Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Der Einsatz von Pestiziden ist in D. nicht gestiegen

    24.10.2017, Frank Nagel
    Das kann man aus der im Artikel angegebenen Quelle entnehmen. Das Umweltbundesamt zeigt die Grafik „Inlandsabsatz einzelner Wirkstoffgruppen in Pflanzenschutzmitteln“. Dort erkennt man, dass sich zwar die Gesamtmenge erhöht hat, was aber nur an dem deutlich gestiegenen Verbrauch inerter Gase im Vorratsschutz liegt. Alle anderen Mittel (Fungizide, Herbizide und Insektizide, sonstige) sind etwa gleich geblieben oder schwanken um einen Mittelwert. Bei Insektiziden jedenfalls ist kein Trend zum Anstieg erkennbar.

    http://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/landwirtschaft/pflanzenschutzmittelverwendung-in-der#textpart-2
  • Wer viel arbeitet, muss nicht mehr essen?

    23.10.2017, Univ.Prof. a. D. Dr .med. Dieter Böning
    Dieser Artikel widerspricht dem seit langem bekannten Zusammenhang zwischen Muskelarbeit und Energiebedarf und beruht m. E. auf einer falschen Interpretation der vom Autor erhobenen Daten. Betrachtet man die linke Abbildung im Kasten Lebende Kraftwerke, sieht man, dass die Hazda-Werte links von den westlichen Vergleichsgruppen liegen. Sie haben also annähernd gleiche Energieumsätze bei geringerem Körpergewicht oder anders gesagt höhere Umsätze je kg! Dies wird noch deutlicher, wenn man die Tabelle1 in einer der zugrundeliegenden Veröffentlichungen ansieht (Pontzer H. et al. PLoS One 7(7): e40503, 2012). Während die Tagesenergieumsätze auf das Kilogramm Körpermasse bezogen bei amerikanischen Männern unter 40 kcal/kg liegen, erreichen sie bei einem afrikanischen Jägerstamm und afrikanischen sowie südamerikanischen Subsistenzbauern 52 kcal/kg. Dieser Einwand wurde bereits 2014 von P. Heneberg veröffentlicht (Energy expenditure of hunter-gatherers: when statistics turns to be unreliable. Endocr Metab Immune Disord Drug Targets. 2014;14(2):152-8)).

    Dieter Böning, Berlin
    Stellungnahme:
    Sehr geehrter Herr Böning,

    Sie müssen aber bedenken, dass westliche Männer und Frauen nicht nur schwerer sind als Hazda, sondern auch größer. Daher haben sie in Bezug auf das Körpervolumen eine geringere Körperoberfläche und mithin einen geringeren spezifischen Wärmeverlust, weshalb auch ihr spezifischer Energieumsatz geringer sein sollte. Darauf heben die Autoren wohl ab, wenn sie in dem Paper schreiben: "Nonetheless, average daily energy expenditure of traditional Hadza foragers was no different than that of Westerners after controlling for body size."

    Des weiteren ist zu bedenken, dass westliche Frauen und Männer einen höheren Körperfettanteil haben als Hazda, wie aus der von Ihnen genannten Tabelle auch klar hervorgeht. Auch dies wirkt sich auf den Energieumsatz aus – zum einen, weil Fettgewebe isoliert, zum anderen, weil sein relativer Beitrag zum Gesamtenergieumsatz ein anderer ist als bspw. bei Muskelgewebe.

    Mit freundlichen Grüßen, d. Red.
  • Menschen sind schon lange Meister im Ausrotten

    23.10.2017, Gast
    @Gisbert
    Menschen sind schon lange Meister im Ausrotten.
    Und wenn man betrachtet, wie manche Volkstämme z.B.: inSibirien heute noch leben, kann man sich auch leicht vorstellen, wie die so etwas auch bei extrem dünner Besiedlung hinbekommen haben.
    Gemeint ist die Lebensweise mit hinterherziehen hinter den Rentierherden, die die Hauptnahrungsquelle darstellen.
    Wenn man derartiges konsequent mit Mammuts praktiziert - bei denen man sich leicht vorstellen kann, dass die noch niedrigere Reproduktionsraten als Elefanten hatten - ist auch leicht ersichtlich, dass man die ruckzuck grossflächig alle aufessen kann.
    Und ja, dass konnten unsere Vorfahren dort auch schon ohne Motorschlitten und Gewehr.

