Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Gefahr des methodischen Zirkelschlusses

    30.03.2010, Dominik Letsch, Zollikon (CH)
    In seiner Entgegnung auf die Einwände von Herrn Lüning schreibt Herr Haug, dass es "reine Spekulation ist, dass die atmosphärische CO2-Konzentration vor 445 Millionen Jahren 3000 ppm betrug, da solche Rekonstruktionen sehr unsicher sind". Dem kann ich mich vorbehaltlos anschliessen: Diese Rekonstruktionen weichen, je nach Methode, um ein Vielfaches voneinander ab. Diese Erkenntnis widerspricht jedoch Haugs apodiktischer Aussage in seinem Interview (S. 84) "Die Erdgeschichte zeigt einfach: Nie waren beide Pole vereist, wenn der CO2-Gehalt der Luft 360 ppm überstieg." Dieser Widerspruch weist m. E. auf eine generelle Schwäche hin in den gegenwärtigen Versuchen in der Geologie, die Zukunft der Erde aus der Erdgeschichte heraus zu erklären.


    Die moderne Geologie verdankt ihre grossen Erfolge der letzten 200 Jahre der Erkenntnis, dass allein aus den erdgeschichtlichen Überlieferungen (den Gesteinen) die Erdgeschichte nicht rekonstruiert werden kann. Entscheidend ist eben auch die Kenntnis der gegenwärtigen Prozesse; und wenn wir nun versuchen, diese auf Grund der Erdgeschichte besser zu verstehen, so riskieren wir dabei einen methodischen Zirkelschluss.

  • Verbesserungsvorschläge zur Theorie

    30.03.2010, Helge Müller, Nürnberg
    Mit großem Interesse habe ich den Artikel "Der Ursprung Irdischen Lebens" gelesen. Besonders gut fand ich die Informationen zur Bildung der ersten Nukleotiden.
    Mir fiel jedoch auch auf, daß einige Ideen zu diesem Thema, die mir schon lange durch den Kopf schwirren, nicht angesprochen wurden. So frage ich mich nun, ob diese vielleicht neu sind.Vielleicht kann ich ja dazu beitragen, die Theorie zu verbessern und das Rätsel
    um die Entstehung des Lebens zu lüften.

    Schon seit ich zum ersten Mal vom PCR-Verfahren erfuhr, vermutete ich, daß dieses Verfahren auch bei der Entstehung des Lebens eine extrem wichtige Rolle spielte. Hierdurch muß nämlich nicht der ganze komplexe Mechanismus der Replikation auf einmal entstanden sein. Die ersten
    RNA-Moleküle mußten sich nicht selbst vermehren, sondern wurden durch Temperaturschwankungen vermehrt. Die gleiche Idee beschreibt auch der Author im Kasten auf Seite 48/49, wenn er von einer Zirkulation zwischen kalten und warmen Zonen eines Tümpels schreibt. Wenn jedoch auch das dort beschriebene Verfahren nicht völlig auszuschließen ist, so weist es doch meiner Meinung nach ziemliche Schwächen auf.
    Ich denke, es geht viel einfacher.

    Zunächst zu den Schwächen:Der Tümpel soll einerseits eisgekühlt, andererseits vulkanisch erwärmt werden. So etwas gibt es zwar als Strömung z.B. von der Antarktis zum Äquator, auf kleinem Bereich würde hier aber vermutlich ziemlich schnell ein Temperaturausgleich stattfinden. Zur Lebensentstehung sollten die Bedingungen aber vielleicht schon ein paar tausend Jahre lang weit gehend konstant sein.
    (Nicht die Temperatur, aber deren Schwankungen.)
    Es dürfte zu jeder Zeit nur recht wenige solche geeignete Kreisläufe gegeben haben, was die Wahrscheinlichkeit
    der Lebensentstehung verringert, da ja auch gleichzeitig noch die geeigneten chemischen Substanzen vorhanden sein mußten.
    Ein Tümpel erscheint mir generell als erheblich zu groß. Derzeitige Zellen von Bakterien, Pflanzen oder auch des Menschen sind winzig klein. Selbst Nervenzellen, die mehrere Meter lang werden können, besitzen doch einen kleinen Zellkern. Ich glaube, dies ist auch zwingende Voraussetzung für die Entstehung von Leben. Unabhängig davon, ob man die "kybernetische Definition" für die Definition von Leben heranzieht, oder nicht, so ist Rückkopplung jedenfalls für Evolution unabdingbar. Wenn sich nun zufallsbedingt RNA-Stränge bilden, welche
    in der Lage sind die PCR zu katalysieren, dann müssen diese auf recht kleinem Raum mit der zu replizierenden RNA
    eingeschlossen sein, um eine merkliche Rückkopplung zu erzeugen. Im allerersten Statium waren die RNA-Stücke aber
    sicher noch nicht in der Lage, Proteine und damit eine Zellhülle zu erzeugen. Ohne Hülle wären die Moleküle aber selbst in einem sehr kleinem Tümpel viel zu stark vermischt worden.

