3,67 Millionen Jahre alt ist ein praktisch vollständig erhaltenes Skelett eines Australopithecus, eines Vertreters einer bis vor zwei Millionen Jahren in Afrika lebenden Vormenschengattung. Das auf den Namen "Little Foot" getaufte Exemplar wurde in den 1990er Jahren in einer tiefen Kammer der Sterkfontein-Höhlen in Südafrika entdeckt, nachdem in ausgeräumten Gesteinstrümmern Fußknochen zu Tage kamen. Das Skelett war komplett in eine harte, kalkige Matrix eingebettet, die verhinderte, dass Teile verloren gingen – die Bergung des Skeletts jedoch auch sehr erschwerte. Deswegen wurden die letzten Teile erst 2012 geborgen. Nun berichtet eine Arbeitsgruppe um Ron Clarke von der University of the Witwatersrand, dass sie das Skelett erfolgreich präpariert und rekonstruiert hat.

Little Foot, benannt nach den kleinen Fußknöchelchen, die als Erstes aus dem Kalkstein geborgen wurden, sorgte bereits nach seiner Bergung für Kontroversen. Einige Fachleute datierten das Skelett auf 2,2 Millionen Jahre vor heute. Ursache der Kontroverse sei, schrieb das Team um Clarke 2014, dass das Skelett lange nach seiner ersten Deponierung beim Einsturz eines Höhlenteils umgelagert wurde und neues, jüngeres Kalkmaterial Hohlräume am Skelett verfüllte. Vollständige Skelette versprechen viel weitreichendere Erkenntnisse über Australopithecus als die zuvor in der Höhle geborgenen Fragmente. Sie ermöglichen Analysen unter anderem des Bewegungsapparats und der genauen Körpermaße sowie der gesamten Erscheinung des Vormenschen. Nach Angaben der Arbeitsgruppe sind derzeit Publikationen über die verschiedenen Merkmale des Skeletts in Vorbereitung.