    Insofern ist es beim plötzlichen Verschwinden von Tierarten innerhalb der letzten ca. 70.000 Jahre natürlich extrem naheliegend als erstes mal den Menschen auf der Verdächtigenliste auf die ersten 3 Positionen zu schreiben.
    Und insbesondere der angenommene Aussterbezeitraum der Säbelzahnkatzen in Amerika, passt da auch wieder perfekt in dieses Schema. Der Mensch kommt, diverse Tierarten verschwinden.
  • Die Politik muss die Leitplanken setzen

    23.10.2017, Klaus
    Jeder kann und sollte etwas gegen das Artensterben tun, das ist gut und richtig. Auf dem Balkon oder im Garten und auch beim Kauf der Nahrungsmittel. Allerdings bin ich mit dem im Artikel dargestellten in vielen Punkten nicht einverstanden:

    Die zitierte Studie zum Insektensterben in Deutschland - der Aufhänger für den Artikel - ergibt, dass Naturschutzgebiete allein offenbar nicht ausreichen, um die Artenvielfalt zu erhalten. Denn die Studie wurde nur in Schutzgebieten durchgeführt, nicht auf landwirtschaftlichen Flächen oder anderen Nutzungen. Wenn die Insektenbestände in Schutzgebieten derartig wegbrechen, dann ist ohne Zweifel auf den nicht untersuchten landwirtschaftlichen Flächen die Lage noch viel schlimmer.

    In Deutschland nimmt die Landwirtschaftl laut Umweltbundesamt 51,6% der Fläche ein, Wälder 30,6%, Siedlungen und Verkehrsflächen 13,7% sowie Seen, Flüsse und sonst. Flächen 4,1%. Der Anteil der Gärten an der Landfläche ist also sehr gering.

    Ökogärten können einen kleinen Beitrag leisten. Das bringt aber wenig, wenn drum herum die Landschaft - 90% der Fläche oder mehr - großräumig mit Monokulturen, Pestiziden, Düngern usw. zerstört wird. Genau das hat die zitierte Studie gezeigt.

    Zu weiteren im Artikel genannten Argumenten:
    Kein seriöser Umweltschützer behauptet, dass Glyphosat allein für sämtliche Umwelt- und Gesundheitsprobleme verantwortlich ist. Es gibt z.B. auch Kampagnen gegen Insektizide wie die Neonokotinoide, gegen Monokulturen für Biosprit- und -gas, Flurbereinigung und massenhafte Biomasseverheizung etc. etc.

    Glyphosat steht derzeit im Mittelpunkt der Debatte, weil die EU dieser Tage über eine Neuzulassung von Glyphosat für 10 Jahre (Vorschlag der EU Kommission) verhandelt. Und weil es viele neue Erkenntnisse über die Manipulationen der Hersteller gibt, die für den Schutz von Gesundheit und Umwelt nur eine Schlussfolgerung zulassen: Nämlich Glyphosat sofort zu verbieten. Daneben sind aber viele weitere Entscheidungen und Maßnahmen notwendig, um unsere Natur zu retten.

    - Zitat aus dem Artikel: "Und allein auf die Bauern zu deuten, ist wohlfeil. Zum einen verlangen viele Verbraucher nach billigen Lebensmitteln, die eben nur mit intensiver und industrialisierter Bewirtschaftung zu erzielen sind.”
    Viele Verbraucher würden vermutlich billige Produkte im Supermarkt stehen lassen, wenn auf den Produkten wahrheitsentsprechend stehen würde, mit welchen hohen Schäden für Umwelt und Gesundheit die Produkte hergestellt werden.

    Doch Werbung oder Hinweise darauf, mit welchen Pestiziden die Produkte besprüht wurden, dass für deren Anbau die Artenvielfalt vernichtet und die Umwelt vergiftet wird, Menschen und Tiere dadurch sterben etc. findet man auf den Produktverpackungen nicht. Das zu wissen und zu berücksichtigen überlassen Politik und Wirtschaft den mündigen KonsumentenInnen.

