Über die ausgestorbenen Denisova-Menschen aus Sibirien ist noch immer recht wenig bekannt – vor allem deshalb, weil Forscher bisher nur sehr wenige Überreste von ihnen gefunden haben und analysieren konnten. Erbgutanalysen von zwei Zähnen und einem Fingerknochen konnten immerhin ein wenig Licht ins Dunkel bringen: Die Gruppe hat sich vor rund 470 000 bis 190 000 Jahren von den Neandertalern abgespaltet – um danach ihre Gene auch gelegentlich an die Vorfahren von modernen Menschen weiterzugeben, die einst auf dem Weg nach Südostasien vorbeikamen. Mehr Details über die mysteriösen Sibirier will man unbedingt erfahren – und so freuen sich Wissenschaftler, dass nun auch die Analysen der Erbgutspuren aus einem 1984 archivierten Fundstück abgeschlossen sind: dem Zahn eines noch jungen Denisova-Mädchens, der zugleich das älteste Fundstück ist.

Der Zahn "Denisova 2" – er war abgenutzt wie der eines zehn- bis zwölfjährigen heutigen Kindes – stammt aus einer Schicht der Denisova-Höhle, die vor 227 000 bis 128 000 Jahren abgelagert wurde. Die Gendaten weisen nun darauf hin, dass das Mädchen wohl rund 20 000 bis 40 000 Jahre vor den drei anderen bisher bekannten Denisova-Vertretern gelebt hat. Somit muss die Höhle über eine enorm lange Zeitspanne von den Menschen besiedelt gewesen sein, meinen die Forscher der Arbeitsgruppe um Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Zudem scheint die Population der Denisovaner über die Jahrtausende hinweg stets recht klein gewesen zu sein, denn das Erbgut der älteren und jüngeren Vertreter scheint auffallend ähnlich und wenig variabel. Dieser Verdacht einer geringen genetischen Diversität muss allerdings noch abgesichert werden: Bisher konnten nur geringe Reste des Erbguts gewonnen und analysiert werden, weshalb die Ergebnisse womöglich fehlerbehaftet sein könnten. Dringend gesucht werden nun weitere Spuren des längst ausgestorbenen Vertreters der Menschheit – gerne auch von Denisova-Menschen, die nicht in der gleichnamigen Höhle, sondern im spekulativen Verbreitungsgebiet weiter im Osten gelebt haben. Hier fehlt bisher aber jede Spur – außer dem genetischen Erbe, das die Gruppe im Erbgut der heutigen Menschen hinterlassen hat.