Einem x-beliebigen Fremden würden wir eher keinen Geldbetrag leihen, einem guten Freund dagegen schon. Ähnlich sehen das offenbar die Schimpansen, wenn es um Leckereien wie Bananen oder Äpfel geht. Nicht nur bei uns Menschen basieren Freundschaften auf Vertrauen, auch bei Schimpansen ist das so.

Schimpansen Vertrauensspiel
© Jan Engelmann und Esther Herrmann, MPI für evolutionäre Anthropologie / Current Biology 2016
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Das zumindest schließen Jan Engelmann und Esther Herrmann vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig aus ihrem Vertrauensspiel. Sie ließen die Schimpansen in Zweierteams spielen und stellten jeweils ein Tier vor folgende Wahl: Zwei Seile reichen durch die Gitterstäbe seines Geheges. Mit dem linken, dem Misstrauensseil, kann er sich direkt eine Kiste, in der zwei Bananenstücke sind, heranziehen und den Inhalt essen. Mit dem rechten, dem Vertrauensseil, lässt sich aber eine Kiste mit einem noch besseren Inhalt, nämlich drei Bananen- und drei Apfelstücken, bewegen. Diese kann der Schimpanse aber nicht zu sich, sondern nur zu seinem Mitspieler ins Gehege gegenüber ziehen. Dieser hat dann die Möglichkeit sich zu revanchieren und eine Kiste mit den gleichen Leckereien zurückzuschicken – oder eben auch nicht. Und darin liegt das Risiko des Spiels. Wenn ein Schimpanse nicht leer ausgehen will, muss er darauf vertrauen, dass sein Gegenüber den Gefallen erwidert.

Insgesamt spielten die 15 Schimpansen das Spiel zwölfmal mit einem Freund und zwölfmal mit einem "Nichtfreund". Mit einem eindeutigen Ergebnis: Die Schimpansen zogen das Vertrauensseil messbar häufiger, wenn sie mit ihrem Mitspieler befreundet waren. Hatten sie jedoch einen Nichtfreund gegenüber, gingen sie in der Mehrzahl der Fälle auf Nummer sicher. Nötig wäre das aber wohl nicht gewesen, erklären die Forscher: Sowohl Freunde als auch Nichtfreunde revanchierten sich in mehr als zwei Drittel der Fälle und erwiesen sich demnach als vertrauenswürdig. Allerdings war das Erwidern des Gefallens mit nur geringen Kosten verbunden – so mussten sie beispielsweise kein bereits ergattertes Futter abgeben. Die Forscher stuften Tiere als Freunde ein, wenn sie sich häufig gegenseitig das Fell pflegten, einander berührten und zusammen aßen.

Ein gemeinsames Merkmal zwischen uns Menschen und den Schimpansen sei die Tendenz dazu, in risikobehafteten Situationen nur Freunden zu vertrauen, erklärt Engelmann. Schimpansen und Menschen gehen starke emotionale Bindungen ein und können so Umstände, die die Gefahr bergen, vom Gegenüber betrogen zu werden, meistern. Die Forscher gehen davon aus, dass Freundschaften, die auf Vertrauen basieren, schon eine lange evolutionäre Geschichte haben.