Laut Statistischem Bundesamt wird die deutsche Bevölkerung bis 2050 im Vergleich zu 2011 um 16 Prozent schrumpfen, bis 2060 um 21 Prozent. Sieben Experten aus den Fachbereichen Demografie, Statistik, Soziologie und Wirtschaftswissenschaften erklären umfassend die Konsequenzen dieses prognostizierten Bevölkerungsrückgangs, allen voran die starke Überalterung der Gesellschaft. Sie machen Vorschläge, wie man die daraus erwachsenden Probleme lösen kann. Einfach umzusetzen ist wohl keiner davon, was die Experten auch überwiegend zugeben. In einem Punkt sind sie sich vollkommen einig: "Weitermachen wie gehabt, wird nicht mehr funktionieren." Das Werk versteht sich als Anklage gegen die aktuelle Politik, die das "demografische Pulverfass" entweder ignoriere, herunterspiele oder durch Reformen wie die Rente mit 63 noch explosiver mache, als es ohnehin schon sei.

Bei allen Beiträgen handelt es sich um überarbeitete Vorträge, gehalten von den jeweiligen Autoren auf öffentlichen Symposien im Jahr 2014 zum Thema "Folgen des Demografischen Wandels". Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, der die meisten Autoren angehören. Das selbst erklärte Ziel dieser Kooperation lautet, "(…) der Politik und der interessierten Öffentlichkeit komplexe wissenschaftlich fundierte Sachverhalte und Forschungsergebnisse mit Bezug zu aktuellen Themen aufzubereiten und verständlich zu machen." Dieses Vorhaben gelingt nur mittelmäßig. Ohne statistische, soziologische und volkswirtschaftliche Kompetenz dürfte es den meisten Lesern schwer fallen, die Beiträge inklusive ihrer zahlreichen Statistiken zu durchdringen. Nur wenige Autoren erläutern die Fachbegriffe in ihren Texten.

Spät zur Sache

Nachdem man bereits ein Viertel des Buchs durchgearbeitet hat, stellt man fest, immer noch keinen genaueren Eindruck von den Konsequenzen des Bevölkerungsrückgangs zu haben. Es wäre hilfreich, den Lesern schon deutlich früher verständlich zu machen, warum die vielen aufgeführten Zahlen besorgniserregend sind. Wenn dann endlich ein Wirtschaftswissenschaftler die möglichen Folgen der demografischen Entwicklung erläutert, etwa schwindende Arbeitproduktivität, geschieht das unter Verwendung sperriger Formulierungen und vieler Fachbegriffe, die einem Verständnis im Weg stehen.

Besonders hervorzuheben ist der Beitrag des bekannten Ökonomen Hans-Werner Sinn, der prägnant und weitgehend nachvollziehbar die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung, deren wesentliche Ursachen und Folgen sowie mögliche Gegenmaßnahmen erörtert. Allerdings neigt Sinn zu drastischen Formulierungen, die mal mehr und mal weniger angebracht sind. Am Ende richtet Herausgeber Walter Krämer die fast flehende Bitte an die Politik, etwas zu unternehmen, beispielsweise einige der in dem Werk vorgeschlagenen Lösungswege zu beschreiten. Doch er glaubt selbst nicht daran, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen wird.

Es gibt ein weiteres Manko, das die Autoren allerdings nur eingeschränkt verantworten: Man fragt sich, ob das Buch überhaupt noch aktuell ist. Der Flüchtlingszustrom nach Deutschland, der seit Monaten anhält und weiter anhalten wird, verändert die Bevölkerungszusammensetzung deutlich und stellt damit alle demografischen Prognosen in Frage. Insofern könnte das Werk in großen Teilen bereits von der Wirklichkeit überholt sein.