Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Zurück zu den Sachfragen

    29.09.2011, Dr. Wolfgang Monninger, Essen
    Den drei Lehren aus Fukushima, die Allison Macfarlane nennt, ist zuzustimmen. Aber: Das Problem, das aus Lehre 3 (geologische Eigenschaften eines Endlagers) erwächst, ist lösbar. Zwar mag sogar den naturwissenschaftlich interessierten Laien ein "heiliges Erschrecken" erfassen, wenn er sich vorstellt, dass so gefährliche Substanzen wie
    hochradioaktiver Müll über einen Zeitraum von einer Million (!) Jahren sicher aufbewahrt werden müssen. Offenbar geht dies weit über das menschliche Vorstellungsvermögen hinaus. ABER: Große Salzstöcke in tektonisch stabiler Umgebung (unter anderem Gorleben) liefern eine Lösung - sie bieten gegenüber einer Endlagerung in Tonformationen oder Tiefengesteinen (wie Graniten) generell die besseren Möglichkeiten.


    Die Bewegung eines Salzstocks in der geologischen Vergangenheit lässt sich sehr genau aus der Konfiguration der überlagernden Schichten ablesen. Diese erlaubt eine zuverlässige Prognose der Bewegung des Salzstocks in der Zukunft. Wenn man zum Beispiel für Gorleben eine Aufstiegsrate von 1/10 Millimeter pro Jahr (die höchste und damit "gefährlichste" Rate in den letzten zwei Millionen Jahren) zu Grunde legt, erhält man nach einer Million Jahren (so lange soll Gorleben sicher sein) einen Aufstieg des Salzstocks und damit der eingelagerten radioaktiven Abfälle von 100 Metern. Es ist kein Problem, die Endlagerungsteufe so tief zu platzieren, dass aus diesem Aufstiegsbetrag kein Problem erwächst, zumal massives nutzbares Steinsalz bis zu eine Teufe von über 3000 Metern vorliegt. Das Niedersächsische Becken ist tektonisch sehr ruhig. Sollte, wenn der Teufel es will, aus heute nicht erkennbaren Gründen ein Erdbeben eine Störung von einem(?) Meter Sprunghöhe mitten durch das postulierte Endlager schlagen, so würde eine offene Kluft durch das Steinsalz sehr schnell verschlossen werden, da Steinsalz plastisch reagiert. Zwar ist die Plattentektonik noch eine relativ junge Wissenschaft, die meisten offenen Fragen aber betreffen die Plattenränder, nicht eine Position im Inneren einer Platte wie im Fall von Gorleben und ähnlichen.


    Wichtig für die Endlagerung ist, dass die einzelnen Fässer
    (Pollux-Behälter, Durchmesser zirka 1,50 Meter) in der Mitte der Salzstocks eingebracht werden. Dort gibt es radial nach allen Seiten auf mehrere 100 Meter massives Steinsalz. Es ist ohne Weiteres möglich, die komplizierten Randbereiche zu meiden, wo problematische Gesteine wie Anhydrit vorliegen (siehe "Endlager" Asse) und wo Taschen von Formationsfluiden unter Druck angetroffen werden können, zumal dann, wenn man die Fässer als einen langen Turm bis zu einer Teufe von zirka 3000 Metern übereinanderstapelt. Bei dieser Lagerung sind die Fässer sicher. Zusätzlicher Vorteil: Bei der Einlagerung als Turm ließen sich die Fässer kostengünstig wieder herausholen, falls neue Techniken (zum Beispiel Transmutation, Wiederentdeckung des Mülls als Wertstofflager) irgendwann einmal dies erwünscht erscheinen lassen.


    Eines aber ist klar: Die Castoren können nicht eine Million Jahre im Freien stehen bleiben. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir von der hochemotionalisierten Diskussion wieder zurück zu den Sachfragen kommen.
  • Astronauten, Taikonauten, Kosmonauten?

