In den Ärmel oder in ein Taschentuch niesen – so lautet die gängige Methode, wenn es in der Nase juckt und sich der Niesreiz löst. Damit soll verhindert werden, dass sich zu viele mit Viren oder Bakterien kontaminierte Tröpfchen aus der Nase in der Umgebung verbreiten (oder auf die Hand gelangen) und so weitere Personen infizieren. Wie nötig dies ist, zeigen Hochgeschwindigkeitsaufnahmen von Lydia Bourouiba vom Massachusetts Institute of Technology und ihrem Team: Sie filmten, in welcher Form Flüssigkeiten und Schleim aus den Körperöffnungen in die Luft geschleudert werden, sich verändern und ausbreiten. Dazu ließen sie Probanden je rund 50-mal niesen und achteten dabei vor allem auf das initiale Stadium des Prozesses – viele Studien hätten zwar schon untersucht, wie sich die Tröpfchenwolke ausbreitet, dabei aber den Beginn nur unzureichend berücksichtigt, so die Wissenschaftlerin: "Wie werden die Tröpfchen geformt und welche Größenklassen treten auf?"

Bourouiba und Co zeichneten in der Folge eine beeindruckende Bandbreite an Formen auf, in denen Schleim und Spucke aus Nase und Mund geschleudert werden: Sie beobachteten neben den erwarteten Tröpfchen flächige Fetzen, berstende Schleimtaschen und regelrechte Bänder, die durch die Wucht beim Ausstoß zerrissen und in kleinere und kleinste Tröpfchen zerstäubt werden. Diese Kaskade unterschiedlicher Formen hatte man zuvor bei industriellen Produktionsprozessen beobachtet, jedoch nicht in diesem physiologischen Zusammenhang, so Bourouiba: "Das hat uns überrascht. Das Auseinanderbrechen des Schleims geschieht nicht nur zu Beginn des Niesens in den Atemwegen, sondern setzt sich auch außerhalb davon dynamisch fort." Ihre Studie soll dazu beitragen, den Weg der infektiösen Tropfen in der Umwelt exakter nachzuvollziehen, ihre Zahl zu bestimmen und so die Verbreitung von Krankheitserregern einzudämmen.