Wann hat sich Toilettenpapier durchgesetzt?

Annette Hupfer
a) Im 6. Jhdt. n. Chr.
b) 1391
c) 1596
d) 1857
e) 1928

Antwort:

Die chinesischen Kaiser putzten sich ihren Allerwertesten wohl schon seit dem 6. Jahrhundert nach Christus mit Toilettenpapier. Die erste Massenproduktion von Klopapier in China ist aber erst ab dem Jahr 1391 schriftlich belegt.

Erklärung:

Tonscherben, Steine, Moos, Stroh, Blätter, Sand, getrocknete Maiskolben oder deren Hüllblätter, Schnee, Wasser oder einfach die bloßen Hände … Irgendwie sind wir heute bei der Wahl des Hygienemittels nach dem Geschäft viel weniger einfallsreich als unsere Vorfahren – zumindest in der westlichen Welt.

Wie so oft, waren die Chinesen auch auf dem Gebiet der Toilettenhilfsmittel um einiges fortschrittlicher als unsere Ahnen. Die Menschen im fernen Osten schrieben ja schon Jahrhunderte vor ihnen auf Papier. Und da liegt es nahe, dass sie sich irgendwann auch weiterer Einsatzmöglichkeiten dieser genialen Erfindung bewusst wurden. Allerdings war Papier etwas sehr Kostbares, weswegen seine Nutzung als Klopapier zunächst allein dem Kaiser vorbehalten blieb. Ab 1391 jedoch produzierten die Chinesen pro Jahr beachtliche 720 000 Blätter Toilettenpapier mit nahezu gigantischen Maßen: etwa 60 mal 90 Zentimeter. Mit ihnen kam fortan auch die chinesische Oberschicht in den Genuss des Toilettenfortschritts; Ärmere mussten sich weiterhin mit billigen Naturrohstoffen behelfen.

Die alten Römer waren aber auch nicht gerade einfallslos. Sie hatten eine Bürste entwickelt, die aus einem Stock mit einem festgebunden Schwamm bestand. Bevor der Nächste damit schrubbte, tränkten sie die Bürste mit Salzwasser.

Diese Innovation geriet jedoch wie Baukunst und Philosophie weitgehend in Vergessenheit. Europa machte im Mittelalter auch toilettentechnisch zunächst eher einen Rückschritt. Die Menschen benützten erneut "Natur pur": kratziges Stroh oder Blätter, wie schon die Germanen. Wer etwas Finderglück hatte, behalf sich mit weicherem Moos. Auch in Europa war der Adel privilegiert und nutzte Schafwolle oder nasse Lappen, welche die französische Oberschicht ab der Renaissance durch Spitze ersetzte. Wenig zu beneiden waren die Mägde, welche die Stoffe danach wieder waschen duften.

Noch unappetitlicher als Waschfrau muss hingegen der Beruf des "Porte-coton" oder sein Pendant am Hofe Heinrich's VIII. in England, der "Groom of the Stool", gewesen sein. Diese Leibdiener hatten die erhebende Aufgabe, dem Regenten den Allerwertesten zu putzten. Dafür war dieser Lakai aber angeblich recht einflussreich, denn er hatte dadurch das Privileg, regelmäßig mit dem wichtigen Herrn allein zu sein.

Während der Regentschaft von Heinrichs Tochter, Elisabeth I., machte die Entwicklung der Toilette an sich einen maßgeblichen Sprung: Sir John Harington, ein Patenkind der Königin, erfand 1596 das erste Klo mit Spülung.

Bei den Toilettenhilfsmitteln tat sich erst ab 1700 wieder etwas Entscheidendes. Zeitungen wurden immer erschwinglicher, und die Leute merkten schnell, dass sie sich nach dem Lesen prima zweitverwenden ließen. Diese Tradition hielt sich lange und verschwand eigentlich erst in den letzten Jahrzehnten nach und nach. Amerikaner nutzten neben der Tageszeitung auch gerne den Versandkatalog "Sears". Als der ab 1930 auf weniger absorbierendem farbigem Hochglanzpapier erschien, löste dieser Forschritt deshalb keinen Sturm der Begeisterung, sondern vielmehr der Empörung aus.

Bis die westliche Welt es den Chinesen endlich nachmachte, Papier speziell für die Toilette zu produzieren, vergingen schließlich rund 450 Jahre. Dann kam aber sofort eine Edelvariante auf den Markt: Ab 1857 verkaufte der New Yorker Joseph Gayetty Schachteln gefüllt mit seinem Aloe-getränkten "medizinischen Papier". Er pries es als die "greatest necessity of the age" an und war auf diese "größte Notwendigkeit" derart stolz, dass er seinen Namen auf jedes einzelne Blatt druckte.

Ganz anders der Erfinder des Toilettenpapiers auf Rollen, so wie wir es heute kennen: Die Scott Paper Company genierten sich derart, mit einem so "unaussprechlichen Ding" in Verbindung gebracht zu werden, dass sie ihr Produkt Ende des 19. Jahrhunderts zunächst unter den Namen einiger ihrer Industriekunden auf dem Markt einführte, unter anderem dem bekannten New Yorker Waldorf Hotel.

1928 gründete Hans Klenk in Ludwigsburg die erste Toilettenpapierfabrik in Deutschland. Er produzierte, wie damals üblich, eine ziemlich kratzige Kreppversion. Die Neuerung, welche die Ära der sanften Reinigung einläutete, entwickelten Engländer erstaunlicherweise während des Zweiten Weltkriegs, im Jahr 1942. Die St. Andrew's Paper Mill führte das um einiges weichere zweilagige Klopapier ein.

Wer jetzt glaubt, die Evolution wäre heutzutage abgeschlossen, hat weit gefehlt. In Japan etwa geht der Trend wieder zu papierloser Säuberung. Dort sind Toiletten auf dem Vormarsch, die den Allerwertesten gezielt mit einem Strahl Wasser und einem Föhn endreinigen.

Wann hat sich Toilettenpapier durchgesetzt?