    Das Vorsorgeprinzip und das Recht, in einer sauberen und vielfältigen Natur zu leben, gerät dabei leider unter die Räder.
  • Physikalische und mathematische Rotationen

    23.10.2017, Eugen Willerding
    Lieber Herr Freistetter, die wirkliche physikalische Rotation ist nur die Hälfte der mathematischen Rotation rot[v], der sogenannten Wirbelstärke. Der Vektor der Winkelgeschwindigkeit des Wirbelfadens ist also nur rot[v]/2, was man leicht bei einer starr rotierenden Scheibe nachrechnen kann. Darum taucht in hydrodynamischen Gleichungen mit Rotation Omega (Coriolisterm) immer die Kombination rot[v] + 2.Omega auf. Das sollte man schon noch erwähnen...
  • Mikrobiom und Nahrungsverwertung

    23.10.2017, Rivi
    Ich kann mich an Arbeiten erinnern, die einen deutlichen Zusammenhang zwischen der individuellen Nahrungsverwertung und der Darmflora hergestellt haben, jedenfalls im Tierversuch (Turnbaugh, 2006, Nature 444:1027). Dort haben u.a. Mäuse bei gleicher Ernährung und Lebensweise sehr ungleich zugenommen, je nachdem welche Darmflora sie hatten, und sogar erhielten, das heißt, damit aktiv ausgestattet wurden.

    Da das im Artikel gar nicht erwähnt wird, hat sich das erledigt, oder ist es einfach nur nicht im Fokus der Forschungsgruppe?
    Stellungnahme:
    Sie haben völlig Recht mit Ihrem Hinweis. Das Thema hat sich keineswegs erledigt, und Susan Roberts, die Mitautorin dieses Artikels, befasst sich auch damit: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5331556/ Es stand allerdings nicht im Fokus dieses Artikels. Immerhin weisen die Autorinnen auf individuelle/familiäre Unterschiede in der Stoffwechselintensität hin und verbinden dies an einer Stelle auch mit dem Aufschließen der Nahrung.

    Mit freundlichen Grüßen, d. Red.
  • Regulierung der Körpertemperatur

    23.10.2017, Daniel Siegenthaler
    Allein um die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten, muss unser Körper in Abhängigkeit von Aussentemperatur und Kleidung einen gewissen Energieumsatz leisten. Wenn wir von Ausnahmen wie Fieber absehen, bei welchem die braunen Fettzellen Wärme produzieren, wird die Körperwärme von sämtlichen Zellen im Normalbetrieb produziert. Da die Kerntemperatur vom Körper auf 37 Grad stabilisiert wird, muss folglich der ordentliche Energieumsatz pro Zelle reguliert werden. Unsere Zellen müssen also einen gewissen Mindestumsatz leisten, egal wofür sie die Energie verwenden. Umgekehrt steigt die Körpertemperatur bei sportlicher Betätigung erst dann an, wenn wir schwitzen, unser Körper also zusätzlich kühlen muss um die Temperatur zu stabilisieren. Ansonsten wird die Abwärme einfach zum Heizen des Körpers verwendet und fliesst so in die Energiebilanz, was wiederum heisst, dass andernorts Energie eingespart werden kann/muss. Der Körper benötigt also beim Sport höchstens soviel mehr Energie, wie er dank Schwitzen zusätzlich in die Umwelt abgibt. Umgekehrt steigt der Energieverbrauch unabhängig von der sportlichen Betätigung, wenn die Umgebungstemperatur wie in Sibirien tief ist.
  • Verständnisfrage

    22.10.2017, Martin Sonderegger
    Wenn die Gravitationskraft im blauen Bereich kleiner ist, sollte da statt eines Tiefs nicht eher ein Hoch sein, also eine Erhebung von ca. 100m?
    Stellungnahme:
    Nein, das hängt damit zusammen, dass an den Ränder die Schwerkraft deutlich höher ist, dorthin wird quasi das Wasser "gezogen", weshalb sich dort quasi Wölbungen bilden
  • Zusammenhang Bewegung und andere Faktoren

    22.10.2017, Michaela
    Ich finde es gut, wenn Artikel Forschungen etwas genauer beleuchten, und hoffe, dass das weiterhin so bleibt.

    Aber der Artikel impliziert indirekt, dass ein Mehr an Bewegung außer gesundheitlichen Vorteilen kein Mehr an Energieverbrauch nach sich ziehen würde.
    Als Beweis dient hier der Gesamtenergieverbrauch von Naturvölkern. Dazu wäre jetzt aber wichtig zu wissen, ob man hier die Körpermasse herausgerechnet hat bzw. wie hoch sind die Durchschnittsgewichte der Amerikaner und der Naturvölker? Im Artikel werden nur die Durschnittswerte angegeben (Median oder Mittelwert?) - die sicher bei einem über 60% übergewichtigen Volk höher liegen dürften, als bei Menschen, die öfter mal für ihre Nahrung unterwegs sind.
    Zweitens wäre noch die Frage, wie intensiv die Belastungen bei den Naturvölkern sind … gehen ist ja deutlich weniger intensiv als z. B. laufen.

