Das Wort "Karat" stand ursprünglich für

Andreas Jahn
a) Steine
b) Hörnchen
c) Heuschrecken
d) Zwei Dutzend
e) Sieben Brücken

Antwort:

Im Wort "Karat" verbirgt sich der Johannisbrotbaum, der seinen wissenschaftlichen Namen Ceratonia siliqua seinen hörnchenförmigen Schoten verdankt.

Erklärung:

In der Norm DIN 1301-1 vom Oktober 2002 ist es genauestens festgelegt:

   1 metrisches Karat = 0,2 Gramm

Woher kommt aber diese merkwürdige Gewichtseinheit? Seit es Handel gibt, wird gemessen und gewogen – vor allem, wenn es um Kostbarkeiten wie Gold oder Edelsteine geht. Was heute sich mit jeder Küchenwaage leicht bewerkstelligen lässt, war jedoch im Altertum durchaus ein Problem. Denn die Präzision einer auch damals genau arbeitenden Balkenwaage steht und fällt mit ihren exakt geeichten Gegengewichten.

Hierzu etablierten sich die getrockneten Samenkörner des Johannisbrotbaums, die – angeblich – immer ein Gewicht von 0,2 Gramm haben. Im wissenschaftlichen Namen des Hülsenfrüchtlers, Ceratium siliqua, steckt das griechische Wort keration für Hörnchen, das auf die hörnchenförmige Frucht des Gewächses zielt. Aus keration wurde dann im Arabischen qirat, das über das mittellateinische carratus und dem französischen carat den Weg zu "Karat" gefunden hat.

<i>Ceratonia siliqua</i>
© Spektrum Akademischer Verlag
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernCeratonia siliqua

Doch wiegen die Johannisbrotsamen wirklich immer genau gleich viel? Wissenschaftler neigen bei solchen Aussagen zu großer Skepsis und machen lieber die Probe aufs Exempel. So auch die Forscher um Lindsay Turnbull von der Universität Zürich, die Johannisbrotsamen schlicht nachgewogen haben. Ergebnis: Tatsächlich liegt das Durchschnittsgewicht bei etwa 200 Milligramm - die einzelnen Messwerte schwanken jedoch mit 25 Prozent genauso stark wie bei anderen Pflanzen auch.

Also alles nur ein Märchen? Nicht ganz. Denn als die Wissenschaftler ihre Versuchspersonen baten abzuschätzen, welche Samenkörner schwerer oder leichter sind, klappte das erstaunlich gut: Die Probanden konnten Gewichtsunterschiede von fünf Prozent - also 10 Milligramm! - problemlos erkennen. Wenn man also die zu schweren und zu leichten Körner aussortiert, bleiben zuverlässige Eichgewichte übrig.

Im deutschen Namen des Johannisbrotbaums könnte sich der Johanniterorden verbergen, dessen Mönche das Gewächs wohl schätzten. Ein anderer Deutungsversuch verweist auf die Bibel, und zwar auf das Matthäus-Evangelium, Kapitel 4, Vers 3:

Er aber, Johannes, hatte ein Gewand aus Kamelhaaren an und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber waren Heuschrecken und wilder Honig.

Heuschrecken als Leckerei? Geschmacksache. Aber vielleicht musste sich Johannes der Täufer bei seinen Irrgängen in der Wüste gar nicht auf die Kerbtiere stürzen. Denn der hebräische Begriff chagav für Heuschrecke ähnelt auffällig dem Wort charuv für - Johannisbrot. Und so könnte wegen eines schlichten Schreibfehlers der kleine Fleischhappen einst aus einem vegetarischen Genuss entstanden sein, wobei sich in dem "wilden Honig" möglicherweise die süßen Früchte des Johannisbrotbaums widerspiegeln - aus denen sich ja auch so gute Gewichte gewinnen lassen.

Das heutige metrische Karat, mit dem die absolute Masse von Edelsteinen gemessen wird, darf übrigens nicht mit der relativen Maßeinheit Karat verwechselt werden, mit dem der Gehalt von Edelmetallen - vorzugsweise Gold - bestimmt wird. Sie setzt auf eine 24er Einteilung, in der sich das in Maßzahlen immer noch beliebte Dutzend verbirgt. Eine Legierung aus einkarätigem Gold besteht demnach aus 1/24 Teil Gold und 23/24 Teilen anderer Metalle; 24-karätiges Gold ist (fast) rein. Und auf dieses hochkarätige Edelmetall zielt wohl auch der Name der DDR-Popgruppe Karat ("Über sieben Brücken"), die große Erfolge (wie 1977 die Goldmedaille der "V. Leistungsschau der Unterhaltungskunst") in den 1970er und 1980er Jahren feierte.

Das Wort "Karat" stand ursprünglich für