Innerhalb von nur 24 Stunden entwickelte sich der Hurrikan Patricia im Pazifik vor der mexikanischen Küste von einem Wirbelsturm der Stärke 1 auf der Saffir-Simpson-Skala zu einem Monster der höchsten Kategorie 5: In rekordverdächtiger Zeit fiel der Kerndruck des Tiefs auf nur noch 880 Millibar, den niedrigsten Luftdruck, der je im Entstehungsgebiet atlantischer oder pazifischer Hurrikane gemessen wurde. Patricia gilt damit als der stärkste Wirbelsturm der Region, der bislang beobachtet wurde und könnte damit gefährlicher werden als beispielsweise Wilma und Gilbert, die zu den schlimmsten Stürmen in historischer Zeit zählen.

Mit Windgeschwindigkeiten von durchschnittlich 320 Kilometern pro Stunde und heftigem Dauerregen zieht er ab Freitagnachmittag Ortszeit über die mexikanische Westküste hinweg; verheerende Schäden werden befürchtet – zumal in der Region zahlreiche Touristenzentren liegen und die Küste daher relativ dicht besiedelt ist. Begünstigt wird der Wirbelsturm durch das außergewöhnlich warme Wasser in diesem Teil des Pazifiks, das durch den momentan herrschenden El Niño verursacht wird. Die Klima- und Ozeananomalie sorgt dafür, dass sich große Gebiete vor der amerikanischen Westküste ungewöhnlich stark aufheizen. Dadurch lässt sich auch erklären, wie sich Patricia in so kurzer Zeit intensivieren konnte. Neben den extremen Winden und dem Dauerregen erwarten die Meteorologen zudem eine Sturmflut, deren Pegel sechs bis acht Meter über dem Mittel liegen soll: Die Zugbahn des Hurrikans drückt das Wasser in die Bucht der Stadt Manzanillo, die im Zentrum des erwarteten Aufpralls von Patricia an Land liegt. Im angrenzenden Hinterland sind Erdrutsche möglich, da das Tief direkt auf die Sierra Madre del Sur trifft: Hier werden bis zu 600 Millimeter Regen innerhalb eines Tages erwartet – das entspricht knapp dem gesamten Niederschlag eines Jahres in Stuttgart.

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