    Und wenn die Probanden nicht mehr "eingesperrt sind", wie versichert man sich in den Untersuchungen darüber, dass die Probanden nicht etwas sagen und etwas anderes tun? Aka weniger Sport als angegeben, mehr Essen als angegeben etc.?

    Ich würde mich über eine Antwort freuen …
    Stellungnahme:
    Sehr geehrte Michaela,

    der Vergleich zwischen Hazda und westlichen Frauen und Männern wird vor allem im Artikel "Aktiv im Energiesparmodus" beleuchtet, der zusammen mit diesem hier in Spektrum der Wissenschaft 11/17 erschienen ist. Der Autor und seine Kollegen haben nach eigenen Angaben Körpergröße, Körperfettanteil, Alter und Geschlecht berücksichtigt, als sie die beiden Gruppen verglichen. Ihr Artikel enthält eine Grafik mit entsprechenden Messwerten, aufgeschlüsselt nach Herkunft (Hazda oder westlich), Geschlecht und Körpermasse (genauer: Magermasse). Die Massen der westlichen Männer streuen - erwartungsgemäß - um einen höheren Mittelwert als die der Hazda-Männer, was folgerichtig mit einem etwas höheren Gesamtenergieumsatz einhergeht. Bei den Frauen liegen die Massenmittelwerte und die mittleren Gesamtenergieumsätze dichter beeinander als bei den Männern.

    Über die Intensität der Belastungen der Indigenen macht der Artikel keine Angaben. Die sportliche Aktivität der westlichen Teilnehmer wurde, zumindest in einer Studie, mit Activity-Trackern erfasst, während zugleich ihr täglicher Gesamtenergieaufwand mit doppelt markiertem Wasser gemessen wurde. Auch hier zeigte sich, dass die sportliche Aktivität nur schwach oder gar nicht (je nach Aktivitätslevel) mit dem Gesamtenergieumsatz korreliert.

    Mit freundlichen Grüßen, d. Red.
  • Falsche Herangehensweise

    22.10.2017, Timo
    Wir Menschen sind es, die reduziert werden muessten und nicht der Wechsel von Chemikalien zu Unkraut per Hand zupfen. Welcher Buerger z. B. in Deutschland hat einen Garten? Welcher Buerger koennte somit die Hainbuche als Hecke waehlen und welcher Buerger hat ueberhaupt die Chance eine sogenannte Wilde Wiese anzupflanzen? Ich glaube ueber 90% der Buerger in Deutschland koennen das nicht. Somit zielt der Bericht auf Leser ab, die kaum vorhanden sind. Eine andere Herangehensweise waere dabei viel nuetzlicher! Warum werden Haeuslebauer bundesweit nicht dazu verpflichtet ein Flachdach anstatt ein Giebeldach auf ihren neu erbauten Haeusern zu setzen und dort zumindest Wiese oder sogar eine Wilde Wiese anzupflanzen? Damit wuerde genauso viel Platz der Natur zurueckgegeben, wie das Haus verbraucht. Mit dieser Idee spricht man eine Vielzahl von Buergern an, die somit ganz aktiv etwas fuer die Umwelt tun koennen. Stichwort waere hier auch nicht Umweltschutz, sondern Umweltaufbau!
  • UV-Strahlung; Ozonloch.

    22.10.2017, PresidentZwo
    Eine artübergreifende gleichzeitige genetische Mutation!! Du liebe Zeit, was soll das denn? Nein, es ist natürlich die harte UV-Exposition durch das Ozonloch. Der Kiwi kann das UV Spektrum nicht abdecken. dadurch werden die Vögel jetzt blind.
  • Feedbackloops

    22.10.2017, Jens Roeth
    Worauf im Artikel leider nicht eingegangen wird (wahrscheinlich würde es auch den Rahmen sprengen), sind die Feedbackloops, die uns davon abhalten, stark zu- oder abzunehmen. Das Hormon Leptin, was von Fettzellen ausgeschüttet wird (und zwar je mehr, desto voller diese sind), macht zum einen satt, zum anderen erhöht es den Grundumsatz. Wenn man nun abnimmt, wird davon weniger ausgeschüttet, und man hat mehr Hunger sowie weniger Energieverbrauch. Was auch zum Jo-Jo-Effekt führt. Da es einige Zeit dauert bis sich das Gehirn an niedrigere Level gewöhnt (Stichwort Leptinresistenz), ist man nach einer Gewichtsabnahme sehr anfällig für erhöhten Appetit und schnelle Gewichtszunahme.

