Selbst in bisher als unbedenklich eingestuften Mengen erhöht Quecksilber die Konzentration so genannter Autoantikörper – unerwünschter Immunmoleküle, die sich gegen körpereigene Gewebe richten. Zu diesem Schluss kamen Forscherinnen um Emily Somers von der University of Michigan anhand von Daten aus den US-amerikanischen NHANES-Umfragen (National Health and Nutrition Examination Survey). Demnach sind bei Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter umso häufiger Autoantikörper im Blut zu finden, je mehr Quecksilber sie aus der Umwelt aufnehmen. Die meisten Autoimmunkrankheiten zeichnen sich unter anderem durch Autoantikörper aus, deswegen vermuten Forscher, dass diese solche Krankheiten begünstigen.

Die wichtigste Quelle für Quecksilber in der Nahrung sind Fisch und Meeresfrüchte; besonders für Schwangere ist das Schwermetall problematisch, da es schon in geringen Konzentrationen die Plazenta schädigt. Nach den neuen Ergebnissen sind jedoch nicht nur sie gefährdet: Demnach hatten Frauen mit erhöhten Quecksilberkonzentrationen im Haar – die auf langfristige regelmäßige Aufnahme hindeuten – mit bis zu viermal so hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls die verräterischen Autoantikörper im Blut. Auch Quecksilber im Blut ist mit einem höheren Risiko für die Autoimmunkrankheitsvorstufe verbunden. Allerdings warnen die Forscherinnen um Somers vor übereilten Schlüssen – Autoantikörper bedingen nicht zwangsläufig, dass man eine Autoimmunerkrankung bekommt.