Einer der größten aktiven Vulkane der Welt, der Aso auf der japanischen Insel Kyushu, führt eine komplexe Beziehung mit den Erdbeben an einer großen Verwerfungszone. Das zeigte sich während einer Erschütterung der Magnitude 7,1 im April 2016 – die an dem Vulkan zu einem abrupten Ende kam. Über eine Länge von etwa 40 Kilometern verschob das Erdbeben das Gestein um bis zu zweieinhalb Meter, bis die Verwerfung auf die gigantische Caldera des Aso traf. Dort stellte das Team um Aiming Lin von der Universität Tokio lediglich eine leichte Senkung fest. Auf der anderen Seite des Kraters blieb die Verwerfung stumm. Eine mutmaßliche Magmakammer in sechs Kilometer Tiefe, so das Ergebnis der seismischen Untersuchungen, beendete die vom Erdbeben ausgelöste Seitwärtsbewegung. Das Team vermutet, dass der Druck des aufsteigenden Magmas unter dem Vulkan die Bewegung des Gesteins blockierte und so das Erdbeben ausbremste. Zwischen der Länge des gebrochenen Teils der Verwerfung und der Stärke eines Bebens gibt es einen direkten Zusammenhang, so dass das Erdbeben ohne den Vulkan möglicherweise noch stärker gewesen wäre.

Das Kumamoto-Beben im April 2016 tötete etwa 50 Menschen und verursachte verbreitete Schäden auf Kyushu. Die Haupterschütterung wurde von mehreren starken Vor- und Nachbeben begleitet. Lin und seine Arbeitsgruppe untersuchten direkt nach dem Hauptbeben die Spuren im Gelände: Das Beben hatte entlang der dafür verantwortlichen Hinagu–Futagawa-Verwerfung deutliche Risse an der Erdoberfläche hinterlassen und innerhalb der 380 Quadratkilometer großen Caldera des Aso sogar einen kleinen Senkungsgraben geöffnet – in diesem Bereich schneiden die Verwerfungen direkt die Magmakammer, einige Schlackenkegel des Vulkans liegen genau über der Bruchzone. Die nun aktivierte Verwerfung habe womöglich dem Magma Wege an die Oberfläche geöffnet, so Lin: Das Risiko vulkanischer Aktivität am Aso müsse neu bewertet werden.