Der typische Sextote ist Ende 50, übergewichtig und hat sich seine Geliebte oder eine Prostituierte nach Hause geladen. Zu groß wird der Stress, zu stark die körperliche Belastung – am Ende macht das Herz nicht mehr mit. Es kommt zu einem Infarkt oder anderen Herzproblem, schließlich tritt der Tod ein.

Das jedenfalls geht aus einer Analyse von insgesamt 38 000 Autopsien aus 45 Jahren hervor, die die Frankfurter Rechtsmediziner um Lena Lange und Markus Parzeller vorgenommen haben. Bei 99 oder rund 0,26 Prozent dieser Fälle stand Sex als Auslöser im Raum, berichten sie in ihrer im "Journal of Sexual Medicine" veröffentlichten Studie. Der Liebestod erwies sich dabei als überwiegend männliches Problem: Nur bei acht Fällen handelte es sich um Frauen.

Damit Sex tödlich endet, muss zumeist eine entsprechende Vorerkrankung vorliegen, zum Beispiel eine Arteriosklerose. Als Todesursache fanden die Forscher neben den diversen Herzproblemen seltener auch Hirnblutungen oder geplatzte Aneurysmen, also krankhafte Ausweitungen einer Schlagader.

Ungefähr ein Drittel aller Toten waren mit Masturbation beschäftigt – das sei zumindest aus der Auffindesituation hervorgegangen, wie die Forscher schreiben. Von den 61 verbleibenden lagen 43 mit einer Geliebten beziehungsweise mindestens einer Prostituierten im Bett. Das lässt freilich den Schluss zu, dass besonders der Seitensprung riskant fürs Herz ist. Allerdings weisen die Forscher darauf hin, dass es in Fällen, bei denen der Gatte nach dem Sex (für immer) friedlich einschläft, nicht zu einer Autopsie in der Rechtsmedizin kommt. Todesfälle mit fremdem Sexpartner sind darum in ihrer Statistik überrepräsentiert.

Auf ein ganz anderes Problem beim Liebestod weisen Forscher um Aapo Aro vom Cedars-Sinai Heart Institute in Los Angeles in einer aktuellen Veröffentlichung hin. Unter den 4500 Fällen von plötzlichem Herztod, die Mediziner aus Portland über einen Zehnjahreszeitraum aufzeichneten, fanden sich 34 Fälle, bei denen der Herzstillstand binnen weniger Minuten nach dem Sex auftrat. Nur jeder dritte Betroffene, bei dem ein Partner anwesend war, wurde reanimiert. Dabei kann die Herz-Lungen-Wiederbelebung bei einem unvermittelten Herzstillstand die Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich erhöhen. Das zeige, wie wichtig es sei, die Öffentlichkeit über Erste-Hilfe-Maßnahmen aufzuklären, meinen die Forscher. Auch in Deutschland wird nach Expertenmeinung viel seltener von Laien reanimiert, als eigentlich notwendig wäre.