Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Vorverurteilung ohne jegliche Sachkenntnis

    15.02.2013, Wiebke Rathje
    Mehr Bürgerbeteiligung und mehr Mitbestimmung zu gesellschaftlich umstrittenen Themen wie der Gentechnik, aber auch Stammzelltherapien, Präimplantationsdiagnostik oder Gentests, sind nur möglich, in dem Schülern als Entscheidungsträger von morgen ein naturwissenschaftliches Grundverständnis vermittelt wird. Gerade die Biologie hat in den letzten zwanzig Jahren einen enormen Wissenszuwachs erfahren. Heute müssen Schüler laut niedersächsischem Kerncurricullum bis zu ihrem Abitur komplexe Methoden wie die Polymerasenkettenreaktion, Genklonierung, ja sogar die Microarray-Technologie beschreiben können. Wie Biologielehrer diese Methoden ohne anschauliche Experimente Schülern vermitteln sollen, blieb offen. Aus Zeit- und Kostengründen ist das Experimentieren im herkömmlichen Biologieunterricht oft gar nicht möglich. Den Schulen fehlt es zudem an Ausstattung und Know-how. Mit Einführung von HannoverGEN wurde ein einmaliges Angebot geschaffen, das es Schülern und Lehrern ermöglicht, solche Experimente nicht nur an außerschulischen Lernorten, sondern in Schulen ihrer Umgebung ohne weite Anfahrtswege, durchzuführen.
    Und genau das hat den bisherigen Erfolg von HannoverGEN ausgemacht. Die Nachfrage ist groß, die HannoverGEN-Schullabore sind ausgelastet, der Bedarf an weiteren Laboren, insbesondere auch in ländlichen Regionen Niedersachsens, wäre hoch. Doch anstatt dessen wird ein Projekt, das mit viel Engagement und persönlichem Einsatz von Lehrern betrieben wurde, eingestellt ohne die Projektbeteiligten angehört zu haben.
    Ich bin wissenschaftliche Projektmitarbeiterin von HannoverGEN und musste erfahren, wie von einzelnen Interessengruppen eine Vorverurteilung vorgenommen wurde, ohne sich jemals ernsthaft mit uns und dem Projekt auseinanderzusetzen. Hätten die Kritiker unsere Einladungen zu einem Besuch eines Labortags mit Schülern angenommen, hätten sie feststellen können, dass gerade wir die Schüler überhaupt erst auf das Konfliktfeld Gentechnik im allgemeinen und die Grüne Gentechnik im speziellen aufmerksam machen (im übrigen bieten wir nicht nur Labortage zur Grünen Gentechnik an, sondern auch zu Evolution, Phylogenetik, Krebsforschung, Insulinherstellung etc.). Sie hätten feststellen können, wie das eigene Experimentieren Schüler motiviert und das Fachwissen und Interesse an Naturwissenschaften fördert. Sie hätten feststellen können, dass begleitende Studien belegen, dass ein HannoverGEN-Besuch nicht zu einer Meinungsveränderung hinsichtlich Grüner Gentechnik bei Schülern führt. Und sie hätten feststellen können, dass es uns auch gar nicht interessiert, ob Schüler eine befürwortende oder kritische Meinung bilden. Es ist aber spannend, dass Schüler anschließend fundiert und wesentlich differenzierter argumentieren können. Es wird vorausgesetzt und als selbstverständlich genommen, dass Lehrer Themen wie Abtreibung, Sexualkunde, PID etc. neutral und ohne Einflussnahme auf die Schüler behandeln können. Aber bei der Gentechnik soll das nicht der Fall sein? Welches Meinungsbild liegt bei den Kritikern eigentlich über Lehrer vor?
    Es ist somit besonders tragisch, dass gerade HannoverGEN Opfer von Ignoranz und Vorverurteilung ohne jegliche Sachkenntnis geworden ist.
  • Blinde Meinungsbildung

    15.02.2013, Nina Bailly
    Nur indem man das Thema wirklich versteht kann man sich darüber auch eine Meinung bilden, die etwas zählt. Diese erscheckende Entwicklung erinnert mich stark an die Einführung der Kreationismus-Lehre in vielen amerikanischen Highschools. Es wird gelehrt, was die Politiker sich wünschen, damit möglichst viele Menschen ihnen später zustimmen ohne überhaupt zu wissen worum es geht. Die echte wissenschaftliche Lehre wird durch die Hetzreden der Politiker ersetzt.

