Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Die Frage nach Erkenntnissen

    04.05.2010, Martin Freudenreich
    Es gibt verschiedene Wege, die so genannte Gaia-Theorie zu betrachten. Die Vertreter der Medea-Gegentheorie haben meiner Meinung nach ein sehr eingeschränktes und reduktionistisches Blickfeld. Doch Gaia lässt sich nicht auf diese Art und Weise erfassen. Um die lebendige Erde zu erkennen und diese durchaus sinnvollen und hilfreichen Erkenntnisse für das Leben anzuwenden, ist es notwendig, ihre Zusammenhänge ganzheitlich zu betrachten. Natürlich stimmen einige Kriterien nicht mit der gängigen Theorie überein. Doch warum? Weil sie aus der Gesamtheit herausgegriffen werden. Man bedient sich an einigen erdgeschichtlichen Befunden, und schon ergibt sich ein scheinbar völlig widersprüchliches Bild. Ganzhheitlich betrachtet bedeuten solche Befunde jedoch nicht mehr als eventuelle Notwendigkeiten, um das Leben wie es in seinen heutigen Ausmaßen existiert, erst möglich zu machen. Vielleicht musste das Leben derart schwanken, um 3,5 Milliarden Jahre zu existieren. Was bringt es uns, Massensterben als Rechtfertigung einer derart destruktiven Medea-Theorie heranzuziehen?
    Die Medea-Theorie birgt meiner Meinung nach nichts weiter als destruktives lebensfremdes Potential. Natürlich könnten wir das Wissen um eine selbstzerstörerische Erde dazu verwenden, unser eigenes kurzlebiges Verhalten zu rechtfertigen. Doch was bringt uns das? Die Gaia-Theorie ist ein Schritt in die Zukunft, in eine nachhaltige lebenswerte Zukunft. Das Leben auf unserem Planeten existiert seit etwa 3,5 bis 3,8 Milliarden Jahren. Die gesamte erdgeschichtliche Artenvielfalt schätzt man auf bis zu 30 Milliarden. All diese Erkenntnisse lassen für mich nur eine Erkenntnis erwachsen: Das Leben geht seinen Weg, vielfältig, komplex und vor allem fortdauernd. Was ist das für ein Wesen, welches sich nun anmaßt zu behaupten, die Erde gliche einer Medea, nur weil einige Daten dafür sprechen. Was bedeuten solche Daten schon in Hinblick auf den Reichtum unserer Natur. Ist sie nicht der größte Beweis für ein taugliches und effektives Zusammenspiel zwischen Erde und Organismen? Nutzen wir die Erkenntnisse der Gaia-Theorie lieber, um das Leben zu erhalten, anstatt die "Beweise" der Medea-Theorie, um den zerstörerischen Homo sapiens aus seiner Natur heraus zu rechtfertigen. Unsere Kinder werden uns dafür danken.
  • Prekäre Energiefrage

    04.05.2010, Dr. Ralph P. Schorn, Wassenberg
    Das Statement, Fusion werde nicht in der Lage sein, früh genug oder gar überhaupt in den Energiemix einzutreten, ist genauso viel oder wenig "beweisbar" wie die Behauptung, regenerative Energien könnten bis 2030 unsere Grundlast bereit stellen. Auch hier gibt es viele ungelöste Fragen - nur zwei Stichworte: Energiespeicher und gesicherter Transport über große Distanzen. Ich sehe hier keinen Unterschied.

    Die Energiefrage ist prekär: Wir haben nicht viele Möglichkeiten und schon gar keine, die aus heutiger Sicht mit absoluter Sicherheit zu Erfolg führen wird. Es ist deshalb notwendig, alle Optionen zu verfolgen. Die vielleicht zehn Milliarden Euro, die ITER am Ende kosten wird, muss man vor dem Hintergrund der Summen, die in der Bankenkrise geflossen sind, und in Anbetracht der Umsätze und Gewinne der Energiekonzerne in meiner Sicht in keiner besonderen Weise rechtfertigen: Ohne hinreichend preiswerte (!) Energie sind unser Lebensstandard und in Folge die soziale Stabilität langfristig in Gefahr.
  • Aussterben der Mammuts

    03.05.2010, Dieter Rausch, Bielefeld
    Könnte diese Eigenschaft des Hämoglobins schließlich zum Aussterben der Mammuts geführt haben, als die Temperatur nach der Eiszeit anstieg? Führte dies zu einer verringerten Sauerstoffversorgung?
  • Gleichgewicht zwischen Moral und Eigennutz

