Vegetarische beziehungsweise vegane Ernährung werden in Deutschland offenbar immer beliebter. Jedenfalls verkaufen sie sich blendend. Massenhaft fluten Kochbücher, Zeitschriften und einschlägige Belletristik den Markt, die angeblich gesunde Lebensweise preisend.

"Don't go Veggie" versteht sich als Gegenmodell zu diesem Trend. Die drei Autoren – ein Lebensmittelchemiker, ein Agrarstatistiker, ein Landwirt – haben 75 Gründe zusammengetragen, warum fleischlose Kost nicht die ökologische Wunderwaffe ist, als die sie angepriesen wird. Obwohl Udo Pollmer, Georg Keckl und Klaus Alfs mit Sachkompetenz und Fakten überzeugen könnten, lassen sie sich von der Emotionalität der Debatte mitreißen. Ihr Buch ist das Musterstück eines Pamphlets: Jede sinnvolle Argumentation geht in einem despektierlichen Tenor unter, der manchmal weit unter die Gürtellinie zielt. So werden Anhänger einer fleischlosen Ernährung als "Google-gebildete Gemüseelite" abgestempelt.

Boden ist nicht gleich Boden

Eigentlich greifen die Autoren interessante Punkte auf. So behaupten Vegetarier, der Futtermittelanbau für Nutztiere blockiere wichtige Agrarflächen für die Lebensmittelindustrie. Das stimme so nicht, kontern Pollmer, Keckl und Alfs. Vielmehr ließe sich per Beweidung und Futtermittelanbau Boden nutzen, der sich zum Kultivieren anspruchsvollerer Pflanzen überhaupt nicht eigne. Auch würde der komplette Verzicht auf Nutztiere der Landwirtschaft schaden, und zwar vor allem dem Bio-Anbau, weil dann der Kuhmist als wichtige Düngemittelquelle fehlte. Solche agrarwissenschaftlichen Erörterungen sind interessant, erhellend und haben das Potenzial, qualifizierte Diskussion für und wider den veganen Boom anzuregen.

Leider mischen sich zwischen diese sachlich orientierten Beiträge immer wieder Passagen, die einen ganz anderen Unterton haben. So beschäftigen sich die Autoren mehrfach mit der Ideologie des Nationalsozialismus und deuten an, der heutige Veganismus überschneide sich in Teilen mit ihr: Auch Hitler habe sich für weniger Fleischkonsum eingesetzt. Zudem kritisieren Pollmer, Keckl und Alfs verschiedene Personen, die der vegetarischen Bewegung als Vorbild dienen, etwa den indischen Widerstandskämpfer Mohandas Karamchand Gandhi (1869-1948). Es erschließt sich beim Lesen allerdings nicht, warum der Umstand, dass Gandhi sich erst nach seinem Englandaufenthalt vegetarisch ernährte, angeblich gegen diese Lebensform spricht.

Viel zu oft reiten die Autoren spitzfindig auf den Argumenten der Gegenseite herum, statt Belege für den positiven Effekt von Fleischkonsum anzubringen. Wer wissenschaftlich fundierte Fakten zum positiven Effekt des Fleischkonsums sucht, findet sie in diesem Buch leider nicht. Auch mussten die Autoren ihr Thema erkennbar bemüht ausweiten, um auf die werbewirksamen 75 Argumente zu kommen. Was zum Beispiel die Neuansiedlung von Wölfen oder spanische Stierkämpfe mit Ernährung zu tun haben sollen, darauf erhält der verdutzte Leser keine Antwort.