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 Bild vergrößernAmerikas Konzept für eine Mondlandung
Im Jahr 2004 versprach der damalige US-Präsident George W. Bush, die USA würden bis zum Jahr 2020 erneut Menschen zum Mond schicken. Eine Kommission im Auftrag der neuen Regierung unter Barack Obama bringt diese Pläne nun auf den Boden der Tatsachen zurück. Die Finanzmittel der NASA lassen ihrer Einschätzung zu Folge keine Rückkehr zum Erdtrabanten vor dem Jahr 2030 zu. Auch die Nachfolge der Spaceshuttles steht erneut auf der Kippe.

Zwischen Mai und August 2009 tagte das "Review of United States Human Space Flight Plans Committee" – nach seinem Vorsitzenden auch kurz "Augustine Commission" genannt. Norman Augustine ist ehemaliger Luft- und Raumfahrtingenieur, langjähriger Präsidentenberater und Ex-Staatssekretär für Wissenschaftsfragen. Das Weiße Haus berief die Kommission ein, um die finanzielle Tragfähigkeit des Constellation-Programms in seiner bisherigen Planung zu prüfen.

"Auf Basis des derzeitigen Budgets dürfte es sehr schwer werden, in der bemannten Raumfahrt irgendetwas sonderlich Inspirierendes zu unternehmen", fasst Augustine selbst die Ergebnisse zusammen. Um bis zum Jahr 2020 eine bemannte Mondlandung durchführen zu können, müsste die NASA demnach in diesem Zeitraum nicht wie geplant 80, sondern mindestens 130 Milliarden Dollar zur Verfügung haben.

Das Komitee schlägt zwei Szenarien für das kommende Jahrzehnt amerikanischer Raumfahrt vor, die im Rahmen des aktuellen Ausgabenplans möglich wären. In beiden sind bemannte Mond- und Marsflüge jedoch auf praktisch unbestimmte Zeit verschoben. Die zum Start der Mondlandefähren notwendige Schwerlast-Trägerrakete Ares V wäre nicht vor dem Jahr 2028 einsatzbereit.

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 Bild vergrößernVergleich der Ares-Raketen mit Spaceshuttle und Saturn V
Nach heutiger Planung wird mit der US-Raumfähre Discovery am 16. September 2010 zum letzten Mal ein Spaceshuttle vom Boden abheben. Ab diesem Zeitpunkt wäre die NASA zu keinen bemannten Raumflügen in der Lage, bis 2018 die Ares-I-Raketen und die Raumkapsel Orion zur Verfügung stünden. Um Astronauten zur ISS zu bringen, wären die USA somit von den russischen Sojus-Kapseln abhängig.

Das zweite Augustine-Szenario tritt diesbezüglich mutig die Flucht nach vorn an: Es will Flüge in die Erdumlaufbahn gänzlich privaten Unternehmen überlassen. Die kleinere Rakete Ares I würde ersatzlos gestrichen, um den Weg frei zu machen für die Ares V und Missionen zu anderen Himmelskörpern.

Weitere Szenarien schlagen unter anderem vor, die Shuttle-Flüge von 2011 bis 2015 zu verlängern, um die Lücke zum neuen Raumschiff Orion möglichst klein zu halten; oder die Mondpläne zu Gunsten eines Direktflugs zum Mars aufzugeben. Alle diese Optionen würden jedoch den Finanzrahmen von 80 Milliarden Dollar sprengen und sind daher eher als ergänzende Ideen zu sehen.

Dieses niederschmetternde Urteil bedeutet jedoch lediglich das Aus für den amerikanischen Alleingang zum Mond. Der Chef des russischen bemannten Raumfahrtprogramms, Alexej Krasnow, begrüßte erst kürzlich den Gedanken einer internationalen Mondmission. Es sei nur logisch, an die erfolgreiche Zusammenarbeit an der Internationalen Raumstation anzuknüpfen, so Krasnow.

Ralf Strobel