Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Genie ist Fleiß

    21.12.2006, Prof. Dr. Hans Schulte, Karlsruhe
    Wenig Neues in Ihrem Artikel: "Genie ist Fleiß" hat schließlich schon Fontane gewusst. Aber das Phänomen der Polgar-Schwestern, die immer frühere Großmeister-Reife und das in Schachkreisen schon lange unstreitige "je früher desto besser" hätten Ihren Autor zu Erkenntnissen der Hirnforschung bringen müssen: "Das Gehirn erwirbt also während seiner Entwicklung zusätzliches Wissen. Es gilt heute als erwiesen, dass das sich entwickelnde Gehirn dieser Wechselwirkung mit der Umwelt bedarf, um die in seiner Architektur angelegten Funktionen zu entfalten" (Wolf Singer).
  • Gerade nicht!

    21.12.2006, Andrea Hoberg
    Guten Tag,

    in ihrem Artikel zum Drachen-Christkind nannten Sie den Umstand, dass Flora noch Jungfrau ist, einen Fall von unbefleckter Empfängnis. Da sich die Formulierung in diesem Zusammenhang unmissverständlich auf ein Dogma der römisch-katholischen Kirche bezieht, möchte ich darauf hinweisen, dass damit nicht die Empfängnis Jesu durch seine Mutter Maria gemeint ist, sondern die Empfängnis Mariens durch ihre Mutter Anna (DH 2803).

    Leider ist dieses Missverständnis so tief in den Köpfen verwurzelt, dass man das auch schon in einer so genannten Wissenschaftszeitung lesen muss. Bei Dan Brown wäre das normal, hier hätte ich doch mehr Unterscheidungsvermögen erwartet.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrte Frau Hoberg,



    wie Sie ganz richtig sagen, stellte Papst Pius IX in seiner Bulle von 1854 fest: "Die seligste Jungfrau Maria wurde im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, rein und von jeder Makel der Erbschuld bewahrt." - Diese Empfängnis ohne Erbsünde wird als "unbefleckte Empfängnis der Maria" bezeichnet - wobei Anna, die Mutter Marias, keineswegs als Jungfrau gilt, als sie schwanger wird - Maria soll auf ganz normalem biologischem Weg gezeugt worden sein.



    Trotzdem wird der Begriff auch für die Empfängnis von Jesu durch Maria verwendet - ich zitiere die Diözese Eisenstadt:

    "1854 verkündete Papst Pius IX. das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis nicht nur des Gottessohnes Jesus durch Maria, sondern auch der Maria durch Anna."



    Die Vermischung von unbefleckter Empfängnis - also Freiheit von Erbsünde - mit der Jungfrauengeburt ist also tatsächlich missverständlich, aber durchaus üblich.



    Mit freundlichen Grüßen

    Antje Findeklee
  • Serielle und parallele Hybride

    19.12.2006, Christoph Stoll, Kirchberg, Schweiz
    Weshalb gibt es praktisch keine seriell-hybriden Antriebe für Fahrzeuge? Der elektrische Antriebsstrang ist doch mechanisch viel einfacher (kein Getriebe, keine Kardanwellen oder Differentialgetriebe bei Nabenmotoren?

    Antwort der Redaktion:
    Antwort des Autors Reinhard Löser:
    Man unterscheidet je nach Anordnung und Funktion des zusätzlichen Elektromotors bei Hybridfahrzeugen zwischen seriellen und parallelen Hybriden; auch (leistungsverzweigte) Mischhybride sind darstellbar. Bei serieller Konfiguration lädt die Verbrennungskraftmaschine nur den elektrischen Energiespeicher. Beim Parallelantrieb ist der E-Motor mechanisch direkt mit der oder den Antriebswellen gekoppelt, wobei dann tatsächlich eine weitere elektrische Maschine notwendig wird.
    Im seriellen Betrieb muss der E-Motor in der Lage sein, die gesamte Leistung bereitzustellen, die für die gewünschte Beschleunigung oder Steigfähigkeit benötigt wird. Das erklärt, warum vornehmlich parallele Hybridantriebe realisiert werden. Die beim Parallelbetrieb eingesetzten Elektromotoren können nämlich geringer dimensioniert sein. Ein weiterer Nachteil bei seriellen Hybridantrieben ist die doppelte Energiewandlung von mechanischer zu elektrischer Energie und wieder zurück, eventuell noch verbunden mit einer (längeren) Speicherung. Insgesamt ergibt sich daraus ein ungünstiger Wirkungsgrad. Bei begrenzter Leistungsfähigkeit der Batterie muss man den Verbrennungsmotor zwangsweise betreiben, um Leistungsspitzen bei Bergfahrt oder Beschleunigungen abzudecken. Dies kann den Verbrauchs- und Emissionsvorteil einschränken und den Betrieb des Verbrennungsmotors im günstigen stationären Betrieb vereiteln.
    Die Vorteile des parallelen Hybrids bestehen in der Möglichkeit, beide Motoren sowohl einzeln als auch gleichzeitig zum Vortrieb des Fahrzeugs zu nutzen. Dabei können Drehzahl, Leistung oder Drehmoment direkt gekoppelt werden. Aufgrund der Leistungsaddition können beide Motoren relativ klein ausgelegt werden, ohne dass Einbußen beim Beschleunigen hingenommen werden müssen. Das führt zu deutlicher Einsparung an Kraftstoff und Emissionen oder auch zu gesteigerter und vom Fahrer direkt wahrnehmbarer Performance und Agilität.
  • Es muss kein Größenfehler sein