    Aber wer auch sich auch nur einmal mit der Materie befasst hat, erkennt schnell die populistischen, hysterischen und oft einfach falschen Argumente in der Debatte.

    Wo bleiben hier also die Chancen für freie Meinungsbildung? Wenn sich die Grünen und die SPD so sicher sind, dass gründe Gentechnik falsch ist, wovor haben sie dann Angst?

  • Den Menschen Heilen, nicht seine Symptome unterdrücken...

    15.02.2013, Uwe Neumann
    Es gibt zunehmend alternative Ansätze zur Angstüberwindung, Angstlösung und -Heilung.... Tabletten sind leider (auch) ein Riesengeschäft. Ich schließe mich Herrn Zimmermann an. Der wachsende Medikamentenkonsum, der auch auf eine von der Natur und dem eigenen Wesen entfremdeten Spezies zurückgeführt werden kann, zeigt immer mehr seine Konsequenzen.
  • Die psychosomatische Medizin

    15.02.2013, Rudi Zimmerman
    Ein sehr ausgewogener Aufsatz zum Verhältnis westlicher und östlicher Medizin.
    Interessant wären noch die Sicht der "Verbraucher" gewesen: die westliche Medizin schickt den Kranken zu 3 unterschiedlichen Fachärzten, von denen jeder dem Patienten mindestens ein Medikament verordnet, so dass er am Ende 5 Sorten Tabletten schluckt, was die Pharmaindustrie erfreut und die Krankenkassen (die Versichertengemeinschaft) belastet. Der Kranke fühlt sich jedoch abgespeist und wünscht sich Zuwendung und Verständnis und findet diese zunehmend in der östlichen Medizin. Der kranke Mensch zahlt dafür gern aus eigener Tasche, was den Vertretern der Alternativmethoden den Lebensunterhalt sichert.
    Ich frage mich jedoch, warum die psychosomatisch-psychotherapeutisch orientierten Ärzte westlicher Prägung, die ein ganzheitliches Konzept vertreten und die Kompetenz haben, dem Patienten bei seinem Wunsch nach Umorientierung zu helfen, nicht genutzt werden? Warum haben die "Patienten" das Bedürfnis, sich mit westlichen Pillen oder östlichen Nadelstichen wieder fit fürs Arbeitsleben machen zu lassen, anstatt ihr inneres Wohlbefinden durch eine Psychotherapie herzustellen - bei der sie aktiv mitarbeiten müssten?
  • Nicht nur Fische verändern ihr Verhalten

    15.02.2013, Rudi Zimmerman
    Der Fisch steht inmitten der "Nahrungskette". Zunächst landen die untersuchten Tranquilizer in Einzellern und verändern deren Verhalten - was noch gar nicht untersucht ist. Am Ende landen die Wirkstoffe selbstverständlich wieder im Menschen. Und nicht nur Diazepamderivate, sondern ein ganzer Cocktail von Wirkstoffen. Das verändert nicht nur das Verhalten der Menschen, sondern stellt auch erhöhte Anforderung an die Ausscheidungssysteme des Menschen (Leber, Nieren), die sich adaptieren müssen. So verändern die Pharmaindustrie und die Medizin die Evolution.
  • Wissenschaft? Ja, aber bitte politisch korrekt!

