Was bezeichneten die spanischen Konquistadoren als Schweinefraß?

Daniel Lingenhöhl
a) Mais
b) Bohnen
c) Kakao
d) Vanille
e) Chili

Antwort:

Es war der Kakao.

Erklärung:

Als die spanischen Konquistadoren um Hernán Cortéz ab 1517 begannen, die Reiche der Maya und Azteken zu erobern, fielen ihnen unter anderem zwei für die damaligen Europäer ungewöhnliche Verhaltensweisen auf: Die unterworfenen Völker bezahlten eine Vielzahl von Gütern und Dienstleistungen mit seltsamen Bohnen, und sie tranken eine kalte dunkle Flüssigkeit, die bitter schmeckte und mit allerlei exotischen Zutaten wie Chili, Agavensaft oder Blütenblättern, mitunter aber auch Honig versetzt wurde.

Dieses Getränk genoss jedoch hohe Wertschätzung und durfte bei Azteken nur vom Königshaus, dem Adel und hohen Würdenträgern, Fernhandelskaufleuten und Kriegern konsumiert werden. Gerade deshalb erlangte seine Grundlage – die Kakaobohne – den Status einer ebenso wertvollen Währung. Eine Preisliste aus dem Jahr 1545 listet einige Summen auf, die beim Erwerb von Lebensmitteln zu leisten waren: So kostete ein ganzer Truthahn satte 200 Kakakobohnen, während eine Tomate schon für eine Bohne zu haben war. Die Europäer bezeichneten die Früchte daher als "Geld, das auf Bäumen wächst" – sind doch die Bohnen der Samen des Holzgewächses Theobroma cacao.

Cortéz und seine Nachfolger nahmen dieses Zahlungssystem begeistert auf, sodass es noch lange Jahre unter der spanischen Kolonialzeit erhalten blieb. Die von den oberen Zehntausend der mittelamerikanischen Hochkulturen gerne konsumierte Schokoladenkaltschale goutierten die fremdländischen Besatzer dagegen gar nicht. Laut des damaligen Chronisten Girolamo Benzoni verstiegen sich die Spanier sogar zu der Aussage, das Getränk sei eher eines für Schweine als für die Menschheit – zumindest kolportiert er dies in seiner 1575 erschienen "Storia des Mondo Nuovo". Doch mit dieser negativen Wertung waren weder Benzoni noch der Kakao alleine: Auch Christoph Kolumbus kam wohl bereits mit der Pflanze und ihrer Verwendung in Berührung, ohne ihren wahren Gehalt schätzen zu lernen. Und ebenfalls verkannt wurden andere, für die spätere Ernährung der Menschheit so hoch geschätzte Kulturen wie der Mais oder die hülsenfrüchtige Bohne.

Neben all den Verheerungen, die Cortéz und seine Landsleute in Mexiko anrichteten, kommt ihnen allerdings ebenso eine kleine Ruhmestat zu: Sie passten den Kakao – oder vielmehr das daraus erzeugte Getränk – mehr und mehr dem europäischen Gaumen an. So nahmen sie die von den Maya im Gegensatz zu den Azteken gepflegte warme Zubereitungsweise an, was schon einmal einen bedeutenden Schub für die Popularität brachte.

Der entscheidende Durchbruch gelang jedoch erst durch den Zusatz von Zucker aus Zuckerrohr – er brachte der Mixtur diese Süße, nach der die Europäer so süchtig waren. Auf der anderen Seite verzichteten die Spanier auf so exotische Gewürze wie Pfeffer oder Chili, die noch heute in mexikanischen Schokosoßen für Fleischgerichte gängig sind. Trotz der Umwidmung in eine Süßigkeit gewährte die Kirche im 16. Jahrhundert dieser Art von Kakao den Status einer Fastenspeise, was natürlich der neu gewonnenen Beliebtheit gewiss keinen Abbruch tat und ihr den Durchbruch in Spanien bescherte: Bis heute gehört eine Tasse heißer Schokolade zum standesgemäßen spanischen Frühstück dazu.

Nach diesen Jahrhunderten der innigen Beziehung zwischen Zucker und Kakao lässt sich mittlerweile aber eine gewisse Trendumkehr hierzulande beobachten. Als eine Art später Genugtuung gewinnen nun edelbittere Schokoladen zunehmend Marktanteile in Europa, und die teuersten Preise in Schokolaterien erzielen die dunkelsten Sorten mit dem höchsten Kakaogehalt. Auch die traditionalen Zutaten der Maya und Azteken erfreuen sich neuer Beliebtheit: Längst gibt es Tafeln mit Chiligeschmack zu kaufen – von Anis- oder Vanillenoten ganz zu schweigen.