Werdende Eltern wollen in der Regel wissen, welche Einflüsse das Leben und die ­Gesundheit ihres ungeborenen Kindes prägen. Neuere Erkenntnisse hierzu stammen aus der Epi­genetik, einem Forschungszweig, der vererbbare Veränderungen der Genaktivität untersucht. Die Modifikationen des Erbmoleküls DNA sollen beeinflussen, inwieweit unsere Kinder in Zukunft an Fettleibigkeit oder Diabetes leiden oder eine geringe Stressresistenz entwickeln.

So stellten beispielsweise Forscher um David Pettitt vom National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases in Phoenix (USA) bereits 1988 fest, dass fast die Hälfte des Nachwuchses von Müttern, die unter Diabetes litten, später ebenfalls zuckerkrank wird. Dagegen erkranken nur neun Prozent der Kinder, deren Mütter erst nach der Schwangerschaft Diabetes entwickeln. Mit solchen Auswirkungen der Umwelt auf das ungeborene Leben beschäftigt sich das Forschungsfeld "Developmental Origin of Health and Disease", kurz DOHaD.

Die Erkenntnisse der DOHaD-Forschung soll­ten im Idealfall Strategien zur Unterstützung von Eltern und Kindern bieten. In Wirklichkeit machen übertrieben oder vereinfacht darge­stellte Befunde die Mütter vielfach zum Sündenbock und führen dazu, das Leben von Schwan­geren immer mehr zu reglementieren. So fokussieren Schlagzeilen in der Presse wie "Rauchen ­verändert die DNA von Kindern im Mutterleib" einseitig auf die Mütter, während Einflüsse der Väter, des Familienlebens und des sozialen Umfelds unbeachtet bleiben. Als Wissenschaftler sind wir darüber sehr besorgt und appellieren an unsere forschenden Kollegen sowie an Journalisten, die Auswirkungen einseitiger Aussagen zu bedenken.

Vorläufige Hinweise von schädigenden Wirkun­gen auf das ungeborene Leben können zu Verhaltensregeln führen, die über das Ziel hinausschießen. Ein Beispiel hierfür ist das fetale Alkoholsyndrom (FAS), das in den 1970er Jahren erstmals beschrieben wurde …