Wann setzte sich der Gebrauch von Zahnbürsten in Europa durch?

a) vor 1,8 Millionen Jahren
b) um 600 n.Chr.
c) 1498
d) 1750
e) 1950

Antwort:

Die vermutlich ältesten Zahnbürsten Europas stammen aus der Zeit um 1750.

Erklärung:

Seitdem es die Menschheit gibt, setzen ihr Zahnschmerzen zu. So deuten Kratzspuren an 1,8 Millionen Jahre alten Zahnfossilien darauf hin, dass bereits Homo erectus sich an Zahnhygiene versuchte. Allerdings benutze er hierfür noch keine Bürste, sondern Grashalme.

Auch die alten Ägypter verspürten ein Bedürfnis nach regelmäßiger Mundhygiene, das sie mit Kaustöckchen und Mundspülungen mit Natron befriedigten. In Indien fanden fasrig gekaute Zweige als Zahnbürstenersatz bereits um 600 v.Chr. schriftliche Erwähnung; und auch der griechische Arzt Hippokrates von Kos (460-377 v.Chr.) empfahl regelmäßige Zahnpflege gegen Zahnschmerzen.

Als fleißige Zähneputzer erwiesen sich die Araber, gebot doch der Prophet Mohammed (570-632) um 600: "Ihr sollt euren Mund reinigen, denn dies ist der Weg für die Lobpreisung Gottes!" Die Gläubigen gingen diesem Aufruf mit dem Miswak oder Siwak nach, ein aus den Zweigen des Arakbaumes (Salvadora persica) fasrig zerkautes Holzbürstchen.

Die Europäer zeigten sich dagegen lange als Zahnputzmuffel. Im Jahr 1498 wird in China eine – allerdings noch pinselförmige – Zahnbürste erwähnt, die bald darauf auch in Europa bekannt wird. Die europäische Zahnhygiene beschränkte sich jedoch hauptsächlich auf das Ziehen der kranken Zähne; vor dem Gebrauch eine Zahnbürste wurde sogar ausdrücklich gewarnt. Der Begründer der europäischen Zahnmedizin, der französische Arzt Pierre Fauchard (1678-1761), empfahl 1728 stattdessen, den Mund morgens und abends mit frischem Urin zu spülen. Und sein deutscher Kollege Philipp Pfaff (1713-1766) mahnte 1756: "So kann ich auch nicht den öfteren Gebrauch der Zahnbürsten billigen. Denn durch das übertriebene fleißige bürsten, wird das Zahnfleisch gereitzet und locker gemacht. Mit der Zeit wird der Zahn vom Zahnfleisch entblößet. Dies thut nun auch das seinige zur Festhaltung des Zahns, welcher daher leicht wackeln wird. Doch ich rede nur vom Misbrauch der Zahnbürste. Sie sind zur Reinigung nothwendig, und wenn man sich derselben alle 14 Tage einmal bedienet, so kann ich es wohl passiren lassen."

Dennoch setzte sich spätesten seit dem 18. Jahrhundert der Gebrauch von Zahnbürsten in Europa langsam durch, wie zwei archäologische Funde belegen: Im Mai 2003 tauchte in Quedlinburg und im November desselben Jahres in Minden jeweils eine Zahnbürste auf, die unseren heutigen Hygieneartikeln bereits stark ähneln. Übrig geblieben ist jeweils nur der fast zehn Zentimeter lange Stiel aus Tierknochen; die vermutlich aus Tierhaaren gefertigten Borsten sind längst verfallen. Das Gerät konnte übrigens gleich doppelt genutzt werden: Mit der einen Seite putze man sich die Zähne, mit der anderen – die Ohren.

Zahnbürsten blieben jedoch lange ein Luxusartikel, der nur in reichen Häusern Einzug fand. Daran änderte auch die 1780 von dem Engländer William Addis gegründete Firma noch nichts, die Zahnbürsten in größerem Umfang produzierte. Es sollten noch über hundert Jahre vergehen, bis die Zahnhygiene schließlich alle Bevölkerungsschichten erreichte. Die Patentierung des Nylons machte schließlich 1938 eine Massenproduktion von Zahnbürsten möglich. Die waren aber zunächst noch so hart, dass ihr Gebrauch wenig Freunde fand. Erst als ab 1950 weicheres Nylon hergestellt werden konnte, stand dem täglichen Zähneputzen nichts mehr im Wege.
Zahnbürste
© Landschaftsverband Westfalen-Lippe/Alexandra Pesch
(Ausschnitt)
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Die in Minden gefundene und vermutlich älteste Zahnbürste Europas stammt aus dem 17. oder dem frühen 18. Jahrhundert.

Wann setzte sich der Gebrauch von Zahnbürsten in Europa durch?