Rezension | 26.11.2012 | Drucken | Teilen

Ägyptens Schicksalsjahr

Am 2. September des Jahrs 31 v. Chr. trafen vor der Küste der griechischen Hafenstadt Actium die Flotten der beiden mächtigsten Männer ihrer Zeit aufeinander. Seit der Ermordung Cäsars im Jahr 44 v. Chr. hatten Octavian, der spätere Kaiser Augustus, und Marcus Antonius in wechselnden Koalitionen entweder gegeneinander oder verbündet gegen gemeinsame Gegner Krieg geführt. Nun waren nur noch sie beide übrig, die Seeschlacht musste die endgültige Entscheidung bringen. Würde der in Rom längst unangefochten regierende Octavian seinen letzten Rivalen ausschalten und sich zum unumschränkten Alleinherrscher des Weltreichs aufschwingen? Oder sollte Rom künftig von Alexandria aus regiert werden, wo sich Antonius an der Seite von Königin Kleopatra als neuer Herrscher einer ägyptisch-römischen Dynastie etabliert hatte?

Der Ausgang dieses Aufeinandertreffens ist bekannt: Noch ehe die Schlacht entschieden war, wandten sich Kleopatras Schiffe zur Flucht – und Antonius, in unzähligen Gefechten erprobt, folgte der Geliebten an Bord eines Schnellseglers. Seine im Stich gelassenen Soldaten liefen zum Sieger über, und wenige Monate später standen Octavians Legionen vor den Toren der ägyptischen Hafenstadt. In auswegloser Lage nahmen sich Antonius und Kleopatra das Leben, Ägypten kam endgültig unter römische Kontrolle.

Sam Moorhead, Numismatiker am British Museum in London, und der Journalist David Stuttard haben die Auseinandersetzung der beiden Supermächte zu einem spannenden Werk verdichtet. Wir erleben die Ereignisse rund um die Schlacht von Actium von dem Moment an, als sich die blutjunge Kleopatra entschließt, den mächtigen Cäsar zum Verbündeten in ihrem Kampf um den ägyptischen Thron zu machen, bis zum endgültigen Triumph Octavians, dem mit Ägypten die Kornkammer Roms und damit der wichtigste Stützpfeiler seiner künftigen Macht zufällt.

Die wechselhafte Geschichte des Bürgerkriegs nach Cäsars Tod, Antonius Aufstieg zum machtvollen Potentaten an der Seite seiner königlichen Geliebten, seine Erfolge und Misserfolge als Feldherr, schließlich das Scheitern des berühmten Paars beim Versuch, die ultimative Macht zu erlangen – all das ist packend erzählt, ohne dass die Autoren der Versuchung erliegen, die historischen Ereignisse rund um Antonius und Kleopatra zur glamourös-tragischen Liebesgeschichte umzudeuten. Insgesamt ein empfehlenswertes Buch über einen der großen Wendepunkte der Geschichte.

epoc 4/2012