"Linus, lass die Lokomotive los, Marie hat sie zuerst gehabt! Du hast doch jetzt das Flugzeug, nachher könnt ihr tauschen." Marie (4 Jahre): »Nein, die Lok gehört NUR mir!" "Linus, dann nimm du den Kipplaster, mit dem kannst du den Waggon beladen …" Linus (3 Jahre, laut heulend): "Neeiiiin, ich will die Lok!" "Guck mal, Marie, jetzt weint der Linus. Jetzt gib sie ihm doch mal. Er will sie sich nur anschauen, du hast sie ja immer … Marie, nein!!! Hör auf, mich zu hauen, hauen ist nicht gut! Jetzt reicht es, jetzt nehme ich das blöde Ding weg …" Marie (wild um sich schlagend, brüllend): "DU bist blöd!!"
Kennen Sie diese peinlichen Momente, in denen alle Versuche, Kindern ein ­Minimum an Kooperationsbereitschaft abzuringen, genau das Gegenteil bewirken? Befragt man eine repräsentative Auswahl von Müttern, so klagt immerhin gut die Hälfte über das Sozialverhalten ihrer Sprösslinge. Der Nachwuchs will nichts abgeben, gebärdet sich rabiat, aggressiv oder aber ängstlich, eigenbrötlerisch und schüchtern.
Mag sein, dass Erwachsene manchmal zu früh zu viel erwarten. Phasen von Besitzgier, von Fremden- und Trennungsangst, Trotz- und Wutanfällen inklusive körperlicher Aggressivität gehören zur normalen kindlichen Entwicklung – in G&G haben wir in den vergangenen Jahren mehrmals darüber berichtet …