Die kleine Sophie trägt ihre Angst huckepack durchs Leben – ohne sich dessen bewusst zu sein. Sie weiß zwar, dass sie anders ist als die anderen Kinder und es ihr nicht gut geht, aber nicht warum. Auch Ärzte können ihr nicht helfen, und so sucht sie selbst einen Ausweg. Schließlich entdeckt sie ihre schwere Begleiterin. Indem Sophie sich der Angst gegenübersetzt, sie betrachtet und an die Hand nimmt, verliert diese Stück für Stück an Einfluss – bis sie am Ende nur noch ab und zu vorbeischaut, wenn Sophie sie wirklich braucht.

Die Geschichte für Kinder ist anschaulich und stimmungsvoll illustriert. Besonders schön sind die Zeichnungen der Angst als dunkles, aber eher knuffiges denn Furcht einflößendes Wesen. Die Botschaft der Erzählung: Lass deine Angst nicht die Oberhand gewinnen, konfrontiere dich mit ihr, und entscheide selbst, wann du sie wegschickst, wann sie dir nützt oder dich sogar schützt.

Konkrete Tipps, wie Kinder dem Gefühl begegnen sollten, liefert das Buch allerdings nicht. Sophies Strategie, die Angst an die Hand zu nehmen, bleibt zu abstrakt, um daraus Maßnahmen abzuleiten. Ebenso wird nicht klar, in welchen Situationen es gut tut, dass "die Angst ganz nah" ist.

Außerdem ist es schade, dass die Protagonistin keine Unterstützung durch andere Kinder oder Erwachsene erhält. Niemand scheint in der Lage zu sein, ihre Not überhaupt zu erkennen. Sie kann sich nur selbst helfen. Diese Botschaft könnte betroffene Heranwachsende ängstigen statt stärken. Trotz mancher Schwäche regt das Bilderbuch dennoch zum Nachdenken und Diskutieren an.