    12.12.2006, Dr. Frank Subke, Mehlingen
    Die Autorin führt das frühkindliche Verhalten, mit Abbildern von Alltagsdingen nicht adäquat umgehen zu können, auf eine entwicklungsbedingte Missachtung der Größenverhältnisse zurück („Größenfehler“, „scale errors“) bzw. erkennt darin eine Überforderung der kindlichen Kognition bei der Symbolerkennung.

    Bedenkt man, dass das richtige Einschätzen bzw. das korrekte Wahrnehmen von Größenverhältnissen in der freien Natur überlebenswichtig sein kann, also bereits angelegt sein sollte, erscheint ein nachträgliches Lernverständnis bzw. ein Verarbeiten von visueller und motorischer Informationen eher nachgeordnet.

    Das geschilderte Verhalten der Kinder lässt auch eine andere Deutung im Sinne eines hauptsächlichen Explorationsverhaltens zu, gemäß dem Prinzip von "Trial und Error" im Zuge von Spieltrieb und Neugierde.

  • Einzig gemeinsam die Abneigung?

    12.12.2006, C. Schreiber, Leipzig
    „Das einzige Gemeinsame, das sie hatten, war die gemeinsame Abneigung gegen alles Gemeinsame.“ (Werner Mitsch)

    Dies scheint das Motto der postmodernen Geschlechterbeziehung zu sein. Das ist jedoch völlig unnötig, kontraproduktiv und hat keinen wissenschaftlichen Eros. Wie schön wäre es doch, sich zu ergänzen – wörtlich: zusammen ein Ganzes zu bilden. Natürlich kann ich mit Neid das Wenige erblicken, was ich habe (ich schreibe als Mann, damit keine Missverständnisse über das „Wenige“ aufkommen). Aber gemeinsam hätten wir mehr. So trifft der Komparativ „intelligenter“ den Puls der Zeit: höher, schneller, weiter – und intelligenter ist eben nicht genug.

    Wie wäre es stattdessen mit einer neuen Aufgeklärtheit in einer doch so unaufgeklärten Zeit? Sind denn Unfreiheit (sozial wie beruflich), Ungleichheit (der Geschlechter und in der Bildung) und mangelnde Geschwisterlichkeit nötig? Und wenn ja, wem nützen sie? Da gibt es für uns alle noch viel zu tun.
  • Zu Antwort der Redaktion

    07.12.2006, Helmut Brandenburg Sprockhövel
    Meiner Meinung nach ist auch Ihr erster Vorschlag nicht richtig! Es geht nur so: .... benötigt die achtfache Zeit ...., oder, wie Sie schreiben ... mit einem Achtel der Geschwindigkeit ...
    Was nicht geht:
    Xmal so langsam, Xmal so klein, Xmal so dünn usw.
    Übrigens, das oft ohne Nachdenken verwendete "Xmal größer" und und und ist meist nicht gemeint, sondern "Xmal so groß". "Xmal größer" bedeutet nämlich "(X+1)mal so groß". Und das ist im allgemeinen nicht gemeint.
    Die Formeln zu der Aussage im Artikel oder zu Ihrer ersten Erläuterung würde mich interessieren.