    15.02.2013, Wolfgang Nellen
    Es geht nicht nur um die Grüne Gentechnik. Schülerlabore sind unverzichtbar geworden. Die bestehenden Schülerlabore sind ausgebucht, weil Lehrer die Anforderungen des modernen Biologieunterrichts kaum noch leisten können. Eigentlich ist eine flächendeckende Unterstützung der Schulen durch Bio-Experten und moderne Geräte erforderlich. Statt dessen schließt Niedersachsen eines der führenden Schülerlabore Deutschlands, weil es den politischen Ansichten der neuen Landesregierung nicht entspricht - oder was? Der Koalitionsvertrag fordert mehr Bürgerbeteiligung, mehr Mitbestimmung, mehr Transparenz - das ist gut. Aber soll das erreicht werden, indem wissenschaftliche Inhalte des Schulunterrichts erst einmal auf politischer Korrektheit untersucht und bei Bedarf abgeschafft werden? Als Leiter des Schülerlabors Science Bridge in Nordhessen bin ich über die Entwicklung in Niedersachsen sehr beunruhigt.
  • Die Allverschränkungs-Hypothese

    14.02.2013, Josef Gnadl, Regensburg
    Wie Sie in der Antwort der Redaktion auf den Leserbrief "Eine Lanze für Einstein" von Andreas Fuß schreiben, besteht das Wesen der Nichtlokalität der Quantenmechanik, wie es in Experimenten zur Bell'schen Ungleichung zu Tage tritt, darin, dass das Ergebnis eines Experiments am Ort B instantan davon abhängt, WIE man am Ort A misst. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Entscheidung über das Wie der Messung am Ort A ein "von außen" wirkender Akt ist, der entweder durch die postulierte Willensfreiheit des Experimentators vollzogen wird oder sich als Ergebnis eines quantenmechanischen Zufalls-Ereignisses ergibt (letzteres wurde meines Wissens in Experimenten von Zeilinger realisiert).

    Wie wäre es, wenn man davon ausgeht, dass ein solcher "äußerer" Akt gar nicht existiert, weil auch der Wille des Experimentators oder der Zufallsgenerator in Wahrheit das Produkt eines allumfassenden Kausalzusammenhangs sind?

    Ich muss zugeben, dass ich das, was ich hier schreibe, selber mehr erahne als wirklich verstehe. Aber "Allverschränkungs-Hypothese" klingt doch gut, oder?

    Noch eine Bemerkung: Ich habe andernorts die "Many-Worlds-One-Mind-Interpretation" der Quantenmechanik vertreten. Mir ist nicht klar, ob diese mit dem hier geschriebenen verträglich ist.

  • Übertragungsrisiko

    13.02.2013, Müller
    Das Übertragungsrisiko durch Menschen besteht in der Tat. Mich wundert, dass nicht mehr Menschen aus den asiatischen Ländern auf EHEC und MRSA untersucht werden. Von Tuberkulose ganz zu schweigen. Das ist wahrscheinlich gegen die "Menschenwürde".
    Selbst das auswärtige Amt warnt vor Resistenzen in Indien aufgrund des unkontrollierten AB-Einsatzes: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/IndienSicherheit.html
  • Resistenzen durch AB-Einsatz in der Tierhaltung

    12.02.2013, Ina Müller
    Die Autorin bringt hier etwas durcheinander bzw. ist von dem in Deutschland üblichen medial geförderten Mainstream indoktriniert:
    1. Resistenzen werden in Groß- und Kleinbetrieben beobachtet - unabhängig von der Bewirtschaftsungsform, also also ob Bio- oder Konventionell: http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0030092
    und
    http://www.animal-health-online.de/gross/2012/02/08/antibiotikaresistenzen-behandlungsintensitat-und-betriebsgrosse-ohne-zusammenhang/20143/
    2. In Deutschland erfolgt die Verschreibung nicht im rechtsfreien Raum. Bis zu sieben Aufzeichnungen (bei Landwirt und Tierarzt) sind erforderlich, die jederzeit und 10 Jahre rückwirkend eingesehen werden können.
    3. In der Humanmedizin werden je kg Körpergewicht wesentlich mehr AB verschrieben, als in der Tiermedizin: http://www.medcom24.de/content/Die-AVA-zum-Antibiotikaeinsatz-bei-Tieren-Deutschland-%E2%80%93-was-bedeuten-die-Zahlen
    4. In der deutschen Veterinärmedizin werden keine (oder nur sehr wenig) Reserveantibiotika eingesetzt. Der überwiegende Anteil umfasst "alte" AB und deren Wirksamkeit belegt die fehlenden Resistenzen: http://www.openpr.de/drucken/662784/AVA-zur-Veroeffentlichung-des-Antibiotikaeinsatzes-in-der-Tiermedizin-durch-das-BVL.html
    5. Insbesondere in Abwässern aus Kliniken und Abwässern finden sich resistente Keime:
    http://www.animal-health-online.de/drms/rinder/keime.htm
    6. Resistenzen entstehen auch ohne Antibtiokaanwendung: http://www.animal-health-online.de/gross/2007/03/10/resistenzen-auch-ohne-antibiotikaanwendung-ant/9251/
    7. Falsche Verschreibungen in der Humanmedizin führen zu mehr Resistenzen: http://www.animal-health-online.de/gross/2013/02/07/humanmedizin-mehr-antibiotika-resistenzen-durch-falsche-verordnung/23975/
    und
    http://www.animal-health-online.de/gross/2010/09/15/humanmediziner-gefaehrden-wirksamkeit-von-antibiotika/14685/
    und
    http://www.animal-health-online.de/gross/2012/03/22/wissenschaftler-antibiotikaresistenzen-aus-kliniken-und-haushalten-auf-dem-vormarsch-krankenhausabwasser-separat-behandeln/20611/
    Antwort der Redaktion:

