Was hat Picasso einst tief beeindruckt?

a) Venus von Willendorf
b) Lascaux
c) Altamira
d) Alhambra
e) Mona Lisa

Antwort:

"Wir haben nichts dazugelernt!" soll der spanische Maler Pablo Picasso tief erschüttert ausgerufen haben, als er die Höhlenmalereien von Lascaux besichtigte.

Erklärung:

Am 12. September 1940 streiften vier Jugendliche durch die Wälder des Landguts von Lascaux und stolperten über ein Loch. Dieses Loch sollte sich als eine der größten archäologischen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts erweisen.

Marcel Ravidat, Jacques Marsal, Georges Agnel und Simon Coencas erweiterten die Öffnung, die sich als Eingang in eine tiefe Höhle entpuppte, und wagten den Abstieg. Als sie schließlich in einen riesigen unterirdischen Raum gelangten, trauten sie ihren Augen nicht: Die Felswand war bemalt mit über 20 Meter langen, durchgehenden Fresken. Rote Kühe, gelbe Pferde und Stiere, schwarze Hirsche hatten unbekannte Künstler in einem sonderbaren Wirrwarr festgehalten.

Die Höhle von Lascaux ist wohl das berühmteste Beispiel steinzeitlicher Kunst. Die Malereien entstanden vor etwa 17 000 Jahren und gehören damit zu der Kulturstufe des Magdalénien aus der Altsteinzeit. Namensgeber dieser Epoche, die von etwa 15 000 bis 11 500 v. Chr. andauerte, ist die Höhle La Madeleine, die wie Lascaux in der französischen Dordogne liegt.

Heute ist die Höhle, die nach dem Zweiten Weltkrieg systematisch erschlossen wurde, nur noch für Archäologen zugänglich. Bereits in den fünfziger Jahren tauchten erste Symptome für eine schleichende Beschädigung auf: Das ausgeatmete Kohlendioxid der über 1000 Besucher, die täglich in die Höhle strömten, griff die Pigmente an. Um eines der wertvollsten Kulturgüter der Menschheit nicht für immer zu verlieren, musste die Höhle schließlich am 20. April 1963 für die Öffentlichkeit geschlossen werden.

Doch seit 1983 können sich Touristen wieder an den steinzeitlichen Kunstwerken erfreuen: Ein originalgetreues Modell, Lascaux II, hinterlässt auch bei heutigen Besuchern einen tiefen Eindruck.


"Schau, Papa, Ochsen!" rief die neunjährige Maria, als sie 1879 mit ihrem Vater die Höhle von Altamira in Nordspanien betrat. Die beiden hatten damit die erste Höhle mit Malereien aus der Steinzeit entdeckt. Mit einem Alter von 15 000 Jahren sind die Kunstwerke nicht viel jünger als die Bilder von Lascaux und nicht minder eindrucksvoll. Doch wie Lascaux musste auch Altamira für den Publikumsverkehr geschlossen werden, um die Malereien nicht zu zerstören.


Noch älter als die Höhlenmalereien von Lascaux und Altamira ist die so genannte Venus von Willendorf, eine elf Zentimeter hohe Kalksteinskulptur, die 1908 beim Eisenbahnbau in Österreich entdeckt worden ist. Die Datierung der Statuette, die mit ihren überaus betonten Geschlechtsmerkmalen als Fruchtbarkeitssymbol gedeutet wird, ergab ein Alter von etwa 25 000 Jahren. Sie gehört damit zur Kulturstufe des Gravettien.


Der spanische Maler Pablo Picasso (1881-1973) interessierte sich übrigens sehr früh für archaische "primitive" Kunst und versuchte sie, in sein Werk zu integrieren. Kein Wunder, dass ihn die vollkommenen Bilder aus der Steinzeit tief erschüttert haben mussten. Ob ihn auch die Alhambra in Granada, dem Höhepunkt maurischer Architektur in Spanien, oder die berühmte "Mona Lisa" von Leonardo da Vinci, die heute im Pariser Louvre zu bewundern ist, ebenso beeindruckten, ist nicht überliefert.

Was hat Picasso einst tief beeindruckt?