    29.09.2011, Tobias Seyb
    Aus Anlass einer aktuellen Meldung möchte ich eine Sache anregen, die mich schon länger beschäftigt. Im westlichen Kulturraum werden Weltraumfahrer als Astronauten bezeichnet. Redet man von russischen Akteuren, werden diese als Kosmonauten bezeichnet. Und jetzt kommen noch die "Taikonauten" aus China.

    Ich finde, diesen Sprachgebrauch sollte man vermeiden. Abgesehen von der konfusen Sprachvermischung sollte man doch nicht jeder emporkommenden Technologienation (sprachlich) das All zugestehen. Stattdessen sollte man Weltraumfahrer jeder Nation einheitlich bezeichnen. Das wäre auch ein Zeichen, dass über den Wolken kleinlicher Nationalismus verschwinden sollte. Denn es ist nicht der amerikanische, nicht der russische, chinesische oder meinetwegen indische Weltraum, an dessen äußerem Rand die Astronauten zaghaft kratzen. Es ist ein Teil des Himmels, der allen Menschen gehört.
  • Die Nebel lichten sich

    29.09.2011, Michael Kühnapfel
    Es ist gut, dass die Erziehungswissenschaft wieder die individuelle Variation wahrnimmt und zunehmend weniger in dumpfen Geschlechterstereotypen agiert. Sowohl bei Mono- wie bei Coedukation wird es Schüler geben, die in dem jeweiligen System gut aufgehoben sind, wobei verschiedene, auch soziale, Faktoren ursächlich sind.

    Überhaupt ist es erfreulich zu sehen, dass nach und nach viele der feministischen und genderistischen Konstrukte an Bedeutung verlieren zugunsten realistischerer Betrachtungsweisen. Das liegt wohl auch daran, dass es trotz aller politischer Steuerung immer Wissenschaftler geben wird, die Erkenntnisse erlangen und nicht Ideologien untermauern wollen. So können wir, wenn wir uns von der Vorstellung lösen, das Geschlecht sei das wichtigste Merkmal der Menschen in unserer Gesellschaft und es gäbe eine Geschlechterungerechtigkeit als zentrales Problem, uns endlich den richtigen Fragen zuwenden, die uns voranbringen.

    Und das führt uns zu den Bildungssystemen: Wenn wir bessere Bildung wollen, dann müssen wir zuerst einmal die engstirnige, intolerante, moralisierende, diffamierende, vorurteilsbeladene und wissensfeindliche Gesellschaft ändern, Platz schaffen für neue Ideen, ein Klima geistiger Offenheit und gegenseitiger Wertschätzung, in der Bildung ein wertvolles Gut ist, das es wert ist, dass man auch dafür Geld ausgibt. Wenn wir wieder gelernt haben, dass es einen Unterschied gibt zwischen persönlicher Meinung und wissenschaftlicher Erkenntnis, und dass Menschen, die anderer Meinung sind, durchaus gute Gründe dafür haben können, wenn wir wieder zuhören können und verstehen statt zu verurteilen, dann wird das auch für die Bildung, für die Kinder und Jugendlichen in diesem Land mehr bringen als sämtliche konstruktivistischen Didaktikkonzepte.
  • Titel Ihres Leserbriefes

    28.09.2011, Gerhard Pahl, Winsen
    Fluoreszierende Tausendfüßer habe ich schon vor 30 Jahren als Zivildienstleistender auf Hallig Langeneß beobachtet - und das Phänomen für etwas ganz Normales bei dieser Tiergruppe gehalten...
  • Interessante Theorie von Herrn Kächele

    27.09.2011, Dipl. Phys. Kai Petzke
    Die von Herrn Kächele geäußerte Vermutung, dass das "Neutrino-c" im Gegensatz zum "Photon-c" nicht durch die Masse unserer Galaxie im allgemeinen und der Erde und der Sonne im speziellen beeinflusst wird, und daher gemäß allgemeiner Relativitätstheorie (kurz ART) höher liegt, ist sehr interessant. Die Folge wäre natürlich, dass Neutrinos nicht der Gravitation unterliegen. Dieses ließe sich in einem Satellitenexperiment grundsätzlich überprüfen, indem die Ablenkung eines Neutrinostrahls durch die Sonne gemessen wird. Dieses Experiment wäre ähnlich fundamental wie die Messung der Ablenkung von Sternenlicht in der Nähe der Sonne während einer Sonnenfinsternis, mit der vor knapp 100 Jahren erstmalig die ART bestätigt wurde.

