Womöglich spielt die Ernährung eine größere Rolle bei Migräne – und entsprechende Umstellungen lindern die Symptome einer Attacke. Das legt zumindest eine Studie von Cherubino di Lorenzo von der Universität Rom und seinen Kollegen nahe. Die Wissenschaftler baten 96 übergewichtige Frauen, die regelmäßig unter Migräne litten, zu einem freiwilligen Test, bei dem sich die Hälfte der Teilnehmerinnen einen Monat lang einer fett- und proteinreichen, aber kohlenhydratarmen ketogenen Diät unterzogen. Darauf folgte eine fünfmonatige Phase, während der diese Probandinnen sich gemischt, aber kalorienarm ernährten. Die Vergleichsgruppe aß hingegen von Anfang an über sechs Monate hinweg diese kalorienreduzierte Kost. Bei einer ketogenen Diät verbraucht der menschliche Stoffwechsel mangels leicht verfügbarer Kohlenhydrate das aufgenommene Fett, wozu er so genannte wasserlösliche Ketonkörper produziert. Diese sollen die Glukose als primäre Energiequelle des Organismus ablösen. Zuvor war bei zwei Migränepatienten beobachtet worden, dass ihre Beschwerden während einer ketogenen Diät weitgehend verschwanden, nach deren Ende aber wiederkehrten.

Auch die Studie von di Lorenzo und Co weist darauf hin, dass diese Ernährung wirken könnte. Zwar nahmen Zahl und Ausmaß der Migräneanfälle bei beiden Gruppen ab, doch fiel der Rückgang bei den Frauen mit ketogenem Essen stärker aus. Als sie nach dem ersten Monat mit der normalen Diät weitermachten, häuften sich zudem wieder die Attacken – ihre Zahl blieb allerdings weiterhin unter dem vorher erlebten Niveau. Während der Ketose litten diese Frauen durchschnittlich an weniger als einem Tag unter Migräne; zuvor war das im Mittel an mehr als fünf Tagen im Monat der Fall. Generell verringerte sich die Dauer der Anfälle.

Warum die ketogene Diät positiv wirkt, ist noch unklar. Prinzipiell sorgt sie dafür, dass der Körper effizienter mit seinen Ressourcen umgehen muss: Er wird durch die Ernährungsumstellung in eine Art leichten Hungermodus versetzt. Dadurch verringert sich jedoch der oxidative Stress, der beispielsweise Zellen angreifen kann. Zudem löst diese Art der Ernährung seltener bestimmte Entzündungsprozesse aus, die ebenfalls eine Rolle bei Migräne spielen sollen. Eine ketogene Ernährung kann aber zumindest anfänglich müde machen und Übelkeit auslösen; außerdem verursacht sie einen typischen Mundgeruch. Den Migräneforscher Markus Dahlem von der Humboldt-Universität zu Berlin überraschen die Ergebnisse – zumindest auf den ersten Blick: "Bislang hieß es, dass man sich als Migränepatient regelmäßig kohlenhydratreich ernähren solle. Deswegen müsste es eigentlich sogar eine schädliche Diät sein. Doch so einfach scheint die Sache nicht zu sein." Denn womöglich hängen Migräneattacken mit plötzlichen, starken Stoffwechselschwankungen zusammen. "Sie treten wohl nicht mehr auf, wenn die Betroffenen dann auf solch eine Diät umstellen", so der Wissenschaftler. Und das könnte Millionen Menschen auf Linderung hoffen lassen.