Enten gehören zu den wenigen Vögeln, die für die Fortpflanzung einen Penis nutzen – und dieser Phallus ist bei einigen Arten auch von der Form her unter Wirbeltieren ziemlich einzigartig: Er ist korkenzieherartig angelegt. Das hängt wiederum damit zusammen, dass die Vagina der Weibchen ebenfalls spiralförmig angelegt ist. Sie wollen damit verhindern, dass das falsche Männchen erfolgreich seine Spermien in der Nähe der Eierstöcke platzieren kann – Entenpaarungen können sehr ruppig bis hin zu Vergewaltigungen ablaufen; bisweilen werden Weibchen sogar versehentlich ertränkt, wenn gegen ihren Willen eine Kopulation stattfinden soll. Im Gegensatz zum menschlichen Glied schwillt der Erpelpenis jedoch nicht pro Akt, sondern je nach Saison an: Zur Paarungszeit ist er zehnmal größer als beispielsweise während der Mauser.

Die maximalen Dimensionen – oder ob überhaupt so etwas wie ein Penis ausgebildet wird – hängt jedoch vom Umfeld der Tiere ab, wie Patricia Brennan vom Mount Holyoke College in South Hadley und ihr Team bei Schwarzkopfruder- (Oxyura jamaicensis) und Veilchenenten (Aythya affinis) in "The Auk" darlegen. "Unsere Studie zeigt, wie sozialer Druck tatsächlich die individuelle Anatomie beeinflussen kann", so der beteiligte Ornithologe Richard Prum von der Yale University. Die Wissenschaftler hatten dazu beide Arten über zwei Jahre hinweg entweder als einzelnes Pärchen oder in Gruppen aus einem Weibchen und mehreren Erpeln gehalten. Bei den Veilchenenten war das Ergebnis eindeutig: Während die Männchen in der Zweierbeziehung unauffällig lange Phalli ausbildeten, wuchs das Geschlechtsteil bei den stark konkurrierenden Erpeln überdurchschnittlich. Das sollte ihre Fortpflanzungschancen erhöhen, wenn sich das Weibchen mit ihnen einlässt.

Komplizierter verhielt es sich dagegen bei den Schwarzkopfruderenten, die anders als die monogamen Veilchenenten promiskuitiv sind. Im ersten Jahr schwoll nur bei den größten Männchen der verschiedenen Gruppen der Penis auf jeweils etwa 18 Zentimeter an, während die kleineren Geschlechtsgenossen nur 0,5 Zentimeter lange Stummel ausbildeten. Im zweiten Jahr zogen diese Tiere dann zwar längenmäßig nach, behielten ihr Geschlechtsteil jedoch nur für fünf Wochen. Bei den Alpha-Erpeln überdauerte es dagegen drei Monate. Die Ursache könnte in der speziellen Brutbiologie der Art liegen. Das Verhältnis zwischen Penis- und Körperlänge gehört zu den größten im Tierreich; bei manchen Erpeln ist das Geschlechtsteil sogar länger als der Körper selbst. Zudem kämpfen die Männchen bisweilen bis zum Tod um Weibchen: Kleinere Erpel sind daher vielleicht zu gestresst, um ausreichend Energie ins Peniswachstum stecken zu können. "Die Aggressionen setzen bei ihnen womöglich so viele Stresshormone frei, dass ihre Androgene nicht mehr voll wirken können. Diese Hormone beeinflussen jedoch das Peniswachstum", so Brennan.

Schwarzkopfruderente mit Penis
© P. Brennan, Mount Holyoke College
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernSchwarzkopfruderente mit Penis
Einige Entenarten gehören zu den wenigen Ausnahmen unter den Vögeln, die einen Penis besitzen – er ist korkenzieherartig verdreht.

Die schwächeren Tiere passen sich deshalb im Lauf der Zeit an: Sie entwickeln in der Gruppe dann doch längere Geschlechtsteile, um überhaupt die Chance auf Paarung zu haben. Um aber nicht dauerhaft den gefährlichen Paarungskämpfen ausgesetzt zu sein, verkleinern sie ihren Penis wieder schneller. Das zeige sich ebenso bei der Färbung der Schwarzkopfruderenten. Die Androgene beeinflussen das Gefieder und sorgen dafür, dass die Erpel zur Paarungszeit farbenprächtiger und bunter werden. Unter anderem wechselt ihr Schnabel von Grau zu Blau – eine Signalfarbe, welche die kleineren Enten ebenfalls schneller wieder verlieren. Ihre größere und stärkere Konkurrenz wendet sich dann von ihnen ab und anderen Rivalen zu.