    Würde bei einem solchen Experiment verifiziert, dass Neutrinos nicht der Gravitation unterliegen, wirbelt dieses das komplette Standardmodell durcheinander. Das ist aber nicht schlimm, immerhin beißen sich die Physiker an der Vereinigung von ART und den anderen Naturkräften seit mehreren Jahrzehnten die Zähne aus. Ein abweichendes Verhalten von Neutrinos gegenüber den Vorhersagen der ART würde Hinweise geben, wo Fehler in den bisherigen Theorien stecken, und folglich möglicherweise auch, wie eine Vereinigung doch noch zu schaffen ist.

    Man sollte aber nicht zu früh auf "neue Physik" hoffen. Viel wahrscheinlicher ist, dass man bei der Messung der Länge der Basislinie einen systematischen Fehler von 18 Metern begangen hat.


    Kai Petzke
  • Plagiat statt Fälschung

    27.09.2011, Dipl. Phys. Kai Petzke, Berlin
    mit Interesse habe ich Ihren Artikel "Echte Gefahr durch falsches Botox" gelesen. Allerdings stoßen einige Teile der Darstellung stark negativ auf:

    * Erst mal eine Begrifflichkeit: Als "gefälschte" oder "manipulierte" Arzneimittel sollten nur solche Zubereitungen bezeichnet werden, die den angegebenen Wirkstoff nicht oder nur in sehr stark abweichender
    Konzentration enthalten oder die stattdessen oder zusätzlich einen nicht deklarierten Wirkstoff enthalten oder die unter Verletzung des Markenrechts vertrieben werden (gleicher Name und Aufmachung wie das Original). Das im Artikel beschrieb eine angebliche Malariamittel Artesunat ist eine typische Fälschung. Bei Botox schreiben Sie hingegen, dass von den nicht lizensierten Botox-Medikamenten nur 20 % wirkstofffrei, also gefälscht sind. Von diesen "echten Fälschungen" geht aber genau keine Gefahr aus! Die 80 % der Botox-Nachahmerprodukte mit Wirkstoff sollte man hingegen als "Plagiate" (soweit Patente verletzt werden), als "nicht zugelassene Arzneimittel", als "Wirkstoffe aus dubiosen Quellen", als "illegale Nachahmerprodukte" oder ähnlich bezeichnen, nicht als "Fälschungen".

    * Wie der beständige Markt für illegale Rauschdrogen und der zunehmende Markt für illegale Nachahmerprodukte legaler Medikamente zeigt, kann ein Programm zur Verringerung des Vertriebs von Botox aus nicht kontrollierten Quellen nur erfolgreich sein, wenn das Verbot mit der Verfügbarkeit legalen Botox für einen fairen Preis nahe an den Herstellungskosten gekoppelt ist. Andernfalls werden dubiose Hersteller immer versuchen, mit der Arbitrage zwischen den niedrigen Herstellungskosten und den hohen Preisen der offiziellen Produkte einen Gewinn zu machen. Dies gilt um so mehr, je einfacher Botox in der Herstellung ist. Ein reines Verbot illegalen Botox ohne die günstige Verfügbarmachung legalen Botox ist in etwa genauso Erfolg versprechend wie ein Verbot von Alkohol, Nikotin, Kokain oder Heroin.

