Kein normaler Mensch kann all diese Passwörter im Kopf behalten: für Computer, Smartphone, Online-Banking und vieles mehr. Wer sich zum x-ten Mal nicht an eine gerade erst neu kreierte Zeichenfolge erinnert, führt das meist auf ein schlechtes Gedächtnis zurück. Ein Fehlschluss, wie eine finnische Untersuchung in der Fachzeitschrift "International Journal of Human Computer Studies" nahelegt.

Die Psychologin Naomi Woods und der Informatiker Mikko Siponen hatten dazu rund 50 Studierende und Mitarbeiter an ihrer Universität in Jyväskylä rekrutiert. Verteilt über zwölf Wochen sollten die Probanden zehn neue Passwörter anlegen und diese auf Aufforderung wiederholt auf einer eigens dazu aufgesetzten Webseite eingeben. Des Weiteren unterzogen sie sich einem Gedächtnistest und gaben in einem Fragebogen Auskunft darüber, was sie über das menschliche Erinnerungsvermögen wussten und über ihr eigenes Gedächtnis dachten, sowohl im Allgemeinen als auch speziell im Zusammenhang mit Passwörtern.

Die Fähigkeit, sich an die Passwörter zu erinnern, hing nicht mit dem Ergebnis im Gedächtnistest zusammen. Dafür aber fanden die IT-Forscher einen Zusammenhang mit Teilen des so genannten Metagedächtnisses. Dazu zählte die Überzeugung, das Passwortgedächtnis selbst beeinflussen zu können, sowie Wissen über die Funktionsweise des Gedächtnisses, etwa dass man sich Wörter mit besonderer Bedeutung besser merken kann als weniger bedeutsame.

"Passwörter im Kopf zu behalten, hat nichts mit guter oder schlechter Merkfähigkeit zu tun, sondern damit, was wir darüber wissen und denken", schlussfolgern Woods und Siponen. Sie räumen allerdings ein, dass sich die Befunde infolge von Alter und Bildungsniveau ihrer Stichprobe nicht verallgemeinern ließen.

Zu ihrem Erstaunen fanden sie auch keinen Zusammenhang zwischen der korrekten Erinnerung an Passwörter und dem allgemeinen Metagedächtnis. Beispielsweise half die Kenntnis typischer Gedächtnisstrategien den Versuchspersonen zwar im Gedächtnistest, nicht aber beim Erinnern an Passwörter. Die Autoren vermuten, dass sich gängige Merkhilfen wie Notizen auf Passwörter nicht sinnvoll anwenden ließen. Wahrscheinlich ist es das, was den Kampf mit den Passwörtern zu einer der nervigsten Seiten des Internetzeitalters macht.