean gespült werden. Das regt das Algenwachstum an, wovon am Ende der Nahrungskette wieder die Tunfische profitieren. Unklar ist noch, ob der Fischfang sogar innerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone gestattet werden soll. Doch Meeresbiologen halten auch Langleinenfischerei außerhalb davon für verheerend. Nach Aussage von Robert Richmond von der University of Hawaii stirbt ein Hai als Beifang auf zwei Tunfische, die an die Haken gehen – für die von Überfischung geplagten Raubfische eine schwere Belastung.

Noch gravierender wären die Folgen für Palmyra, die größte tropische Insel ohne größere menschliche Beeinflussung: Hier konnte sich ein Ökosystem erhalten, das weltweit kaum mehr so ursprünglich vorkommt. Das gilt auch für die Korallenriffe rund um das Eiland, die bislang als einzigartig gesund gelten. "Ich bin entsetzt von den Empfehlungen", äußert sich Jennifer Caselle von der University of California in Santa Barbara, die die Palmyra-Forschungsgemeinschaft leitet. Sollten Trawler Haie innerhalb der Schutzzone fangen, so könnte dadurch das bisher von Raubfischen dominierte Ökosystem aus dem Gleichgewicht geraten.