    Sehr geehrte Frau Müller,

    vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Die Ergebnisse stammen, wie ausdrücklich im Artikel erwähnt, aus Großbetrieben in China - dass in Deutschland die Verschreibungspraxis, Anwendung und Kontrolle eine andere ist, stelle ich überhaupt nicht in Frage. Genauso wenig wie den Fakt, dass Resistenzgene natürlich nicht nur aus der Tierhaltung stammen. Aber sie stammen, insbesondere in Ländern, in denen die Kontrolle nicht so gut ist wie hierzulande (und das sind viele), eben zu einem großen Teil von dort - mit entsprechenden Risiken für die Gesundheitsversorgung der dortigen Bevölkerung.

    Darüber hinaus können die dort in die Umwelt gelangten Resistenzgene sehr wohl größere regionale Auswirkungen haben: Sie gelangen über den Kompost in Oberflächengewässer, Grundwasser und die Luft und werden so weiter verfrachtet. Die Forscher sehen sogar das Risiko, dass Agrarprodukte oder Menschen, die mit entsprechend resistenten Keimen infiziert sind, solche Resistenzgene global verbreiten.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Antje Findeklee

  • Fehler

    12.02.2013, Karl Bednarik

    Salzgehalt, der 18 Mal so hoch wie jener der Ozeane
    und acht Mal so hoch wie der des Toten Meers ist.

    Meerwasser 3,5 % ( 3,5 * 18 = 63 )

    Totes Meer 28 % ( 28 * 8 = 224 )

    Don-Juan-See 44 %

    Antwort der Redaktion:

    Sehr geehrter Herr Bednarik,

    vielen Dank für Ihre Zuschrift. Die Wissenschaftler selbst sprechen davon, dass der Don-Juan-See 18 bzw. 8 Mal mehr Salz hätte als die Ozeane oder das Tote Meer. Aber da scheinen diese selbst auf dem Holzweg gewesen zu sein. Er ist offensichtlich "nur" 12,5 Mal salziger als der Ozean und 1,6 Mal salziger als Tote Meer. Ich habe den Text entsprechend angepasst.

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl

  • Eine Lanze für Einstein

    11.02.2013, Andreas Fuß
    Mit großem Interesse habe ich den Artikel „Fruchtbare Irrtümer“ in der Januarausgabe von Spektrum der Wissenschaft gelesen und möchte ihn zum Anlass nehmen, eine Lanze für Einstein zu brechen. Denn entgegen der allgemeinen Sichtweise halte ich seine Abneigung gegenüber der „spukhaften Fernwirkung“ für korrekt. Das allgemein als Verschränkung bezeichnete Phänomen wird wohl nach wie vor nicht korrekt gedeutet.

