Männern mit kurzem Zeigefinger wird so einiges nachgesagt: Sie sollen risikofreudiger sein, sich aggressiver verhalten, häufiger unter Alkoholsucht leiden – Merkmale, die sich rein statistisch als typisch männlich erwiesen haben. Besonders traditionell feminine Frauen wissen diese maskulinen Prototypen offenbar zu schätzen, berichten Forscher von der Universität Krakau in der Fachzeitschrift "Personality and Individual Differences".

"Männer mit einem eher maskulinen Fingerverhältnis haben viermal häufiger Partnerinnen mit schmaler Taille und großen Brüsten als Männer mit einem eher femininen Quotienten", konkretisieren Berenika Kuna und Andrzej Galbarczyk. Dies sei der erste Nachweis dafür, dass das Fingerlängenverhältnis als Biomarker für die so beschriebene Attraktivität der Partnerin tauge. Die Forscher hatten bei 50 heterosexuellen jungen Paaren das Fingerlängenverhältnis der Männer sowie das Taille-Hüft-Verhältnis und den relativen Brustumfang der Frauen vermessen.

Weltweit beurteilen Männer die Figur einer Frau als attraktiver, wenn das Verhältnis zwischen ihrem Taillen- und Hüftumfang bei 0,7 oder niedriger liegt. Die so genannte Sanduhrfigur ist ein Hinweis auf Fruchtbarkeit; in der Pubertät sinkt der Quotient, in den Wechseljahren nimmt er wieder zu. In der vorliegenden Studie hatten die Partnerinnen der Männer mit vergleichsweise kurzem Zeigefinger einen nahezu idealen mittleren Taille-Hüft-Quotient von 0,71, bei den übrigen Frauen betrug das Verhältnis von Taillen- und Hüftumfang rund 0,75.

Ein Hinweis auf vorgeburtliche hormonelle Einflüsse

Das Fingerlängenverhältnis ist ein Indiz für hormonelle Einflüsse auf die kindliche Entwicklung im Uterus, vor allem für die pränatale Konzentration von Androgenen. Diese beeinflussen den späteren Testosteronlevel, der wiederum maskuline biologische Eigenschaften verstärkt. Männer mit vergleichsweise kurzem Zeige- und langem Ringfinger (das heißt einem Quotienten unter 1) verfügen häufiger über körperliche Vorzüge wie ein symmetrischeres Gesicht und werden daher als attraktiver wahrgenommen, so die Autoren. Der Befund lasse sich aber auch damit erklären, dass klassisch maskuline Männer feminine Figuren bevorzugen und umgekehrt charakteristisch weiblich gebaute Frauen häufiger typisch männliche Partner suchen.