SciViews: Finn, auf deinem YouTube-Kanal BYTEthinks behandelst du Wissensthemen von künstlicher Intelligenz über Gravitationswellen bis hin zu Schwangerschaft und Geburt. Woher nimmst Du Deine Ideen?
Finn Dohrn: Die meisten stammen von mir, ich bin ein sehr neugieriger Mensch. Ich lese oft Spektrum der Wissenschaft und informiere mich online. Gerade Presseberichte und News über wissenschaftliche Themen nehme ich dann meist als Grundlage für meine Videos.
Es gibt aber auch andere Inspirationsquellen, kürzlich habe ich beispielsweise ein Buch über die Physik der Superhelden entdeckt. Und zu guter Letzt: Meine Zuschauer können Fragen einreichen, über die andere User dann abstimmen – und ich beantworte die Sieger-Fragen in meinen Videos.

Und wie entstehen dann deine Videos konkret?
Meist beginnt die Recherche mit Google. Wichtig ist mir, dass die Infos aus verschiedenen Quellen stammen, die in ihren Aussagen übereinstimmen. Dann versuche ich, das Thema erst einmal selbst zu verstehen. Ich halte mich für einen einfachen Denker, dem es daher auch leichter fällt, Dinge für andere Menschen genauso einfach aufzubereiten. Das recherchierte Material fließt schließlich in ein Redeskript ein. Auch alles andere erledige ich im Alleingang: Animationen, die Aufnahmen in meinem Homestudio und den Schnitt.

Dein Kanal verspricht: "Allgemeinwissen verbessern für Schule und Wissenschaft". Siehst du dich als Wissensvermittler oder eher als Wissenschaftsjournalist, der Themen auch mal kritisch angeht?
Ich behandle gern wissenschaftliche Themen und gebe auch meine Meinung dazu ab. Aber eine echte Einordnung der wissenschaftlichen Erkenntnisse traue ich mir nicht zu. Ich studiere Informatik und arbeite gerade an meiner Bachelorarbeit, kann also oft nur schwer beurteilen, ob etwa die Entdeckung eines physikalischen Phänomens Hand und Fuß hat. In der Tat versuche ich eher, allgemeines wissenschaftliches Wissen auf den Punkt zu bringen und einfach zu verpacken.

Informatik studieren und nebenher noch Filme produzieren? Wie geht das?
Gar nicht! (lacht) Das sieht man auch daran, dass ich schon längere Zeit kein Video mehr hochgeladen habe. Außerdem habe ich ja auch noch ein Privatleben. Leider ist mein Zeitmanagement nicht das beste, ich könnte meine Tage sicherlich noch besser durchstrukturieren und mehr erledigen.

Ist es eine gute Idee, den Kanal ganz alleine zu betreiben?
Bei der vielen Arbeit kommt der Gedanke an Kooperationen schon mal auf. Aber ich habe eine sehr eigene Art zu denken und die Themen aufzubereiten. Man würde wohl merken, wenn plötzlich andere mitmischen. Außerdem würde ich ganz gern den Amateurcharme meiner Videos bewahren.

Was möchtest du mit BYTEthinks denn erreichen?
Der Kanal soll noch mehr Menschen für Wissensthemen begeistern, das Thema Bildung liegt mir sehr am Herzen. So könnte ich mir vorstellen, an Schulen zu fahren und von meinem Studium zu erzählen oder die Schüler für ein Wissenschaftsthema zu begeistern. Als YouTuber erreicht man die jungen Menschen viel leichter. Und ich möchte Bildungsprojekte, etwa für benachteiligte Kinder, unterstützen, zum Beispiel mit Preisgeldern aus Wettbewerben.

Apropos Geld: Wie finanzierst Du Deinen Kanal?
Auf dem Kanal läuft nur minimal Werbung. Aber eigentlich will ich ihn nicht kommerzialisieren. Anfragen nach Product Placement lehne ich ab. Ich möchte künftig lieber auf ein Modell setzen, über das mir User auf freiwilliger Basis Geld spenden können, damit ich nicht mehr auf Nebenjobs angewiesen bin. Immerhin habe ich keine laufenden Kosten, nur am Anfang musste ich in das Video-Equipment investieren.

Ist BYTEthinks auch eine berufliche Perspektive für Dich?
Ich mache das mit viel Freude als Hobby, kann mir aber nicht vorstellen, das YouTuben zum Beruf zu machen. Für mich ist es Belohnung genug, dass viele Menschen meinen Kanal abonnieren, mir positives Feedback geben und ich Interviews wie dieses geben kann.

Das Interview führte Christian Wolf.