    Nun zu "einfacher":Auf unserer Erde gibt es Tag und Nacht. Hierbei schwankt die Temperatur je nach Breitengrad erheblich. Im Labor führt man PCR heute m. W. bei Temperaturen zwischen etwa 70° und 95° durch. Da heutige Bakterien (trotz Zellhülle)sogar Tiefkühltemperaturen meist problemlos überstehen, ist die untere Temperatur vermutlich relativ unkritisch. Die obere Temperatur wird bei Sonneneinstrahlung auf dunkles Gestein auch mühelos übertroffen. Die Sonneneinstrahlung ist jedoch von Ort zu Ort unterschiedlich (und war es sicherlich auch schon vor Millionen von Jahren). Hieraus folgt geradezu zwangsläufig die Existens von optimalen Zonen. Während die Wissenschaftler im Labor mühsam die optimalen Parameter suchen müssen, führt unsere Erde quasi eine ganze Versuchsreihe parallel mit allen nur erdenklichen Parametern gleichzeitig durch. Falls der 24-Stunden-Tagesrythmus zu langsam erscheint, sei darauf hingewiesen, dass unsere Erde mit ziemlicher Sicherheit vor einigen Millionen Jahren erheblich schneller rotierte. Der Tag dauerte damals nur wenige Stunden. Mit noch nicht vorhandenen oder noch nicht ausgereiften Katalysatoren war diese Zeit sicherlich auch zur Doppelstrangbildung notwendig. Als Ersatz für die anfangs noch nicht vorhandenen Zellhüllen könnte ich mir Vertiefungen im Gestein vorstellen, z.B. die feinen Poren im Bimsstein. Eine solche Oberfläche bietet einerseits die Möglichkeit für eine starke Rückkopplung, ermöglich aber andererseits auch den Austausch und die Verbreitung von evolutionären Errungenschaften.

    Außerdem: Auch heute gibt es noch eine sehr verbreitete und keineswegs unbedeutende "Lebensform", die nicht in der Lage ist, sich selbst zu replizieren: die Viren. Sind diese Zeugen für die Entwicklungsschritte bei der Entstehung des Lebens? Wenn sich auch heutige Viren von höher entwickelten Zellen replizieren lassen, so konnten sich einfache Viren früher vermutlich rein durch Temperaturschwankungen vervielfältigen (lassen). Es wäre sicherlich nicht uninteressant, ob dies auch mit heutigen Viren möglich ist. Allerdings stelle ich mir den experimentellen Nachweis nicht leicht vor.

    Zur "Panspermie" möchte ich noch anmerken, daß diese nichts erklärt, sondern das Problem, wie Leben entstanden ist, lediglich auf einen anderen Planeten verlagert. Also vergessen wir sie lieber!
  • Determinismus – Freier Wille

    30.03.2010, Karl-Heinz Schack, Minden
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    hiermit danke ich H. Dr. Hartmut Lemmel für seine Stellungnahme zur Bedeutung der Verantwortung, auch wenn es keinen freien Willen geben sollte. Zusätzlich habe ich den Eindruck, dass die „Beweise“ gegen den freien Willen nicht immer so ganz überzeugend sind.

