"Eine Grafik sagt mehr als viele Bücher", prangt der Leitspruch des Werks auf der Buchrückseite – der leider nur bedingt erfüllt wird. Im Original als "Infographic Guide to Science" bezeichnet, ist das Werk eine Enzyklopädie aus optisch ansprechenden doppelseitigen Grafiken. Der Autor ist Buchgestalter und geht daher von der visuellen Seite aus an die Themen heran. Das schlägt sich in dem Band in diversen unterschiedlichen Diagrammformen nieder und trägt manchmal zu einem überraschenden Blickwinkel bei.

Oft setzt der Autor das Medium Bild wirklich sinnvoll ein, etwa wenn er Größenverhältnisse oder Zusammenhänge verdeutlicht. Ganz ohne erläuternden Text kommt jedoch auch die beste Infografik meist nicht aus – und die Texte sind in dem Buch leider sehr klein gedruckt und daher anstrengend zu lesen.

Missverständlicher Titel

Zudem erweist sich der Titel des Buchs als doppelt missverständlich. Erstens geht es nicht um Fakten und Zahlen zur Wissenschaft an sich – hier würde man eher Detailinformationen zu großen Entdeckungen oder der wissenschaftlichen Arbeitsweise erwarten –, sondern das Buch präsentiert eine Zusammenstellung an "Weltwissen". Zweitens fokussiert der Band, gemäß der im englischsprachigen Raum üblichen Trennung zwischen science und humanities und für deutschsprachige Leser vielleicht unvertraut, nur auf Naturwissenschaften, so dass die "Wissenschaft" auch in dieser Hinsicht nicht genau greift.

Das gesammelte Weltwissen umfassend darzustellen, ist natürlich schwierig; zwangsläufig werden dabei Themen selektiert und sehr komprimiert behandelt. Trotz Erwähnung auf dem Buchrücken lässt der Autor kontrovers diskutierte Aspekte wie den anthropogenen Klimawandel oder die Gentechnik komplett aus. Fakten zu anderen Themen präsentiert er oft als gesichert, obwohl der wissenschaftliche Stand dazu nicht immer so einhellig ist, etwa zur "Schneeball-Erde". Gemäß dem Vorwort möchte Cabot eine Geschichte "von der puren Energie zum puren Intellekt" erzählen und hält sich grob an eine Chronologie von der Entstehung des Weltalls über die Erdgeschichte bis zur Entstehung des Menschen. Trotzdem bleibt es eine Ansammlung von Fakten zu Einzelthemen, die nur lose verbunden sind.

Der Anhang gibt zu jeder Doppelseite mindestens eine Quelle an. Leider ist die Auswahl teils enttäuschend und zeigt, dass einigen Darstellungen eine solide Basis fehlt. So basieren manche Doppelseiten auf einzelnen Wikipedia-Einträgen oder Wissenschaftsblogs. Als Leser(in) fragt man sich hier, wozu man das einer kostenpflichtigen, gedruckten Enzyklopädie entnehmen soll, wenn es die Informationen unentgeltlich, aktueller und vielfach auch interaktiv aufbereitet im Internet gibt.

Viele Grafiken sind schön anzusehen und aufschlussreich. Für ein wirklich gutes Überblicks- und Nachschlagewerk fehlen jedoch Verweise auf weitergehende Literatur. Das Buch ist vermutlich am ehesten geeignet für Freunde von Infografiken, sowie für Menschen, die einen breiten Überblick über die Naturwissenschaften wünschen und wenig Vorwissen mitbringen. Das könnten interessierte Schüler sein, sofern sie die Informationen nicht lieber online suchen.