    Und der Prinzenfreund? Ja, wenn er sich dreht, dann klappt es.
    Antwort der Redaktion:
    Na gut, das wird jetzt eine Auseinandersetzung unter Sprachpuristen. Ich bleibe zwar dabei, dass man "Xmal so langsam" eigentlich nicht falsch verstehen kann und es auch nicht ungebräuchlich ist – Musiker reden ständig so, wenn sie sich übers Tempo verständigen –; aber im Zweifel sollte man Ihre Formulierung verwenden, was ich mir zu Herzen nehmen werde.

    "Xmal größer" ist eine mir geläufige Falle (in die ich gleichwohl hineingetappt bin).

    Die Formeln stehen im Kasten auf S. 104 des Artikels unten: Man multipliziere die Gleichung MG / R^2 = v^2 / R mit R^2 und erhalte, dass R v^2 gleich der Konstanten MG ist. Wenn v auf ein Achtel sinkt, muss R auf das 8^2-fache steigen, damit die Konstante konstant bleibt. Die 8^3-fache Umlaufzeit folgt aus Kepler III (steht auch im Kasten).
  • Vorschrift, wie man zu sterben habe

    07.12.2006, Martin Behr, Mörlenbach
    Es wundert mich zwar erheblich, dass die Regelung zum assistierten Freitod im Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten existiert, aber die Praxis gibt dem „Death with Dignity Act“ recht. Vor allem, dass die Ärzte auf die Möglichkeit der Patienten, dem ärztlichen Wirkungsbereich zu entfliehen, mit Verbesserung der Palliativmedizin reagieren, zeigt doch, woran es wirklich fehlt: an der guten Betreuung vor dem Tod! Und wer wirklich gute Gründe und den Willen hat, sein Leben selbst zu beenden, dem spricht Ronald Dworkin aus der Seele: „Nichts ist demütigender, als von anderen vorgeschrieben zu bekommen, wie man zu sterben habe.“
  • Das globale Sparschwein

    06.12.2006, Günter Peltz
    Guten Tag,
    eine Frage: Die angegebenen "125 Billionen $", sind das US-Billionen oder deutsche? US-Billion ist eine deutsche Milliarde, eine deutsche Billion sind tausend Milliarden!!
    Habe schon öfter in deutschen Texten aus dem amerikanischen gesehen, das dabei der Faktor 1000 eben als Fehler aufgetreten ist! Danke für eine Antwort. MfG. Günter Peltz
    Antwort der Redaktion:
    Lieber Herr Peltz,



    Es handelt sich um 125 deutsche Billionen, was wiederum 125 US-Trillionen entspricht.



    Mit freundlichen Grüßen



    Annette Hupfer
  • 8mal langsamer und Prinzenfreund

    05.12.2006, Helmut Brandenburg Sprockhövel
    So ein kluger Artikel und dann so etwas: "Der Mond kreist rund achtmal langsamer um die Erde ..." Diese Aussage muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen oder als Formel ausdrücken!


    Dann stelle ich mir den Freund des kleinen Prinzen vor, der angeblich die Laterne am Äquator nur vom Pol aus "mit ausgestrecktem Arm" schalten kann! Der kommt ganz schön ins Schleudern, es sei denn er streckt beide Arme exakt gleichzeitig und gegenüberliegend zum Äquator aus.
    Antwort der Redaktion:
    Ein Punkt für Sie: Statt "achtmal langsamer" hätte es "achtmal so langsam" heißen müssen. Letzteres jedoch in Formeln auszudrücken ist kein Problem. Doppelt so langsam bedeutet – zumindest in meinem Sprachverständnis – doppelt so viel Zeitverbrauch. Also meint "achtmal so langsam" dasselbe wie "mit einem Achtel der Geschwindigkeit".


    Der Laternenanzünder vom Kleinplaneten müsste jede Schleudergefahr vermeiden können, wenn er sich auf seinem Standplatz am Pol auf der Stelle dreht, sodass er bezüglich des Sternenhimmels in Ruhe ist. Ohne nennenswerte Handbewegung müsste er dann die Laterne mit rechts an- und mit links ausknipsen können – oder?
  • Anpassung der erwarteten Inflation

