Jupiters großer Auftritt

In diesen Tagen beginnt die Abendsichtbarkeit von Jupiter. Bisher stieg er immer erst gegen Mitternacht über den östlichen Horizont. Jetzt geht er schon zur "Prime-Time" um etwa 20:30 Uhr im Osten auf (alle Zeiten sind in MEZ). Der Vollmond am 5. Januar 2015 und der helle Jupiter dominieren den Winterhimmel in der ersten Hälfte des Januar. Auf Jupiter ist auch wieder einiges geboten. Jeweils zwei Mondschatten gleichzeitig sind an folgenden Zeiten auf der "Oberfläche" des Gasriesen zu sehen: am 2. Januar um 23:54 Uhr, am 10. um 02:14 Uhr sowie am 11. um 22:15 Uhr. Jetzt im Winter ist die Luft besonders klar und meistens auch ziemlich ruhig. Das lädt geradezu dazu ein, sich den Planeten selbst einmal näher anzuschauen. Beobachter mit Fernglas können ihn schon als Scheibe und die vier großen Monde als Pünktchen sehen. Durch kleine Teleskope lassen sich auf dem Planeten selbst einige Details erkennen.

Für weitere Informationen über das Geschehen am Nachthimmel im Januar empfehlen wir Ihnen die monatliche Rubrik "Aktuelles am Himmel", die in jedem Heft von "Sterne und Weltraum" erscheint.

Das Auffälligste sind wohl das Nördliche und das Südliche Äquatorialband, die sich als zwei dunkle Streifen auf der Kugel zeigen. Wenn er gerade in unsere Richtung weist, ist auch ansatzweise der Große Rote Fleck zu sehen. Durch größere Teleskope, beziehungsweise mit höherer Vergrößerung, erscheinen dann immer mehr weiter differenzierbare Wolkenbänder und Ausfransungen an deren Rändern, teilweise auch weitere Fleckstrukturen. Jupiter hat ein sehr turbulentes Wetter und ändert im Detail eigentlich ständig sein Aussehen. Im Großen und Ganzen sieht er aber fast immer gleich aus.

Jupiter im Amateurfernrohr
© Tobias Häusler
(Ausschnitt)
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Jupiter wurde hier mit Amateur-Ausrüstung aufgenommen. Der Gasriese zeigt uns am auffälligsten seine beiden großen Wolkenbänder beidseits des Äquators.

Merkur ist im Moment gut am Abend kurz nach Sonnenuntergang zu sehen. Der innerste Planet im Sonnensystem trifft sich am 11. Januar am Himmel mit der Venus, die sich auch immer weiter von der Sonne entfernt und zum herrlich strahlenden Abendstern wird.

Es gibt wieder zwei interessante Sternbedeckungen. Am 11. Januar um 22:01 Uhr wird der Asteroid Milet den Stern HIP 28748 für nur zwei Sekunden bedecken. Der Stern steht im Fuhrmann und ist etwa 8 mag hell. Das Ereignis sollte also unter gutem Himmel im Fernglas beobachtbar sein.

Aufsuchkarte für den Stern HIP 28748 im Sternbild Fuhrmann
© Tobias Häusler / Stellarium
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernAufsuchkarte für den Stern HIP 28748

Eine weitere Sternbedeckung durch einen Asteroiden findet direkt in der darauf folgenden Nacht statt. Der Asteroid Ophelia wird am 12. Januar um 17:50 Uhr den Stern HIP 10549 für etwa 13 Sekunden bedecken. Auch dieser Stern sollte mit 8,6 mag noch im Feldstecher auszumachen sein.

Aufsuchkarte für den Stern HIP 10549
© Tobias Häusler / Stellarium
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernAufsuchkarte für den Stern HIP 10549

Beide Bedeckungen lassen sich leider nur vom Norden Deutschlands aus beobachten. Der Bedeckungspfad verläuft bei beiden dann weiter über Nordrussland.

Der Bedeckungspfad des Asteroiden Milet
© www.asteroidoccultation.com
(Ausschnitt)
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Der Bedeckungspfad des Asteroiden Ophelia
© www.asteroidoccultation.com
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernDer Bedeckungspfad des Asteroiden Ophelia

Derzeit sind auch zwei Asteroiden selbst sichtbar.(3) Juno steht mit rund 8 mag in der Wasserschlange, etwas unterhalb vom Krebs rechts neben Jupiter. (6) Hebe ist zurzeit mit gut 9 mag zwischen den Sternbildern Walfisch und Eridanus in der Nähe von Komet C/2014 Q2 Lovejoy zu finden.

Übersichtskarte zu Juno
© Tobias Häusler / Stellarium
(Ausschnitt)
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Der Kleinplanet lässt sich im Teleskop als "langsam wandernder Stern" erkennen.

Der Komet erreicht Mitte des Monats sein Perihel und wird dann auf eine Helligkeit zwischen 6 und 4 mag geschätzt. Das wäre hell genug, um ihn freisichtig am Himmel sehen zu können. Ich empfehle aber trotzdem ein Fernglas, um ihn in seiner ganzen Pracht zu erfassen, sollte es tatsächlich zu einem solchen Helligkeitsausbruch kommen.

Mit dem Fernglas können Sie sich dann auch gemütlich im Einhorn umsehen. Das unscheinbare Sternbild befindet sich links vom bekannten Orion im Raum zwischen Beteigeuze, Prokyon und Sirius. Hier finden sich attraktive offene Sternhaufen wie beispielsweise Messier 48, 46, und 47 oder NGC 2539.

Übersichtskarte des unscheinbaren Sternbilds Einhorn
© Tobias Häusler / Stellarium
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernÜbersichtskarte des unscheinbaren Sternbilds Einhorn
Im Sternbild Einhorn, lateinisch: Monoceros, lassen sich zahlreiche attraktive Sternhaufen beobachten.

Für Beobachter mit größeren Teleskopen um 30 Zentimeter Öffnung gibt es wieder etwas Spannendes mit viel Raum für Vorstellungskraft. Der Quasar 1634+706 ist mit 14,4 mag so ziemlich an der Grenze des Machbaren, allerdings sehen Sie hier einen aktiven Galaxienkern, der heute etwa 13,9 Milliarden Lichtjahre weit weg ist – also fast an der Grenze des beobachtbaren Universums.

Aufsuchkarte des Quasars 1634+706 im Sternbild Drache
© Tobias Häusler / Stellarium
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernAufsuchkarte des Quasars 1634+706 im Sternbild Drache
Der Quasar 1634+706 ist eines der am Weitesten entfernten Himmelsobjekte, das sich mit einem Amateurteleskop direkt beobachten lässt.