    * Der Artikel enthält nicht die geringsten Hinweise darauf, wie aufwändig die Herstellung größerer Mengen konzentrierten Botox-Toxins ist. Es handelt sich ja um ein recht empfindliches Eiweißmolekül, das an Luft oder bei Hitze schnell denaturiert. Viele einfache Methoden zur Aufkonzentration, wie etwa die Abdestillation von Wasser aus einer Vorlage, scheiden damit aus. Entsprechend selten war bisher der erfolgreiche Einsatz von Botox als Biowaffe, obwohl das Toxin schon lange bekannt ist und die Toxin produzierenden Bakterien einfach zu züchten sind.

    * Die Ehec-Epidemie hat jüngst gezeigt, wie gefährlich lebende Bakterien für die Bevölkerung sein können, und wie hilflos die Behörden bei der Suche nach der Infektionsquelle agieren. Warum sollte es ein Terrorist also
    überhaupt darauf anlegen, das Toxin zu isolieren oder für viel Geld von jemandem zu kaufen, der es für ihn isoliert, wenn er stattdessen mit viel weniger Aufwand das Bakterium selber züchten und für den Angriff nutzen kann?

    Am Ende erscheint der Artikel als der Ruf eines Pharmalobbyisten nach staatlicher Kontrolle und Verboten, um die etablierten Hersteller vor dem Umsatzverlust durch Nachahmerpräparate zu schützen. So etwas hat Ihre Zeitschrift eigentlich nicht nötig.
  • Ein Stück Unendlichkeit

    27.09.2011, Dietmar Müller, St. Wendel
    Im Grunde geht es nicht um verschwundene Galaxien,sondern um das wirkliche Ausmaß des Universums. Denn dass die Astronomen die Sichtbarkeitsgrenze von ca. 13 Mrd. Lichtjahren mit dem Alter des Universums gleichsetzen: DAS ist der fundamentale Irrtum.
    Es ist eben nur eine Sichtbarkeitsgrenze. Was jenseits der 13 Mrd. Lichtjahre liegt, können wir nicht sehen, weil das Licht noch nicht bei uns angekommen ist.
    Wenn das Licht 13 Mrd. Jahre unterwegs war und somit 13 Mrd. Lichtjahre zurückgelegt hat, dann bedeutet das doch, dass das Objekt, welches im Objektiv des Hubble-Teleskop zu sehen ist, dieses Licht vor 13 Mrd. Jahren ausgestrahlt hat. Und dass dieses Objekt eben vor 13 Mrd. Jahren so aussah, wie es jetzt im Hubble zu sehen ist.
    Mit anderen Worten: Licht, das in unsere Richtung unterwegs war, hat 13 Mrd. Jahre gebraucht. Was aber ist mit Licht, das in die entgegengesetzte Richtung unterwegs war?
  • Higgs-Teilchen, ja oder nein?

    27.09.2011, Dr. Wolfgang Lehmann, D-65527 Niedernhausen
    Im Interview mit Frau Pauss wird der Eindruck erweckt, man könne die Frage nach der Existenz des Higgs-Teilchens abschließend mit JA oder NEIN beantworten. Doch wohl eher nicht. NEIN kann nur heißen: "Bis heute nicht gefunden."
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Dr. Lehmann,



    momentan können die Teilchenphysiker tatsächlich nur sagen, dass sie das Higgs-Teilchen noch nicht gefunden haben. Der LHC deckt aber sämtliche Energiebereiche ab, in denen es sich nach der Theorie befinden könnte, sofern es existiert. Sollte das Higgs-Teilchen nach Jahren sorgfältiger Messungen mit dem LHC nicht gefunden werden, werden die Forscher seine Existenz dann tatsächlich ausschließen können.



    Herzliche Grüße,



    Barbara Wolfart
  • Ist die Entfernung Quelle-Detektor wirklich genau bekannt?

    27.09.2011, Werner Kohl, Kitzingen
    Die Interpretation der Messdaten steht und fällt mit der Kenntnis der genauen Entfernung zwischen Neutrinoquelle und Detektor. Laut Artikel ist diese Entfernung auf 20 cm genau bekannt. Entspricht dies aber der Realität? Auf welchem Modell der Erde beruht diese Entfernungsmessung?