    Wissenschaftliche Arbeit hat das Ziel Gesetzmäßigkeiten gemäß kausaler Bedingungen festzustellen. Aus einmaligen zufälligen oder zufallsähnlichen Erscheinungen können keine Gesetzmäßigkeiten abgeleitet werden. Dementsprechend sind wissenschaftliche Versuche, die später den Eindruck erwecken, dass es keinen freien Willen gibt so aufgebaut, dass Gesetzmäßigkeiten erkannt werden. Spontane Äußerungen eines freien Willens, treten dabei eher als Ausreißer, oder Messfehler auf ohne die Kausalität grundsätzlich in Frage zu stellen. Aus derartigen Versuchen kann keine Aussage über den freien Willen gemacht werden, weil gerade diese Freiheit außerhalb der kausalen wissenschaftlichen Vorgehensweise liegt.

    Als ein Beweis für den fehlenden freien Willen wurde z.B. angeführt, dass bereits einige Sekundenbruchteile bevor eine Entscheidung bewusst wird, messbare Änderungen der Hirnströme feststellbar sind. Da eine ganze Person aber nicht nur aus dem besteht, was gerade im Bewusstsein abläuft, ist das nicht logisch. Ein Entscheidungsprozess ist mehr als nur ein Nervenimpuls. Einige Prozesse hierzu mögen bewusst sein, andere sind es nicht. Da diese Prozesse mit Nervenimpulsen verbunden sind, kann etwas messbar sein, bevor der Prozess ganz abgeschlossen ist. Dass einzelne Nervenimpulse messbar sind, ohne dass wir uns dessen bewusst sind, ist kein Beweis, dass es den freien Willen nicht gibt.

    Jeder, der vergeblich versucht hat mit dem Rauchen aufzuhören, wir zugeben, dass das mit dem freien Willen nicht so ganz einfach ist. Trotzdem kommt es hin und wieder vor, dass es jemand schafft, mit dem Rauchen aufzuhören. Etwas Freiheit scheint also da zu sein.

    Grundsätzlich ist ein Mensch in der Lage seine Handlungen zu reflektieren, zu planen und über die möglichen Folgen seiner geplanten Handlungen nachzudenken. Auch wenn das Ergebnis dann nicht immer so wird wie gewünscht. Dieses gibt dem einzelnen ein klein wenig Freiheit, die sich nicht mit reinen Kausalzusammenhängen und Untersuchungen von Nervenimpulsen erklären lassen.

    Untersuchungen wie Denkvorgänge funktionieren sind sicherlich sehr wertvoll. Von den dabei gewonnenen Erkenntnissen abzuleiten, dass es außerhalb des untersuchten Bereichs nichts anderes mehr gibt, ist verfehlt.

    Bei genauer wissenschaftlicher Betrachtung, kann ein Physiker durchaus zu dem Schluss kommen, dass kein kausaler Zusammenhang besteht kann, wenn manchmal Leute beim Erklingen von Musik anfangen zu tanzen. Die Energie der Luftschwingungen ist nämlich viel zu gering, um derart große Körper in Bewegung zu setzen. Eine ähnlich eingeschränkte Betrachtungsweise liegt m. E. vor wenn jemand auf Grund wissenschaftlicher Untersuchungen behauptet, dass es keinen freien Willen gibt.

    Möglicherweise ist der freie Wille nicht bei allen Leuten gleich stark ausgeprägt. (Bei wissenschaftlich denkenden Menschen wohl eher schwächer ;-).) Möglicherweise liegt der größte Teil des freien Willens nicht in der Ebene des Bewusstseins, sondern in tieferen Schichten der Persönlichkeit.

    Bevor man jedoch den freien Willen ganz streicht, sollten aber wohl Versuche mit dem Ziel den freien Willen zu finden durchgeführt werden. Dabei sollte es den Teilnehmern ermöglicht werden, eine freie Entscheidung zu treffen. Wenn dann auch nur ein einzelner Teilnehmer tatsächlich eine freie Entscheidung trifft, wäre das z.B. ein Beweis, dass es den freien Willen grundsätzlich gibt ;-).