    03.05.2010, Dr. Gerald Rudolf, Bad Homburg v. d. Höhe
    Die Betrachtung zeigt, wie problematisch es sein kann, ein einzelnes Verhalten als (a)moralisch zu bewerten - und dass als begrenztes moralisches Budget erscheinen kann, was ein im Überlebenssinn fein austariertes Gleichgewicht zwischen Moral und Eigennutz sein mag. Die zitierte Studie eignet sich allerdings kaum zum Beweis. Denn was wäre daran moralisch, bei einem offenbar ohnehin asymmetrisch angelegten Test auf einen finanziellen Vorteil zu verzichten, geschweige denn, einen Geldbetrag mit einem Unbekannten zu teilen, von dem man weder weiß, ob er ihn braucht, noch wie er ihn verwendet? Das wäre nur dumm. So legt die Studie viel eher nahe, dass ökologisches Wissen ein Zeichen von Intelligenz, Vorsicht und Voraussicht ist, was sich auch leicht einsehen lässt.
  • Multiversum

    03.05.2010, Bernd Siemienowski
    Es ist in dem Artikel sehr anschaulich dargestellt welche Auswirkungen unterschiedliche Eigenschaften von Quarks haben können. Für mich erscheint es so, als würde sich ein zweidimensionales Wesen vorstellen, wie die dreidimensionale Welt beschaffen sein könnte. Wäre es möglich, dass es sich nicht um viele separate Universen, sondern um für uns nicht erfassbare Dimensionen des gleichen Universums handelt?

  • Stents nicht die beste Wahl, Schlaganfällen vorzubeugen

    03.05.2010, Enrico Floßmann, Oxford
    Die Behauptung in Ihrem Beitrag, die Angioplastie (Ballontherapie) sei weniger belastend als die operative Entfernung (Endarterectomie) atherosklerotischer Plaques der Halsschlagadern, ist mit Ausnahme einiger weniger Sonderfälle leider falsch.(1)
    Die Angioplastie ist im Gegenteil mit einem zirka drei Prozent höheren Schlaganfallrisiko verbunden als die Endarterectomie, wie die kürzlich veröffentlichte International Carotid Stenting Study in Übereinstimmung mit den allermeisten bisherigen Studien erneut gezeigt hat.(2)
    Schirmchen oder andere so genannte “protection devices”, die angeblich das prozedurale Schlaganfallrisiko vermindern sollen, sind im Gegenteil mit höheren Komplikationsraten verbunden als einfache Stents ohne solche Systeme.(3)
    Bei mäßiggradigen (50 bis 69 Prozent) oder bisher asymptomatischen Stenosen ist der Nutzen der Angioplastie generell fraglich, da das Schlaganfallrisiko ohne Eingriff nur unwesentlich höher ist als das Risiko eines Eingriffs. Eine ähnliche Risikoverminderung kann wahrscheinlich schon durch optimale medikamentöse Behandlung mit Plättchenaggregationshemmern (e.g. Aspirin), Blutdrucksenkung, und Cholesterinsenker (Statine) erreicht werden.


    (1) Rothwell PM. “Carotid stenting: more risky than endarterectomy and often no better than medical treatment alone.” Lancet 2010;375:957-9.
    (2) International Carotid Stenting Study investigators. Carotid artery stenting compared with endarterectomy in patients with symptomatic carotid stenosis (International Carotid Stenting Study). Lancet 2010;375:985-97.
    (3) Bonati LH, Jongen LM, Haller S et al (ICSS-MRI study group). New ischaemic brain lesions on MRI after stenting or endarterectomy for symptomatic carotid stenosis: a substudy of the International Carotid Stenting Study (ICSS). Lancet Neurol. 2010;9:353-62.

    Dr Enrico Floßmann, DPhil, MRCP

    Consultant Neurologist
    Royal Berkshire Hospital Reading

    Honorary Fellow
    Stroke Prevention Research Unit
    Department of Clinical Neurology
    University of Oxford

  • Überall Klingelgonen

    02.05.2010, Weiche, Garbsen
    Ganz ehrlich. Was hat das ganze mit einen Traktorstrahl gemeinsam? Mehr als eine Idee zur gerichteten Bewegung wohl nicht.

    Der Titel ist murks, der Inhalt fragwürdig...

    Deutscher Tüftler ersinnt Startrek-Beamer
    Die Idee kam mir letztens am Frühstückstisch, als ich zu meiner Frau sagte: "Schatz kannst Du mir mal die Butter reichen?" Es ist eine Art Kurzstrecken-Beamen für Kaffeetassen oder eben Butter. Es funktioniert durch die Benutzung von so genannten Biotranportern. Zunächst wird das Objekt fixiert, dass ist wichtig, weil sonst erhebliche Schäden bis hin zur Zerstörung des Objektes drohen. Dann verwandelt der Biotransporter chemische Energie gesteuert von einem neuronalen Netzwerk in kinetische Energie. Innerhalb von weniger als zwei Sekunden ist z.B. die Tasse vom Tisch bis zu meinen Lippen gelangt, dank meiner Hände.

