Obwohl das Meereis in der Arktis in den ersten Monaten des Jahres 2017 auf Rekordtiefstwerte zusammengeschrumpft ist, scheint sich sein Rückgang im Mai nun wieder deutlich verlangsamt zu haben. Das berichten Forscher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) und der Universität Bremen. Im Mai 2017 betrug die Ausdehnung des arktischen Meereises den Daten der Wissenschaftler zufolge 12,52 Millionen Quadratkilometer. Damit lag sie merklich über dem Vorjahreswert von 11,8 Millionen Quadratkilometern und fast wieder bei jenem Ausbreitungsgrad, den das Eis im Mai 2007 erreichte.

Am deutlichsten ging das Meereis im Mai 2017 im pazifischen Sektor der Arktis zurück. Vor allem in der Tschuktschensee an der Grenze zwischen Amerika und Asien konnten die Forscher einen enormen Rückgang verzeichnen. Seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen habe man dort keinen so frühen und schnellen Eisschwund erlebt. Dafür machen die Wissenschaftler unter anderem die hohen Temperaturen verantwortlich, die im Mai und im vergangenen Winter in der Region herrschten. Zudem fegten im März und im April starke Winde über das Wasser, die das Eis aufbrachen und zum Teil davontrieben.

Welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Meereisausdehnung im September haben wird, in dem diese üblicherweise ihr Jahresminimum erreicht, ist unklar. Auch über die momentane Dicke des Eises in der Arktis können die Forscher keine allgemeinen Aussagen machen. Die Messungen würden derzeit noch ausgewertet, sagt Stefan Hendricks vom AWI. Dass ein geringer Rückgang im Monat Mai nicht unbedingt ein positiver Vorbote sein muss, zeigen die Daten aus dem Jahr 2007. Dort erreichte das Meereis – trotz einer Ausbreitung von 12,64 Millionen Quadratkilometern im Monat Mai – im September seine zweitniedrigste bislang gemessene Ausdehnung.