    Der kritische Punkt ist die paarweise, also auf einem gemeinsamen Emissionsvorgang basierende Emission der beiden verschränkten Teilchen. Dadurch haben beide – abgesehen von der Richtung der Emission – den gleichen identischen Satz von Eigenschaften, beziehungsweise das eine Teilchen zwangsläufig den exakt komplementären Satz zu dem des anderen erhalten, und es ist im Grunde genommen keineswegs verwunderlich, dass dann beide auch das jeweils korrespondierende Ergebnis bei der Messung einer Eigenschaft, zum Beispiel des Spins, zeigen.

    Dieses Phänomen bedarf keiner wie auch immer gearteten instantanen Fernwirkung nach der Emission, durch die die Messung des einen die des anderen beeinflusst. Ein Beispiel soll das verdeutlichen: Wenn man eine Nachricht in Form zweier identischer Kopien klassisch per Post an zwei Adressaten schickt (gemeinsamer Emissionsvorgang), wird sicherlich keiner der beiden Adressaten irgendeine wie auch immer geartete instantane Fernwirkung bemühen, um zu erklären, dass beide die identische Nachricht erhalten haben. Es liegt einfach daran, dass beide Nachrichten dem gleichen Emissionsvorgang entstammen, und daher identisch, beziehunsweise gegegenenfalls zueinander korrespondieren sind!

    Daher ist es auch nicht korrekt, aus den miteinander korrespondierenden Messergebnissen der beiden Teilchen auf eine diese Messungen beeinflussende instantane Fernwirkung zu schließen, und zwar so lange nicht, solange die beiden Teilchen einem gemeinsamen Emissionsvorgang entstammen. Erst wenn es gelänge, zwei Teilchen unabhängig voneinander zu emittieren, und Messungen an diesen voneinander unabhängigen Teilchen korrespondierende Ergebnisse zeigen würden, wäre das ein Nachweis für eine instantane Fernwirkung.

    Solange das nicht der Fall ist, besteht keinerlei Bedarf daran, eine instantane Fernwirkung zu bemühen, um korrespondierende Messergebnisse an miteinander verschränkten Teilchen zu erklären. Gemäß Ockhams Rasiermesser resultieren die korrespondierenden Messergebnisse schlicht und einfach - sowie ohne jegliche instantane Fernwirkung - auf der gemeinsamen Emission und sind daher auch vom Zeitpunkt der Emission an festgelegt.
    Antwort der Redaktion:
    So einfach ist die Sache mit der "spukhaften Fernwirkung" leider nicht. Sie argumentieren, wenn ich Sie recht verstehe, so: Wenn ich zwei identische Teilchen erzeuge und an dem einen eine Eigenschaft messe, weiß ich natürlich auch ohne Messung sofort, dass das andere Teilchen, da mit dem gemessenen identisch, dieselbe Eigenschaft haben muss ­ ganz ohne Fernwirkung. In der Quantenphysik verhalten sich jedoch Eigenschaften wie Spin und Polarisation anders als in der klassischen Physik, nämlich gequantelt. Das heißt: Messe ich den "Spin einhalb" eines Elektrons mit einem vertikal orientierten Messgerät, so erhalte ich entweder "Spin einhalb aufwärts" oder Spin einhalb abwärts". Messe ich an dem Teilchen den Spin mit einem unter zum Beispiel 60 Grad geneigten Messgerät, so erhalte ich nicht wie klassisch zu erwarten "Spin einhalb aufwärts mal cosinus 60" oder "Spin einhalb abwärts mal cosinus 60", sondern wiederum komplette Spinquanten einhalb, nur diesmal in der schrägen Richtung. Es ist die willkürliche Orientierung des Spinmessgeräts, die die Frage aufwirft: Woher "weiß" das andere Teilchen, in welcher Messrichtung ich den Spin des ersten Teilchens gemessen habe, um sich dennoch identisch zu verhalten? Erst dieses "Übermaß an Identität" der beiden Quantenobjekte sprengt den klassischen Rahmen und ließ Einstein von spukhafter Fernwirkung sprechen.
  • Dieser Artikel ist nicht veröffentlichungswürdig