    Es gibt zuviel Nonsense im Wissenschaftszirkus
  • Die Frage lautet, wie teuer die Fusion wird

    29.04.2010, Dr. Peter Klamser, Egeln
    Es wird gerne vergessen, dass es nicht darum geht, ob Fusion möglich ist, sondern wie teuer sie wird. Wahrscheinlich sind die Brennstoffkosten uninteressant im Vergleich zu den Kapitalkosten für die Errichtung der Anlagen und den Betriebskosten...
  • Abhängigkeit von Großtechnologie

    29.04.2010, M. Maschke, Odenburg
    Die - mit Sicherkeit - sehr großen finanziellen Mittel für diese Technologie können sehr viel sinnvoller und effizienter in den Ausbau und die Erforschung regenerativer Energieerzeugung investiert werden.

    Meiner Ansicht nach liegt die Zukunft in der dezentralen Erzeugung von Energie und im Aufbau von intelligenten Netzen zur Verteilung und Speicherung. Hier sind z. B. die Nutzung von Kühlhäusern zur Speicherung von Energie oder, bei zunehmender Verbreitung von Elektrofahrzeugen, die Nutzung der Batterien als Puffer zum Ausgleich von Schwankungen bei der Erzeugung aus regenerativen Energiequellen zu nennen.

    Fusionskraftwerke sind, ähnlich wie bestehende Kernkraftwerke, nicht als Lösung für die Energieversorgung großer ländlicher Gebiete geeignet. Sie schaffen nur eine Abhängigkeit der Schwellen- und Entwicklungsländer von industrieller Großtechnologie.
  • Fusion ohne Neutronen

    29.04.2010, Felix Derjavitch, Bremen
    Radioaktive Abfallprodukte können keine Lösung sein; ein Umweg über Dampfkessel, um elektrische Energie zu erzeugen, ist ineffizient. Reaktortypen der Zukunft, zum Beispiel das Focus-Fusion-Konzept, bei dem keine Neutronen freigesetzt werden sind 100 Prozent sauber und erzeugen direkt elektrische Energie, ohne vorher einen Dampfkessel zu erhitzen.
  • Energiekonzerne ohne Druckmittel

    29.04.2010, Philipp Kramer, Wehrheim
    Energiegewinnung aus Wind und Sonne ist wetterabhängig. Ein Kernfusionsreaktor könnte aber unabhängig vom Wetter betrieben werden. Bis dahin ist jedoch noch ein weiter Weg zu gehen, der durch zusätzliche Förderungen verkürzt würde. Die Folgen würden sich nicht nur auf die Nutzung einer neuen, unabhängigen Energiequelle beschränken, sondern auch den vorherrschenden Energiekonzernen ein politisches Druckmittel nehmen.
  • Vorstoß wäre lohnenswert

    29.04.2010, Stefan Taube, Leimen
    Ich denke, es lohnt sich, jetzt einen Vorstoß zum besseren Verständnis der Kernfusion und ihrer technischen Möglichkeiten zu unternehmen, auch wenn sich Kernfusionskraftwerke am Ende als utopisch herausstellen sollten. Ohne solch eine Kraftanstrengung werden wir das letztlich nie wissen.

    Außerdem halte ich ein gewisses Maß an solchen internationalen Leuchtturmprojekten der Forschung generell für sinnvoll.

    (Stefan Taube ist Mitarbeiter bei Spektrum der Wissenschaft.)
  • Erneuerbare Energiepotenziale demokratischer nutzbar

    29.04.2010, Dipl.-Ing. Norbert Siebers, Köln
    Die erneuerbaren Energiepotentiale sind weitaus wirtschaftlicher und demokratischer zu nutzen und können weltweit auch politisch verantwortbar eingesetzt werden.
  • Fusionsprojekte wie Wendelstein vorrangig fördern

    29.04.2010, Jürgen Böhringer, Admannshagen
    Regenerative Energiegewinnung ist notwendig, wird in absehbarer Zeit jedoch nicht reichen, um den gesamten Bedarf an Energie für die Menschheit decken zu können. Deshalb sollten solche Projekte wie Wendelstein 7-X in Greifswald vorrangig gefördert werden.
  • Das Geld ist gut angelegt

    29.04.2010, J.Götz, Dresden
    Bis zum Gelingen der Kernfusion im großtechnischen Maßstab sind sicher noch schwierige Hürden zu nehmen. Das Geld dafür ist allemal gut angelegt, weil damit der wachsende Energiebedarf der Menschheit langfristig sicher gestellt werden kann.

    Erneuerbare Energien können zwar Beiträge liefern, aufgrund der Energiedichten stellt sich aber die Frage, ob der derzeitige überzogene Ausbau wirtschaftlich und daher sinnvoll ist.

    Bis die Kernfusion zur Verfügung steht, sollte keinesfalls auf die Nutzung der Kernspaltung verzichtet werden, da sie erwiesenermaßen in der Lage ist, nahezu CO2-frei Energie zu bezahlbaren Preisen bereit zu stellen. Dafür ist es erforderlich, die Frage der Endlagerung radioaktiver Abfälle endlich einer politischen Lösung zuzuführen. Über die grundsätzliche Machbarkeit der Endlagerung in tiefen geologischen Formationen sind sich die Fachleute im wesentlichen einig.
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