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Astrophysik: Weißer Zwerg doch nicht auf dem Weg ins Sonnensystem

Die Überreste eines toten Sterns sollten irgendwann durch die Außenbezirke unseres Sonnensystems driften. Doch das war ein Trugschluss.
Weißer Zwerg (künstlerische Animation)
Weiße Zwerge (Illustration) haben starke Magnetfelder. Bei WD0810-353 führte dies zur Verwirrung.

In 36 Lichtjahren Entfernung von uns bewegt sich der Weiße Zwerg WD0810-353 durch den Weltraum. Seine Zugbahn hätte ihn auch in kosmischer Zugbahn zumindest durch den Rand unseres Sonnensystems führen sollen. Doch das erwies sich als Fehlkalkulation, wie eine Studie von John Landstreet vom Armagh Observatory & Planetarium in Großbritannien und seinem Team in einer Studie auf arXiv aufführt und die demnächst im »Astrophysical Journal« publiziert werden soll: Das starke Magnetfeld des Weißen Zwergs habe dafür gesorgt, dass die Bahn des Sterns fehlinterpretiert wurde.

Die Annahme, dass WD0810-353 unser Sonnensystem kreuzen könnte, geht auf eine Studie von Vadim Bobylev und Anisa Bajkova von der Russian Academy of Sciences zurück. Sie kalkulierten, dass sich der Weiße Zwerg mit einer Geschwindigkeit von mehr als 370 Kilometer pro Sekunde durchs All bewegt. Sie berechneten zudem, dass sich WD0810-353 in nur 29 000 Jahren bis auf 0,49 Lichtjahre an die Sonne annähern wird. Das entspricht einer Entfernung von 31 000 Astronomischen Einheiten. Damit würde der Weiße Zwerg in die Oortsche Wolke eindringen, eine Ansammlung kleiner, eisiger Körper, die in der Nähe der Grenze des Sonnensystems kreisen. Als Folge könnten die Bestandteile der Wolke als Kometen in Richtung des inneren Sonnensystems treiben.

Diese Studie zog natürlich einige Kritik auf sich. Raúl de la Fuente Marcos und Carlos de la Fuente Marcos von der Complutense-Universität Madrid berechneten etwa, dass der Weiße Zwerg mit 4200 Kilometern pro Sekunde noch schneller sein könnte. Allerdings kamen sie mit einer zweiten Kalkulation ebenso zum Schluss, dass sich der Stern vielleicht sehr langsam bewegt und nur 60 bis 70 Kilometer pro Sekunde erreicht. In beiden Fällen würde er wohl nicht nahe an unser Sonnensystem kommen.

Landwehr und Co griffen diesen Punkt auf. Das Team vermutete, dass ein starkes Magnetfeld das Spektrum eines Weißen Zwergs verzerren und damit die Geschwindigkeitsberechnung verfälschen könnte. Deshalb haben sie neue Spektren ermittelt und weitere Analysen durchgeführt, um das Magnetfeld abzuleiten. Die für die Berechnung wichtige Wasserstoff-alpha-Linie werde demnach durch das Magnetfeld des Weißen Zwergs stark in den blaueren Bereich des Spektrums verschoben. Für den Betrachter führt das dazu, dass der Stern sich auf uns zubewegt: Diese Bewegung würde dafür sorgen, dass sich die Wellenlängen des Lichts zum blauen Bereich hin verdichten und verkürzen, die so genannte Blauverschiebung.

Bei WD0810-353 sorgt die Blauverschiebung dafür, dass wir eine Bewegung vermuten, wo keine ist. Laut der Arbeitsgruppe liegt Geschwindigkeit des Sterns auch eher bei 83 Kilometern pro Sekunde und somit an der Untergrenze der Berechnungen der beiden spanischen Wissenschaftler. Der Weiße Zwerg ist daher kein unltraschneller oder entkommener Stern, der frei durchs All treibt. Er wird also sicher nicht schon in 29 000 Jahren in die Oortsche Wolke eindringen und vielleicht sogar gar nicht.

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