Mit Hilfe des DNA-Schneidesystems CRISPR/Cas9 hat ein Medizinerteam Mäuse und auch menschliche Immunzellen von einer HIV-Infektion befreit. Die Arbeitsgruppe um Kamel Khalili von der Temple University in Philadelphia und Won-Bin Young von der University of Pittsburgh beseitigte auf diesem Weg das virale Erbgut aus mehr als 95 Prozent der infizierten Zellen. Dabei zeigte sich, dass die Gentherapie schon während einer Infektion das Virus bei der Vermehrung behindert, berichten die Wissenschaftler in "Molecular Therapy". Auch bei menschlichen Immunzellen, die das Team auf "humanisierte" Mäuse übertrug, schnitt die Genschere nahezu alle viralen Erbsequenzen heraus. Die Ergebnisse zeigen, dass sich frühere Erfolge an transgenen Mäusen auf echte Infektionen und sogar menschliche Zellen übertragen lassen – allerdings ist eine Anwendung des Verfahrens bei Menschen noch nicht in Sicht.

Bereits 2016 zeigten die beteiligten Forscher an Mäusen mit künstlich eingebauten HIV-Sequenzen, dass das von ihnen eingesetzte CRISPR/Cas9-System das Virus aus Zellen vertreiben kann: Die Genschere sucht gezielt nach dem viralen Erbgut, schneidet es aus und zerstört es. Im aktuellen Versuch wiederholten Young und Khalili dies nicht nur, sondern zeigten auch, dass ihre Gentherapie bei einer laufenden Infektion der Mäuse mit einem HI-Virus den Erreger eindämmt. Insbesondere aber demonstrierten sie, dass das System auch bei "schlafendem" HIV funktioniert – jener Form, bei der das Erbgut des Virus in Zellen schlummert und den Erreger immer wieder hervorbrechen lassen kann. Es ist diese Fähigkeit, lange in Deckung zu bleiben, durch die HIV bisher nicht zu besiegen ist.

Die getestete CRISPR/Cas9-Therapie hat allerdings noch einige Haken, die den Weg in die Medizin derzeit verstellen. Zum einen ist die Heilung nicht vollständig. Zwar eliminiert das Gensystem etwa 95 Prozent der Infektionen in der Maus und in den menschlichen Immunzellen sogar noch mehr, der verbleibende Rest reicht aber völlig aus, um die Krankheit wieder ausbrechen zu lassen. Problematisch ist auch, dass die Forscher zum Transport der CRISPR-DNA ein adenoassoziiertes Virus (AAV) verwenden, das eine Immunreaktion auslöst und deswegen nur einmal eingesetzt werden kann. Außerdem stehen die Transportviren in Verdacht, Tumoren auszulösen.