    04.12.2006, Daniel Schiller, Köln
    Im Artikel wird dargestellt, dass die Menschen ihre Inflationserwartung ausgehend von der Differenz zwischen in der Vergangenheit erwarteter und eingetretener Inflation anpassen. Dabei "hinkt" ihre Erwartung immer etwas hinter der realen Inflation her. Somit ergibt sich immer eine Delta(i)>0.
    Diese Prämisse, dass die erwartete Inflation IMMER hinter der dann realisierten Inflation hinterherhinkt, trifft so nicht zu. Das würde unterstellen, dass die Menschen nicht lernfähig wären und immer falsch lägen bei ihrer Erwartung. Neuere Theorien berücksichtigen das Lernen der Menschen. Es wird davon ausgegangen, dass sie die zu erwartende Inflation richtig prognostizieren, unabhängig von Vergangenheitswerten, da sie alle verfügbaren Daten (Politik, Wirtschaft, Ziele) "richtig" erfassen und bewerten. Somit stimmen in diesem Fall erwartete und eintretende Inflation überein. Delta(i) ist Null. Damit kann die Wirtschaftpolitik dann über die Inflation gar nicht mehr auf die Arbeitslosenrate einwirken, abgesehen von unvorhergesehen "Schocks". Aber unvorhergesehene Schocks können nunmal nicht in der Politik geplant werden.
    Antwort der Redaktion:
    Die Vorstellung, dass die Menschen ihre Inflationserwartung in der beschriebenen Weise aus Erfahrungen der Vergangenheit extrapolieren, ist ein frühes Modell von Phelps, das dieser später revidiert hat. In der Tat gilt der Gedankengang, der zum Konzept der Nairu führt, bereits dann, wenn die Leute die zukünftige Inflation richtig einschätzen – nicht nur, wenn sie wegen stabiler Verhältnisse bei der Einschätzung nichts falsch machen können, sondern auch wenn sie dank besserer Einsicht – im Durchschnitt – korrekte Prognosen stellen.


    Auch bei der "naiven" Extrapolation aus der Vergangenheit ist die erwartete Inflation nicht immer geringer als die tatsächliche – im Gegenteil. Der Fall Delta(i) < 0, dass die tatsächliche Inflationsrate hinter der erwarteten zurückbleibt, ist besonders unangenehm. Dann halten nämlich die zu hohen Inflationserwartungen die Arbeitslosigkeit auf unnötig hohem Niveau, und die Zentralbank sieht sich genötigt, die Leute durch ein "Tal der Tränen" mit hoher Arbeitslosigkeit zu führen, bis sie gelernt haben, stabile Preise zu erwarten.
  • Säuglingsbotulismus

    03.12.2006, Lothar Ristau
    Seltene Fälle, aber international bekannt.
    Fallbericht z.B. unter
    http://www.kinderklinik-buch.de/Botulismus/case_report.html

    Auch ein Merkblatt beim RKI vorhanden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Lothar Ristau
  • Ein neues altes Familienalbum

    30.11.2006, Prof. Dr. Theodor Ickler
    Das Buch "Lucy und ihre Kinder" ist offensichtlich nicht in der Rechtschreibung von 1901 gedruckt, wie der Rezensent bemängelt, sondern in der Rechtschreibung von 1995. Diese ist nach wie vor sprachrichtig und zulässig, sogar an den Schulen wird sie noch toleriert. Von den Reformschreibweisen der Jahre 1996, 2000, 2004 und nun 2006 kann man das nicht sagen, die meisten sind schon wieder überholt oder so mangelhaft, dass sogar reformwillige Zeitungen sich teilweise davon distanzieren.
  • Ein neues altes Familienalbum vom 29.11.06

    30.11.2006, Hartmut Heumann
    Sehr geehrte Redaktion,
    dass die Rechtschreibung in "Lucy und ihre Kinder" noch auf die Regeln von 1901 setzt, erscheint A. Jahn "doch ein wenig fossil".
    Da haben den Rezensenten und auch "spektrumdirekt" wohl Gehirn&Geist im Stich gelassen. Denn erstens waren diese Regeln bis 1996 plus Übergangszeiten gültig und wurden ohne Not und Notwendigkeit verändert. Und zweitens stammt die jetzige "ss"-Regel aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
    Da sie sich nicht bewährte, wurde sie schnell wieder abgeschafft.
    Also: Wenn hier eine Schreibweise fossil ist, ist es wohl doch die des Rezensenten und die von "spektrumdirekt". Ich hoffe, Sie haben genug Gehirn&Geist, um die richtigen Folgerungen daraus
    zu ziehen. Die Leser werden es Ihnen danken.
    Mit freundlichen Grüßen und vielem Dank im voraus
    Hartmut Heumann
  • Nur 3000?

    29.11.2006, Andreas Jäger, Wien
    Der sehr interessante Artikel von T. L. Hunt hat doch einige Schwachstellen.

