Normalerweise beziehen sich die Namen neuer Arten auf optische Besonderheiten oder den Fundort eines Tieres oder einer Pflanze. Das Ganze in Latein oder Griechisch übersetzt, und schon ist die neu entdeckte Spezies benannt. Manchmal verstecken sich hinter den wissenschaftlichen Bezeichnungen aber auch ungewöhnliche Geschichten.

Agathidium bushi, A. cheneyi und A. rumsfeldi
© Frances Fawcett
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 Bild vergrößern15. Agathidium bushi, A. cheneyi und A. rumsfeldi

Es ist die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen – der Schwammkugelkäfer: Agathidium bushi, A. cheneyi und A. rumsfeldi sind nach Expräsident George W. Bush, seinem Vizepräsidenten Dick Cheney und dem damaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld benannt. Die Käfer leben in verschiedenen Staaten der USA und Mexikos und ernähren sich vornehmlich von Schleimpilzen und Bakterien. Mit ein bis sechs Millimeter Körperlänge sind sie ziemlich klein. Beschrieben haben sie Quentin Wheeler vom Londoner Naturhistorischen Museum und sein Kollege Kelly Miller von der Brigham Young University. Gleich 62 Käferarten entdeckten und benannten die beiden Wissenschaftler. Bei so vielen neuen Namen ist Platz für Spielereien: So haben nicht nur die drei Politiker die zweifelhafte Ehre der Käfer-Namenspatenschaft, sondern auch die Ehefrauen der Wissenschaftler, einige historische Berühmtheiten und sogar der Film-Bösewicht Darth Vader. Die Kopfform von A. vaderi erinnert tatsächlich an den markanten Helm des Star-Wars-Charakters.

Basfia succiniciproducens
© BASF SE
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 Bild vergrößern11. Basfia succiniciproducens

Basfia sollte eigentlich eher BASFia geschrieben werden. Das Bernsteinsäure produzierende (englisch: succinic acid = Bernsteinsäure) Bakterium wurde tatsächlich nach dem großen deutschen Chemiekonzern benannt. Basfia succiniciproducens ist ein stäbchenförmiges, unbewegliches Bakterium. Es lebt anaerob, kommt also ohne Sauerstoff aus und zersetzt normalerweise den Nahrungsbrei in Kuhmägen. Im Ludwigshafener Labor von BASF isolierte man Basfia succiniciproducens erstmals 2008 aus einem Rindermagen. Die Forscher hatten gezielt nach einem Bakterium gesucht, das durch Gärung Bernsteinsäure herstellen kann, denn diese ist ein wichtiger Ausgangsstoff für die chemische und pharmazeutische Industrie. B. succiniciproducens wurde also zu Ehren des Unternehmens "das von der BASF isolierte, bernsteinproduzierende Bakterium" genannt. Inzwischen hat sich der Chemiekonzern sein Bakterium patentieren lassen und stellt damit in industriellen Mengen Bernsteinsäure her.

Vampyroteuthis infernalis
© Carl Chun, 1911 / public domain
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 Bild vergrößern7. Vampyroteuthis infernalis

Lange rätselten Forscher, wovon sich der "Vampirtintenfisch aus der Hölle" ernährt. Vampyroteuthis infernalis ist ein eher unscheinbarer Tiefseebewohner. Eigentlich ist er nicht einmal ein richtiger Tintenfisch, sondern eine Übergangsspezies vom zehnarmigen Kraken zum achtarmigen Tintenfisch. Entdeckt wurde er bei der ersten deutschen Tiefseeexpedition 1898/99 durch Carl Friedrich Chun. Chun sollte den friedliebenden, blauäugigen Kopffüßer in seinem Buch 1911 noch mit leuchtend roten Augen darstellen. Mit der dünnen Haut, die die Fangarme umspannt, erinnerte der Tintenfisch Chun an einen Vampirfürsten. So kam er zu seinem wenig einladenden Namen. Erst kürzlich wiesen Forscher nach, dass sich Vampyroteuthis infernalis von organischen Resten ernährt, die gen Meeresboden sinken, und nicht etwa von Blut.

Tamoya ohboya
© Ned DeLoach, Smithsonian Institution / public domain
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 Bild vergrößern5. Tamoya ohboya

In der Entdeckungsgeschichte dieser Qualle häufen sich die Kuriositäten. So wurde Tamoya ohboya durch ein Internetvideo bekannt und von einer Biologielehrerin benannt. Das Video wurde von einer Urlauberin beim Tauchen gedreht und fand seinen Weg zu den Meeresbiologen des Northeast Fisheries Science Center der National Oceanic and Atmospheric Administration. Dort war man sich schnell sicher, dass es sich bei der Qualle um eine bisher unbekannte Art handelt, und begann systematisch nach dem Tier zu suchen. Gesichtet wurde die karibische Qualle insgesamt 50-mal. Mit dem Begriff "bonaire banded box jelly" oder BBBJ hatte sie schnell einen alltagstauglichen Namen, nur die wissenschaftliche Bezeichnung fehlte. Also schrieben die Wissenschaftler einen Onlinewettbewerb aus, bei dem etwa 300 Menschen Namensvorschläge einschickten. Gewonnen hat "Tamoya ohboya", wobei "ohboya" für den englischen Überraschungsaufruf "Oh boy!" steht. Die Lehrerin hatte in ihrem Vorschlag beschrieben, wie sie vor Überraschung ausgerufen hatte, als sie von dem Namenswettbewerb erfuhr, und gemutmaßt, dass auch die Entdecker der Qualle "Oh boy!" gerufen hätten, als sie diese zum ersten Mal sahen.

Callicebus aureipalatii
© Mileniusz Spanowicz WSC
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 Bild vergrößern3. Callicebus aureipalatii

650 000 US-Dollar: So viel hat es gekostet, die Madidi-Springaffen in Callicebus aureipalatii oder auch GoldenPalace.com-Affen umzubenennen. Das gleichnamige Onlinekasino hatte sich das Namensrecht für die tagaktiven Baumbewohner bei einer Versteigerung gesichert. Der lateinische Ausdruck aureipalatii bedeutet übersetzt so viel wie goldener Palast; das ".com" wurde nicht mit übersetzt. Die GoldenPalace.com-Affen sind eine von 30 Arten der Titi-Affen und gehören zu den Springaffen. Sie leben im Madidi-Nationalpark in Bolivien. Sie ernähren sich von Früchten und leben monogam. Mit der goldenen Fellkrone im sonst orange-braunen Pelz passt der neue Name sogar zu den Affen. Das Geld aus der Auktion wurde dem Madidi-Nationalpark gespendet und hilft, die Heimat der Affen zu schützen.

Aaadonta und Zyzzyxdonta
© Guido T. Poppe und Philippe Poppe / Conchology, Inc.
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 Bild vergrößern2. Zyzzyxdonta

Diese zwei Schneckengattungen mogeln sich an Anfang und Ende jeder alphabetischen Aufzählung: Aaadonta und Zyzzyxdonta. Ihr Entdecker Alan Solem schrieb, die beiden Schneckenhäuser hätten so unterschiedliche Formen, dass es nur logisch sei, wenn ihre Namen ebenso weit auseinanderlägen. Aaadonta und Zyzzyxdonta sind beide Landlungenschnecken, die auf kleinen Inseln im Pazifischen Ozean leben. Sie können dort unter Steinen, auf Pflanzen oder Bäumen gefunden werden. Allerdings sind viele Arten der Gattung vom Aussterben bedroht und auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten aufgeführt.