    Die Erde ist keine Kugel. Sie ist auch nur angenähert ein Rotationsellipsoid. Daher ist die Messung bzw. Berechnung der Entfernung entlang einer Geraden zwischen 2 Punkten nichttrivial. Wie wurden die Höhen von Quelle und Detektor bestimmt?

    Welches Höhenmodell wurde zur Umrechnung der GPS- bzw. Differential-GPS-Daten verwendet, um die räumliche Entfernung zwischen 2 Punkten zu bestimmen? EGM96 oder EGM2008? Auf der Seite http://geographiclib.sourceforge.net/cgi-bin/GeoidEval kann man die Unterschiede der Höhenmodelle an verschiedenen Orten der Erde berechnen lassen. Beispiel: Geoidhöhe bei 40° n.B., 10° ö.L.:
    EGM2008 = 45.1943 m
    EGM96 = 45.7259 m
    Fehler im Höhenmodell der Erde pflanzen sich direkt in der Entfernungsberechnung fort.

    Bevor ich eine Überschreitung der Lichtgeschwindigkeit - so interessant das auch wäre - glaube, möchte ich die Entfernung Quelle-Detektor verifiziert sehen.
  • Kann man helfen?

    26.09.2011, Liane Mayer, Wien
    Gibt es nicht irgendwo eine Unterschriftenliste, in die man sich eintragen kann, um die Behörden auf die Unsinnigkeit solcher Anklagen hinzuweisen oder den angeklagten Wissenschaftlern wenigstens Solidarität zu bekunden?
  • Texte im rekonstruierten Clip

    24.09.2011, René Vollmer, Hamburg
    Hallo,
    mir ist aufgefallen, dass im rekonstruierten Clip Texte im Bild zu lesen sind.
    Unter anderem habe ich folgende Schriftzüge entziffern können: "The [...] King with the n [..] gy was born.", "Tou ce que je v[...]", mehrfach sogar diese: "4 Life", "Powershot", "youtube.com" ,sowie weitere Fetzen.
    Außerdem sind diese viel klarer als die gesehenen Bilder und kommen in den originalen Clips nicht vor.
    Wie lässt sich dieser Effekt erklären?
    Antwort der Redaktion:
    Lieber Herr Vollmer,

    dieser Effekt lässt sich dadurch erklären, dass die Forscher als "Baumaterial" für die Rekonstruktion existierende Clips verwendeten. In manchen davon war Text enthalten. Wenn das Computerprogramm nun diese Schnipsel auf Grund ihrer Ähnlichkeit zum Originalvideo auswählte, geriet mitunter der Text in den rekonstruierten Clip.



    Mit freundlichen Grüßen

    Jan Dönges

    Redaktion spektrumdirekt
  • Neutrinos offenbaren die wahre "Licht"geschwindigkeit

    23.09.2011, S.Kächele, Laufenburg
    Falls es sich nicht tatsächlich um einen Messfehler handelt, wäre das gefundene Ergebnis geradezu eine Goldgrube für die Astrophysik und sehr vieles verändern!

    Der gemessene höhere Wert der Neutrinogeschwindigkeit stellt die von der Massenwirkung des Sonnensystems bereinigte Grösse von -c- dar, die bisher nie vergleichend beobachtet werden konnte. (Wie denn auch?!).

    Durch die (fast) nicht masse-wechselwirkenden Neutrinos wird nun die lokale Masse-Raum-Zeit Wirkung des Sonnensystems und der Galaxie, in der wir uns befinden, auf die elektromagnetische Wellen offenbar.

