Neben wechselnden Lichtverhältnissen können auch bestimmte Gefühlsregungen dafür sorgen, dass sich unsere Pupillen weiten. Blicken wir anderen in die Augen, nehmen wir die subtilen Veränderungen nicht nur instinktiv wahr, wir kopieren sie zum Teil sogar unbewusst, um uns mit ihnen gutzustellen, ähnlich wie wir Gesichtsausdruck oder Körperhaltung häufig unserem Gegenüber anpassen. Das hat auch Auswirkungen darauf, wie wir andere Menschen einschätzen und uns ihnen gegenüber verhalten, berichten nun Wissenschaftler um Mariska Kret von der niederländischen Universität Leiden. Denn weiten sich die Pupillen im Einklang mit denen einer anderen Person, sind wir auch eher bereit, dieser zu vertrauen.

Kret und ihr Team ließen in ihrem Versuch 61 Studenten ein Wirtschaftsspiel spielen. Dabei sahen diese vor jedem Durchgang ein kurzes Video eines vermeintlichen Partners, dem sie im Anschluss bis zu fünf Euro anvertrauen sollten. Diese Summe wurde anschließend verdreifacht, und der Partner konnte entscheiden, wie viel er den Probanden von dem Gewinn abgeben wollte. Tatsächlich handelte es sich bei den Aufnahmen aber um von den Forschern manipulierte Videos, bei denen die Versuchsteilnehmer in ein Augenpaar blickten, dessen Pupillen sich entweder vergrößerten, verkleinerten oder konstant blieben. Der Anteil, den sie vom Gewinn zurückbekamen, war zufällig.

Mit Hilfe einer speziellen Eyetracking-Technik konnten die Forscher beobachten, dass sich die Pupillengröße der Probanden in aller Regel der ihrer vermeintlichen Mitspieler anpasste. Weiteten sie sich im Einklang, waren sie eher bereit, ihr Geld in fremde Hände zu legen und darauf zu vertrauen, dass ihr Partner ihnen möglichst viel davon zurückzahlen würde. Dieser Effekt trat allerdings nur auf, wenn die Augen ihres fiktiven Gegenübers ebenfalls eine westeuropäische Anmutung hatten. Bei einem asiatischen Partner hatten die vergrößerten Pupillen keinen Einfluss auf das Vertrauensverhältnis. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass Pupillensignale offenbar wichtiger für die soziale Interaktion sind als bisher angenommen. Bei ihrer Interpretation spiele dabei aber auch die Gruppenzugehörigkeit eine Rolle.