  • Simpel

    30.03.2010, M. Dolle
    Das sollte Allgemeinwissen sein:

    Licht -> Fotosynthese der Primärproduzenten -> Calvinzyklus -> Zooplankton -> kleiner Fisch -> großer Fisch -> (potenziell) Ich

    Die Belastung der Ozeane durch menschliche Eingriffe in Form von Verschmutzung, Bergbau, Düngung, Überfischung, ja sogar Hormonzufuhr ist ohnehin enorm. Wir sollten uns eindimensionale Eingriffe in ein komplexes System vielleicht einfach mal verkneifen.
  • "Lösung" mit Nebenwirkungen

    30.03.2010, Robert Orso
    Man fragt sich schon, ob manche Wissenschaftler nicht zu spezialisiert sind. Anstatt die Ursachen zu bekämpfen, werden abenteuerliche Notlösungen erdacht.

    Auf die Idee, dass eine erhöhte Ozeanalbedo auch die Fotosyntheserate des Phytoplanktons reduziert, ist wohl noch keiner gekommen. Immerhin ist der gesamte maritime Lebenskreislauf von diesen Kleinstlebewesen abhängig, mit möglicherweise verheerenden Folgen für die Fischpopulation.

    Leider hat diese Art der Problem"lösung" Tradition. Wenn eingeschleppte Tiere die heimische Natur zerstören, setzt man andere eingeschleppte Tiere aus, die Erstere dezimieren sollen, nur um selbst wieder zu einem Problem zu werden.

    Wenn Nutzpflanzen durch Monokulturen anfällig gegen Krankheiten und Schädlinge werden, züchtet man nicht kräftigere Sorten, sondern solche, die gegen die immer giftiger werdenden Pflanzenschutzmittel immun sind.

    Wenn Industrieländer mit der Kohlendioxidreduzierung aus Rücksicht auf "die Wirtschaft" im Rückstand sind, kaufen sie eben Kontingente von armen Ländern oder ändern schlicht die Bewertung zu ihren Gunsten.
  • Schaumschlägerei mit Wirkung

    30.03.2010, Herbert Heyduck
    Der Albedo-Effekt wird wohl nicht der Einzige sein, den Schäume bewirken können. Es sieht so aus, als würden hier nur wirtschaftliche Nebenwirkungen berücksichtigt.
    Ich vermisse einen Hinweis auf eine Prüfung der biologischen Effekte im Artikel.
    Für die Meeresbewohner wird es durch die höhere Reflexion des Sonnenlichtes dunkler.
  • Falsches Erscheinungsdatum

    30.03.2010, Dr. Gilbert Brands, Krummhörn
    Ist Ihnen da ein Beitrag für den 1. April bereits auf den 30. März gerutscht?
  • Wieder eine blöde Idee

    30.03.2010, O. Meckes
    Ich stehe immer wieder fassungslos da und staune, was für einen Schwachsinn sich "Wissenschaftler" ausdenken, um etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Immer noch neue Probleme schaffen, statt das eigentliche Problem an der Wurzel zu packen: Energie vergeuden, um Bläschen im Meer zu machen! Dann brauchen wir bald jemand, der das Meer anheizt, um die fehlende Wärmeeinstrahlung der Sonne in die tieferen Meeresschichten auszugleichen usw ...

    Das Schlimmste daran ist, dass solche Wissenschaftler, vor allem wenn von der Energielobby gefördert, dann noch unserer Politik weismachen können, dass das toll ist (siehe Verbringung von Kohlendioxid unter die Erde und Laufzeitverlängerung von AKWs).
  • Titel Ihres Leserbriefes

    30.03.2010, Peter Kohler
    Anfrage: Weshalb schützt Schaum gegen Verdunstung? Da die Oberfläche einer geschäumten Flüssigkeit größer ist, als die einer glatten Flüssigkeit, müsste die Verdunstung doch zuehmen?!
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Kohler,



    Sie haben natürlich recht, dass sich die Oberfläche erhöht. Andererseits sinkt im Schaum auch der absolute Wassergehalt, das heißt, bezogen auf das Volumen enthält der Schaum sehr viel Luft, aber wenig Flüssigkeit: Es kann also auch weniger verdunsten. Zum anderen vergrößert sich zwar die Oberfläche, dafür nimmt die Albedo sehr stark zu, so dass dieser Effekt jenen der Verdunstung überwiegen dürfte - zumal die Schaumschicht nicht nur Millimeter dünn sein würde.


    Wie Seitz aber schon andeutet, ist sein Vorhaben noch sehr theoretischer Natur. Entsprechend große Schaumteppiche lassen sich zumindest momentan noch gar nicht erzeugen - von den Auswirkungen auf die Meeresumwelt ganz abgesehen.