    Dies hätte tatsächlich weitreichende Folgen:
    1. Der Wert für das bereinigte -c- fiele etwas höher aus!
    2. Man könnte mit der Differenz Neutrino-c und EM-Wellen-c rel. einfach die tatsächliche Masse unseren Sonnensystems und der Galaxie errechnen. Und die Überraschung wird vermutlich groß sein, wenn die Masse unseres Sol-systems deutlich höher, als bisher geschätzt, angesetzt werden muss.
    3. Kosmische Ereignisse würden sich per Neutrinos vorher ankündigen! Insbesondere sehr, sehr nützlich für kosmische Großereignisse der solaren Nachbarschaft.
    4. Die Modelle für die neutrinorelevanten Supernovae müssten z.T. komplett neu gedeutet werden.
    und vermutlich noch viel, viel mehr!
  • Kopf ab oder verbrennen

    23.09.2011, Harald Weiche, Garbsen
    Mal ganz ehrlich, wenn man sich mit Erdbeben oder Erdbeeren beschäftigt, dann sollte man sie entweder vorhersagen können oder essen. Wer das dann nicht kann, sollte geköpft werden. Wenn sie es dann doch hinbekommen, ist es ein erstaunliches Wunder und kann nur auf Zauberei beruhen. Dann sollte man sie als Hexer oder Hexen verbrennen. :-)
  • Wirklich geduldig oder einfach nur vergesslich?

    19.09.2011, Edgar Renje, Chemnitz
    Hallo,

    meiner Meinung nach wurde bei diesem Experiment nicht berücksichtigt (und das dürfte schwer nachzuweisen sein, da man sich nicht "in den Köpfen" der Raben befindet bzw. in diese einsehen kann), ob die Raben das erste Stück wirklich verschmähten, um an das bessere zu gelangen oder ob sie es quasi aus Gewohnheit verschmähen: d.h. dass sie es instinktiv nach seiner Qualität bewerten. Zudem kommt noch die Komponente der Zeit. Wer kann mir sagen, dass der Rabe diese Zeit wirklich abwartet und nicht etwa einfach ein "neues" Stück vorfindet? Ich denke, dass ist schwer nachweisbar und deshalb ist die ganze Begründung und der Vergleich zu Menschen nicht haltbar.

    Dennoch ein schöner Bericht.


    Mit freundlichen Grüßen

    Edgar Renje
  • Wirklich Zufallsverteilung?

    16.09.2011, Fritz Diem, München
    Dem Augenschein nach ist der in der Bildunterschrift erwähnte Zwischenraum zwischen Spalte 0 und 39 NICHT mit "per Zufall" erzeugten Farben gefüllt.
    Um dem genauer nachzugehen, habe ich daher ganz einfach die gelben Felder pro Spalte gezählt und das Ergebnis über den Spalten aufgetragen. Der Augenschein wird bestätigt, es ergibt sich eine Punktwolke, in die man mit Hilfe der gaußschen Regressionsrechnung eine Gerade mit der Steigung 0,118 oder 0,150 Gelb pro Spalte legen kann, je nachdem, ob man die beiden ersten und die beiden letzten Spalten dazu nimmt oder nicht.
    Haben Sie eine Erklärung für den Unterschied zwischen Augenschein und Rechnung einerseits und der Bildunterschrift andererseits?
    Antwort der Redaktion:
    WIr freuen uns sehr über das aufmerksame Interesse an unserem Artikel, das den interessanten Bemerkungen von Herrn Diem zugrunde liegt.



    In der Tat ist der optische Eindruck dieses Bildes zunächst, dass links deutlich mehr blau ist als rechts. Die äußerste linke Spalte ist blau, die äußerste rechte gelb, und auch die oberste und unterste Zeile sind links blau und rechts gelb – aber nicht durch Zufall, sondern per definitionem. Egal wie die Zellen sonst eingefärbt werden, sind dies mit knapp 40 etwa 10 Prozent der Gesamtzellen, die damit den optischen Eindruck dominieren.




    Wir haben dieses Bild, wie die Quellenangabe auch sagt, von Harry Kesten übernommen und die Zellen nicht selbst durchgezählt. Das habe ich jetzt einmal getan und komme in der linken Hälfte in der Tat auf ein Übergewicht von 10 blauen Zellen, rechts von 18 gelben -- die 40 Randzellen nicht mitgerechnet (links sind 91 blaue, 71 gelbe, rechts 63 blaue, 99 gelbe, wenn ich mich nicht verzählt habe). Diese Randzellen liefern definitionsgemäß links 38 blaue, rechts 38 gelbe Zellen hinzu. Die Abweichung in der Verteilung der inneren Zellen vom Erwartungswert ist damit kleiner als der durch die Definition erzwungene Randeffekt. Dies bestätigt, dass die optische Dominanz des Blauen links und des Gelben rechts hauptsächlich durch
    den vordefinierten Rand erzeugt wird.