    11.02.2013, Jörg Gerigk
    Die im Artikel geäußerte Kritik basiert auf einem unvollständigen Verständnis von System-Dynamics und kommt daher zu falschen Schlüssen. Ziel von "Limits to Growth" war das Herausarbeiten der grundsätzlichen Ursache-Wirkungsbeziehungen, die das globale ökologische System beschreiben. Deren Korrektheit wird vom Autor auch explizit bestätigt. Was Hayes kritisiert, ist die Genauigkeit der in das System eingehenden Parameter. Die im Artikel genannte Änderung des Zeitverzugs von 20 auf 24 Jahre bei den Auswirkungen der Gesundheitsaufwendungen bewirkt bis zum Jahr 2100 eine Abweichung um ca. 1,5 Prozent oder 53 Millionen Menschen. Die Parametrisierung des Modells ist in den letzten 40 Jahren kontinuierlich verfeinert worden – zuletzt von Jørgen Randers in 2012 –, ohne dass sich Änderungen an den zugrundeliegenden Dynamiken und damit an den gemachten Aussagen ergeben haben. Hayes ignoriert dies ebenso, wie er die über 40 Jahre erreichte Prognosegenauigkeit nicht würdigt und auch weitere unabhängige Verifikationen der Studien nicht beachtet. So z. B. die eingehende Analyse der Netherlands Environmental Assessment Agency 2009 im Auftrag der niederländischen Regierung. Wenn Hayes seinem „Glauben“ Ausdruck verleiht, dass die Katastrophe abgewendet werden kann, dann wäre es überzeugender, wenn er zeigen würde, welche dynamischen Gleichungen geändert werden müssten. Dem „Glauben“ setzt das Modell Szenarien entgegen, die zeigen, welche Maßnahmen notwendig sind. Szenarien, die im Artikel ebenfalls nicht diskutiert werden. Warum einer wenig fundierten Kritik so ausführlich Raum in „Spektrum der Wissenschaft“ gegeben wird, erschließt sich mir nicht. Die Relevanz des Themas hätte eine differenzierte Betrachtung erfordert.
    Antwort der Redaktion:

    Brian Hayes kritisiert gerade nicht die mangelnde Genauigkeit der in das System eingehenden Parameter; allenfalls wirft er den Autoren von World3 vor, sich über die (unvermeidliche) Ungenauigkeit der Parameterschätzungen keine ausreichenden (mit Hilfe der Statistik präzisierten) Gedanken gemacht zu haben. Vielmehr kritisiert er die Willkür, mit der die Autoren gewisse entscheidende Zusammenhänge in Hilfsgleichungen umgesetzt haben.

    Zu diesem Missverständnis mag beigetragen haben, dass ich, mit der Absicht der Verdeutlichung, das Beispiel mit den 24 statt 20 Jahren in Hayes' Text eingefügt habe. Damit wollte ich nicht die Frage aufwerfen, welche der beiden Zahlen der Realität näher kommt, sondern im Sinne von Hayes verdeutlichen, dass die eine Zahl so absurd ist wie die andere. Ausgaben fürs Gesundheitswesen werden eben nicht auf die Bank gelegt, so dass sie nach Ablauf einer wie auch immer festgelegten Laufzeit ihre Zinsen erbringen.

    Richtig ist: Sie wirken mit einer gewissen Verzögerung. Ob man diese Verzögerung mathematisch so realitätsfern modelliert wie in World3 oder besser (wie immer das zu machen wäre): Der Unterschied mag in der allgemeinen Ungenauigkeit des Modells ebenso untergehen wie der Unterschied zwischen 20 und 24 Jahren. Im Umkehrschluss heißt das aber, dass das Modell, zumindest in diesem Punkt, zur Entscheidungsfindung ungeeignet ist. Setzt man den Parameter "Gesundheitsausgaben" im Modell um einen gewissen Betrag hoch, wird sich zwar das Simulationsergebnis ändern; aber glaubwürdig ist von diesen Änderungen allenfalls das Vorzeichen. Auf die Frage "um wie viel soll man die Gesundheitsausgaben heraufsetzen?" kann es keine belastbare Antwort geben.