    Daniel Lingenhöhl


    Redaktion spektrumdirekt
  • Titel Ihres Leserbriefes

    30.03.2010, Dr. Georg Stürmer 70176 Stuttgart
    Atrazin ist in Deutschland erst seit 1991 verboten, gleichwohl immer noch wegen seiner langen Verweildauer im Grundwasser in Konzentration oberhalb des Grenzwertes für Trinkwasser nachweisbar. Das Grundwasser kann also nicht als Trinkwasser verwendet werden - allerdings gab es wohl über längere Zeit auch lokale Ausnahmegenehmigungen (http://www.lgrb.uni-freiburg.de/lgrb/download_pool/lgrb_n0302.pdf). Neben den Pflanzenschutzmitteln sind weiterhin problematisch die Ausscheidung von Medikamenten, welche z.T. in den Kläranlagen nur unzureichend abgebaut werden. Infertilität und Feminisierung von Fischen wird vom Östrogeneintrag vorwiegend der "Pille" verursacht, Diclofenac führt zu Nierenschäden vorwiegend bei kleineren Tieren...die haben aber nicht die Möglichkeit der Dialyse...!
  • Aber auch Plato!

    29.03.2010, Rüdiger Jung, F-57100 Thionville
    Ja Herodot, aber auch Plato: "Kritias", Randziffer 108e, wo von Schlammmassen vor den Säulen des Herakles die Rede ist!
  • Das gibt es auch in Deutschland

    24.03.2010, C. Kaspar
    Wer sich mit der Reinigung von Abwässern und ebenfalls mit der Aufbereitung von Trinkwasser beschäftigt, muss nicht erst in die Ferne schweifen, um solare Technologien zu finden. In der Nähe von Hannover wird das schon seit Jahren praktiziert. Unter www.rsd-solar.de findet man eine kleine Firma, die eine entsprechende Technik entwickelt hat, die schon mehrfach eingesetzt wurde.
  • Die Katze auf dem heißen Frittendach

    23.03.2010, Michael Redmann, Freiburg
    Klingt doch super: 80 Prozent Temperaturerhöhung des kalten Winterdachs. Ob die Katze da heiße Pfoten bekommt? Wohl kaum, denn wahrscheinlich ist es nur eine Erhöhung von zehn auf achtzehn Grad. Die absolute Temperatur würde in diesem Beispiel also nur um magere 2,8 Prozent steigen. Ich will sagen: Vorsicht bei Relativangaben, wenn keine absoluten Skalen benutzt werden.
  • Spektrum im Wandel der Zeiten

    22.03.2010, Klaus Nökel, 76137 Karlsruhe
    Sie kennen das gängige Cliché über Klassentreffen: vom morgendlichen Blick in den Spiegel vertraut mit dem eigenen Aussehen stellt man im Nu fest, dass sich seit dem Abitur nur die anderen verändert haben. Ähnlich ging es mir, als ich vor ein paar Tagen einige Spektrum der Wissenschaft-Hefte aus den 1980ern zur Hand nahm und mich prompt festlas. Natürlich hatte ich über die Jahre den Wandel der Zeitschrift verfolgt, doch nun traf mich die Summe der Veränderungen mit voller Wucht.