    Man kann aber in der Tat fragen, wie gut der Zufallsgenerator war. Erwarten würde man, dass von den 162 "freien" Zellen der linken
    Hälfte gerade 81 blau und 81 gelb sind. "Erwarten" heißt, dass dies der Mittelwert bei vielen Zufallsexperimenten sein sollte. Die
    Wahrscheinlichkeit, dass genau 81 Zellen blau sind, ist extrem klein. Wäre das der Fall gewesen, hätte man spekulieren können, dass die Statistik sorgfältig gefälscht worden ist. Die Standardabweichung eines Zufallsexperiments mit N=162 Versuchen ist die Wurzel aus N, also etwa 13. Die Normalverteilung (von der wir hier ausgehen) besagt, dass etwa 68 Prozent aller Ergebnisse weniger als eine Standardabweichung vom Mittelwert entfernt liegen und 95 Prozent weniger als zwei. Eine Abweichung von 10 bzw. 18 ist also weniger als eine bzw. anderthalb
    Standardabweichungen vom Mittel entfernt. Das kommt durchaus vor, ist zwar nicht besonders wahrscheinlich, aber auch nicht wirklich
    unwahrscheinlich und allemal extrem viel wahrscheinlicher, als dass auf beiden Hälften genau 81 blaue und gelbe Zellen vorkommen, und im letzteren Falle wäre vermutlich niemandem
    etwas aufgefallen. Damit liegt dieses Ergebnis in einer Schwankungsbreite, die durchaus Aufmerksamkeit erregen kann,
    ohne aber statistisch wirklich aussagekräftig zu sein. Ach ja: und ich kann mich ja bei meiner Statistik auch verzählt haben. Kommt immer wieder vor, ist nicht sehr unwahrscheinlich. Da kommen leicht eine Handvoll falsche Zellen zusammen, deren Größenordnung nicht weit weg ist von den beobachteten Phänomenen.




    Nun kann man versuchen, andere statistische Tests (zum Beispiel mit einer Geradengleichung) durchzuführen, um sorgfältiger nachzusehen. Bei jedem dieser Tests kann man sich dann fragen, mit welcher Wahrscheinlichkeit dieses Ergebnis durch eine zufällige Schwankung entstanden sein kann oder wie sehr es darauf
    hindeutet, dass der Zufallsgenerator nicht perfekt war (bzw. keine "faire Münze" verwendet worden ist). Je mehr solcher Hypothesen man nachgeht, desto wahrscheinlicher ist es aber auch, dass eine von ihnen Alarm schlägt. Wenn man beispielsweise prüft, ob
    überdurchschnittlich viele blaue Zellen Koordinaten haben, die Primzahlen oder Quadratzahlen sind oder was auch immer: Bei
    100 solcher Tests ist zu erwarten, dass einer von denen ein Ergebnis
    anzeigt, das nur mit 1% Wahrscheinlichkeit vorkommt und daher mit 99% Wahrscheinlichkeit gefälscht ist (ein beliebtes Spielfeld für Verschwörungstheorien).




    Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum ich diese Tests nicht zu weit verfolgen will: Was das Bild illustrieren soll, ist die Randkurve zwischen blau und gelb, die sich beim Phasenübergang einstellt. Diese ist, soweit ich sehe, korrekt dargestellt, und damit ist das eigentliche Anliegen des Bildes erfüllt. Selbst wenn also der ursprünglich verwendete Zufallsgenerator mangelhaft war, spielt das keine entscheidende Rolle.




    Prof. Dierk Schleicher
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