    Dass die polynesischen Ratten und nicht die Siedler sich die Palmen, beziehungsweise deren Samen, vorgenommen haben, ist denkbar und für Hunts Erklärungsmodell auch der funktionierende Ausweg.

    Aber was ist mit den Ahus und Moais? Wieviele Menschen muss eine mit beschränkten Mitteln ausgestattete Steinzeitgesellschaft freistellen und gut ernähren, um Tonnen von Gestein für die Plattformen herzuschaffen und die ungeheuere Anzahl dieser unglaublichen Kolosse zu transportieren und aufzurichten? Noch dazu mit gut und gerne 300 Jahren weniger Zeit als vorher angenommen?

    Wenn man einen derart populären "Mythos" zerstören will oder muss, sollte man doch etwas genauer argumentieren - gerade weil dieses Thema dem Wissenschaftler ungeheuer viel Gehör verschafft und er folglich eine gewisse Verantwortung hat.

    Vielleicht haben T. L. Hunt und Spektrum die Möglichkeit ihre divergierenden Gedanken - vielleicht in einem Streitgespräch - noch einmal genauer vorzutragen. Da wäre ich begeisterter Leser!

    Antwort der Redaktion:


    Es ist tatsächlich aus unserer heutigen Sicht oft schwer nachzuvollziehen, wie die Menschen in steinzeitlichen Kulturen gewaltige Steinmonumente errichten konnten; das gilt für Stonehenge ebenso wie für die maltesischen Tempel oder eben die Ahu und Moai auf der Osterinsel. An einen Maschinenpark gewöhnt können wir uns heute kaum vorstellen, dass nicht ein ganzes Heer von Arbeitern beschäftigt war, das dann natürlich versorgt werden mussten und als Kräfte beim Nahrungserwerb ausfielen.





    Antwort des Autors Terry L. Hunt:






    "It seems difficult to account for all the moai and ahu until one does the math. Only about 400 moai were ever moved from the quarry (moving them is the harder part); at that rate it is less than 1 per year of Rapa Nui prehistory. The likely method of moving them, by controlled rocking in an upright position, only takes a relatively small number of people. The ahu represent a lot of investment, but again there are only a little more than 300, and some forms of these ahu (without moai) were built or modified after European contact. Note that when you consider the investment as a rate (moving less than one moai per year, for example), there is no need to imagine hundreds (or thousands) of people who had to be fed by another large number of people.




    Estimates of population are nearly impossible to make with any precision. But my guess, given the limitations of the agricultural environment of the island, would be somewhere between 3000-5000 maximum population."
  • Wieso "oder"?

    29.11.2006, Markus Jordi
    ... Doch bleibt manchmal offen, inwieweit es sich um natürliche Schwankungen oder tatsächlich um eine Gefährdung handelt ...

    Wieso "oder"?

    Ist es derselbe Grund, aus dem der Genuss eines Knollenblätterpilzes zu einem gesünderen Tod führt als die Vergiftung mit Zyankali?


    Natur verniedlichen gilt nicht!
    Antwort der Redaktion:
    Lieber Herr Jordi,



    "oder" aus dem ganz einfachen Grund, dass Verbreitungsgrenzen dynamisch sind - wenn also eine Art aus einem Gebiet verschwindet, in dem sie vorher lebte, oder neu auftaucht, wo sie vorher noch nicht war, kann das ganz natürlich sein und im Jahr darauf wieder anders aussehen.



    Wenn sich aber Spezies auf Dauer aus einem Teil ihrer alten Heimat verabschieden oder sich, andere verdrängend, neu einbürgern, dann kann es zu einer Gefährdung des eigenen Bestandes oder der anderen führen. Beispiel Japan-Knöterich: In seiner Heimat bildet er bei weitem nicht diese Massenbestände wie hier, wo nun so manche Ufervegetation in Gefahr gerät. Zweites Beispiel Halsbandsittiche: Die grünen Papageien haben sich als eigentliche Fremdlinge hier in Heidelberg etabliert und werden auch von heimischen Greifvögeln geschlagen. Trotzdem gibt es Diskussionen darüber, welchen Effekt sie auf die Vogelwelt, aber auch beispielsweise Eichhörnchen haben.



    Nicht jede Veränderung ist eine Gefahr. Mit "verniedlichen" von Natur hat das nichts zu tun.



    Mit besten Grüßen

    Antje Findeklee, Redaktion