    Damals wie heute beruht das Erfolgsrezept auf den von den primären Wissenschaftlern geschriebenen Hauptartikeln. Doch ist die Auszehrung des Standards über die Jahre unübersehbar. Damals brachten Sie in jedem Heft acht Artikel von üblicherweise je zehn Seiten. In diesem Format gelingt es noch, ein Thema für den Fachfremden aufzubereiten und trotzdem in sorgfältiger, präziser Sprache in die Tiefe der Materie einzutauchen. Im Mai 1987 waren die Artikel über Legasthenie, Polio-Virus und Schizophrenie solche Beispiele, im Juli 1987 diejenigen über Glucose und Altern, Detonationen, Symbiose in der Tiefsee und Optimierungsverfahren. Heute ist diese Tiefe allein schon (aber nicht nur) wegen der Kürze der Artikel gar nicht mehr erreichbar. Nehmen wir das Titelthema vom März 2010 (Geschwister der Sonne). Die 8 statt 10 Seiten Länge klingen nicht allzu dramatisch, doch sehen wir uns die Seiten näher an. Die erste und die halbe zweite Seite werden komplett an ein farbenprächtiges, ansonsten inhaltsleeres Bild verschwendet. Die Seiten 3-6 des Artikels werden zur Hälfte von einer ebenfalls nicht sehr inhaltsreichen, zudem redundanten Abbildung eingenommen, nur die auf den Seiten 7+8 sind hilfreicher. Der zweispaltige Druck tut ein Übriges, so dass am Ende kümmerliche drei bis vier Seiten "Nutzlast" verbleiben. Immerhin stammt der Artikel nach wie vor aus der Feder eines direkt in der Forschung tätigen Wissenschaftlers, werden diese "primären" Artikel doch zunehmend von sehr journalistisch aufgemachten Überblicksartikeln verdrängt, in denen Anekdotenhaftes an die Stelle inhaltlicher Tiefe tritt. Ähnliches bei den Abbildungen: Natürlich waren sie damals so schlicht, dass sie heute als unzeitgemäß empfunden würden. Aber könnte man nicht auch mit moderner medialer Technik ebenso aufs Wesentliche fokussierte, den Text ergänzende und nicht einfach wiederholende Darstellungen produzieren? Zu oft ist der Aussagegehalt der heutigen Illustrationen bei opulenter Grafik dünn (oder einfach Dekoration), zudem redundant, mehr Infotainment als Information.

    Ich werde mein Abonnement trotzdem nicht kündigen, finde es aber schon betrüblich genug, dass dies zunehmend aus nostalgischer Anhänglichkeit geschieht, denn die Euphorie, mit der ich es nach dem Lesen der ersten Hefte 1979 abschloss, hat sich gelegt. Damals bot SdW mir Nachrichten aus der Wissenschaft auf einem Niveau, das Bild der Wissenschaft oder P.M. nie erreichten. Heute finde ich so etwas nur noch im "neuen" Schwesterblatt Sterne und Weltraum (dem das SdW-Schicksal erspart bleiben möge) oder, wenn wir uns auf "universelle" Zeitschriften beschränken, bei American Scientist.

    Warum eigentlich? Zu gerne wüsste ich mehr über den Hintergrund der Veränderungen - vielleicht kann ich dann meinen Frieden mit ihnen finden. Wie viel ist dem reinen Kostendruck geschuldet? Erklärt schon dass die schlecht kaschierte Reduktion des Heftumfangs, will man nicht sensible Signalpreise mit dem Heftpreis überschreiten? Wie viel geht auf einen (wirklichen oder nur von Ihnen vermuteten) Geschmackswandel in Ihrer Leserschaft zurück? Glauben Sie, dass Sie im Kampf um immer weniger Lesebereite nur noch mit leicht verdaulichen Infohäppchen überleben können? Das könnte in eine gefährliche Abwärtsspirale führen. Womöglich gibt es einerseits unter Ihren treuen Lesern noch mehr wie mich, andererseits tendiert die Zahlungsbereitschaft gegen Null, wenn das Niveau die kostenlosen Massenangebote im Internet erreicht. Oder liegt das Problem am Ende auf der Angebotsseite? Ist im heutigen Wissenschaftsbetrieb einfach keine Zeit und Energie mehr für das Verfassen eines guten populärwissenschaftlichen Artikels, so dass Sie keine mehr angeboten bekommen, selbst wenn Sie welche drucken wollten?

    Ich wäre Ihnen für einige offene Antworten auf meine Fragen sehr dankbar.

    Beste Grüße
    Klaus Nökel
  • Im Zweifel für den Angeklagten

    22.03.2010, Dr. Kurt Schütz
    Im Zweifelsfall für den Angeklagten: Dieses wichtige Prinzip unserer Justiz scheint Ihr Autor im Fall Claudia Pechstein vergessen zu haben. Wie wäre sonst der abschließende Satz seines Berichtes, ob sie nicht doch ein wenig mitgeholfen habe, bliebe dahingestellt, erklärbar?
    Ich finde es beschämend, Menschen ohne ausreichende Beweise anzuschwärzen.

    Dr. Kurt Schütz, Himberg bei Wien
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