Die Apulische Tarantel (Lycosa tarantula) ist mit einer Körperlänge von bis zu drei Zentimetern eine der größten europäischen Spinnen. Die Wolfspinne lebt in kleinen Erdröhren, die sie oben mit einer Art Luke aus Grashalmen, Ästen und kleinen Steinen abdeckt, die durch Spinnenfäden zusammengehalten werden. Hier lauert der Achtbeiner seinen Beutetieren auf. Ergreift ein Opfer die Flucht, verfolgt die Spinne es über kurze Distanzen.

Wie die Tiere anschließend den kürzesten Weg zurück zum Bau finden, haben nun die beiden Wissenschaftler Joaquin Ortega-Escobar und Miguel Ruiz von der Universidad Autónoma de Madrid herausgefunden. Wie sie im "Journal of Experimental Biology" schreiben, ist von den vier Augenpaaren der Spinne das seitlich vorn liegende entscheidend für die Entfernungsmessung. Auch die beiden hinteren seitlichen Augen spielen dabei eine – wenn auch untergeordnete – Rolle.

Wolfspinnen orientieren sich mit Hilfe der Pfadintegration, das heißt, sie prägen sich unterwegs die Kombinationen aus Abstand und Richtung (Vektoren) zwischen einzelnen Wegpunkten ein. So können sie jederzeit den idealen Weg zurück zum Ausgangspunkt bestimmen. Bereits 1999 konnte Ortega-Escobar zeigen, dass sich die Apulische Tarantel am Einfallswinkel polarisierter Lichtstrahlen orientiert, um ihre Position relativ zu ihrem Bau zu berechnen. Die Strahlen werden vom vorderen mittigen Augenpaar der Tiere detektiert und dienen ihnen sozusagen als Kompass. Richtungsänderungen nehmen die Spinnen über ihre vorderen seitlichen Augen wahr. Unklar war allerdings, wie sie die zurückgelegte Wegstrecke erfassen. Die Forscher fanden nun heraus, dass die Tiere dazu mit Hilfe des vorderen seitlichen Augenpaars den "optischen Fluss" wahrnehmen. Die Spinnen beobachten also, wie schnell sich ihre optischen Eindrücke ändern, und errechnen daraus die Entfernung.

In ihrem Experiment bedeckten die Forscher die verschiedenen Augenpaare mit einer abwaschbaren Farbe. Daraufhin liefen die Tiere nicht mehr die ganze Strecke bis zu ihrem Bau zurück. Interessanterweise nutzten sie bei blockierter Sicht auch ihre vorderen Beine nicht mehr zur Fortbewegung – die Gründe dafür sind jedoch unklar.

Die Forscher vermuten, dass die von den Augen aufgenommenen Bewegungsinformationen im so genannten Pilzkörper des Spinnengehirns verarbeitet werden. Diese Hirnregion ist wichtig für die Integration gelernter Informationen.