    Die hohe Zahl der Parameter nimmt auch dem Argument, dass das Modell den bisherigen Verlauf des Weltschicksals einigermaßen korrekt wiedergibt, viel von seinem Gewicht. Mit ausreichend vielen Parametern kann man alles "fitten"; diese Kritik wird ja in einem ganz anderen Gebiet, nämlich der Stringtheorie und ihren unzähligen Varianten, mit großer Schärfe vorgebracht. Insbesondere wankt der Anspruch, mit den gefundenen Gleichungen etwas Wesentliches entdeckt zu haben. Es bleibt "curve fitting". Man kann eine hinreichend lange beobachtete Entwicklung erfolgreich in die Zukunft projizieren, ohne irgendwelche fundamentalen Gesetze gefunden zu haben.

    Der "Glaube", den Hayes gegen Ende seines Artikels zum Ausdruck bringt, ist insofern nicht besser und nicht schlechter als der "Glaube" der Modellautoren, der in Form von Gleichungen und Parametern in das Modell World3 eingegangen ist. Weder der wissenschaftliche Apparat der Simulation noch die Übereinstimmung mit der Realität sind geeignet, diesen Glauben zu rechtfertigen.

    Wie könnte man es besser machen? Das läuft auf die Frage hinaus, ob man politische Grundsatzentscheidungen in sinnvoller Weise mathematisch modellieren kann. Extrembeispiel: Wie soll das Modell die Möglichkeit umfassen, dass die düsteren Prognosen die Menschheit so aufschrecken, dass sie ihr Verhalten grundsätzlich ändert und damit die Prognose selbst widerlegt? Schwierige Fragen dieser Art gehen über den Rahmen des Artikels weit hinaus.

    Christoph Pöppe, Redaktion

  • Es wird eng

    11.02.2013, Klaus Deistung
    Wir können wohl davon ausgehen, dass die Entfernung eines potenziellen Sender im Abstand von n*10 Lj existieren könnte. 2013 jährt sich zum 100. Mal die Erfindung des ersten Röhrengenerators der Welt durch A. Meißner (Meißner-Generator). Damit war es möglich, deutlich höhere Frequenzen als mit den Maschinen-Generatoren (Längst- und Langwelle) zu erzeugen – eine Revolution zur Frequenzerzeugung. Damit konnte sich das Funkwesen stark entwickeln.
    Wenn wir diese Entwicklung verfolgen, wurden die nutzbaren Frequenzbereiche immer höher, die Modulationsverfahren immer weiter entwickelt. Mit der Technik von vor 50 Jahren könnten wir viele Funkverbindungen aus der heutigen Zeit gar nicht mehr abhören.
    Und so wird es uns gehen, wenn eine höhere Intelligenz zwar Nachrichten-Verbindungen hat – aber unsere Technik für einen Empfang ungeeignet ist. Der Spielraum ist kleiner als 100 Jahre – und eine andere mögliche Zivilisation kann gut 1000 Jahre weiter sein! Hinzu kommt die Laufzeit des Signals von mindestens einigen Jahrzehnten...
    Wieviel Senderleistung wären z. B. in 20 Lj Entfernung nötig, damit wir das Signal noch eindeutig auswerten könnten?
  • Das Leibnitz-Institut GIGA, die GIZ u.a. sehen das anders

    10.02.2013, Wissenschaft und Schreie
    Sehr geehrte Frau Hennemann,

    schade, dass Sie Herrn Becker nicht auf nachfolgende Studie angesprochen haben. Dort bestätigen die Autorn viele der Vorurteile gegen das Land Grabbing. Die lokale Bevölkerung hätte nur selten Vorteile:

    Anseeuw, Ward, Mathieu Boche, Thomas Breu, Markus Giger, Jann Lay, Peter Messerli & Kerstin Nolte, 2012: Transnational Land Deals for Agriculture in the Global South. Analytical Report based on the Land Matrix Database, Number 1: April 2012. The Land Matrix Partnership (Hrsg.): The International Land Coalition (ILC), The Centre for Development and Environment (CDE), Centre de coopération Internationale en Recherche Agronomique pour le Développement (CIRAD), The GIGA German Institute of Global and Area Studies (Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien) & Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)
  • Ich freue mich ...

    10.02.2013, sabrina
    ... dass es Menschen gibt, die noch die Fähigkeit haben wahrzunehmen, was um sie herum passiert ...
    Vielen Dank für diesen guten Artikel.