    Ein Vergleich der Leptinlevel zwischen den indigenen Völkern und den Wohlstandsmenschen wäre dabei sehr interessant.
  • Reflexartige Schuldzuweisung

    22.10.2017, Gisbert
    "Und ebenfalls im Dunkeln liegt noch die Antwort auf die Fragen, ob Homotherium damals Homo sapiens gejagt hat und ob unsere Vorfahren etwas mit seinem Aussterben zu tun hatten."
    Was soll denn angesichts der damals extrem dünnen menschlichen Populationsdichte der Mensch mit dem Verschwinden dieser Großkatze zu tun haben? Damals konnte man jahrelang hoch und runter durch Europa latschen, ohne einem Menschen zu begegnen.
  • Menschen sind nicht übergewichtig, weil ihr Körper Hunger hat

    22.10.2017, Uwe Hampel, Barsinghausen
    Beiträge über das große Thema Übergewicht bringen mich immer wieder zum Schmunzeln. Schade finde ich allerdings die Verwirrung, die Sie, gerade bei den Betroffenen erzeugen, weil Sie von der eigentlichen Misere ablenken. Gene hin oder her: Übergewichtige Menschen essen nicht, weil ihr Körper Hunger hat. Sie essen, weil der Essvorgang in ihnen ein gutes Gefühl erzeugt. Gefühle erzeugen (Ess)Verhalten. Und Gedanken erzeugen Gefühle. Taucht man in die Gefühlswelt Übergewichtiger ein, findet man sehr schnell genau das, was Sigmund Freud als inneren Konflikt bezeichnet hat. Die Gefühlswelt übergewichtiger Menschen leidet unter einem Konflikt zwischen Denken und Fühlen. Und kompensiert wird dieser Konflikt durch die Nahrungsaufnahme. Warum? Weil Gehirne beim Essen das Denken einstellen und in den Fühlmodus wechseln. Die Nahrungsaufnahme erzeugt ein gutes Gefühl.

    Nun funktioniert dies leider nicht bei Nahrung, die wir als gesund und nützlich für den Körper bezeichnen. Somit wird, um ein gutes Gefühl zu erzeugen, Nahrung gewählt, die weniger vorteilhaft für den Körper ist. Und diese Nahrung erzeugt Übergewicht.
  • Energiebilanzen verwirren mich

    22.10.2017, Walther Glaubitt, Würzburg
    "Ein gesunder, erwachsener, durchschnittlich großer und normalgewichtiger US-Amerikaner benötigt täglich etwa 10 500 Kilojoule (2500 Kilokalorien), um sein Körpergewicht zu halten. Bei einer gesunden, erwachsenen und normalgewichtigen Durchschnittsamerikanerin sind es zirka 8400 Kilojoule (2000 Kilokalorien)." Nach der Grafik "Grundumsatz" setzen 30 bis 50 Jahre alte, normalgewichtige Männer aber nur 1700 Kilokalorien um. Laut Grafik "Glykämischer Index (GI)" werden nach einer Mahlzeit von 394 Kilokalorien und niedrigem GI nur noch 764 Kilokalorien während des restlichen Tages verzehrt. Das sind insgesamt nur noch 1158 Kilokalorien am Tag. Die Zahlenangaben variieren in einem Bereich von 1150 kcal und 2500 kcal. Das verstehe ich nicht und ich bitte um Erläuterung.
    Stellungnahme:
    Sehr geehrter Herr Glaubitt,

    in der Grafik "Grundumsatz" ist der Grundumsatz von Männern und Frauen angegeben (aufgeschlüsselt nach Körpergewicht und Altersgruppe). Im Durchschnitt macht dieser etwa zwei Drittel des Gesamtenergieumsatzes aus. Das noch fehlende Drittel entfällt auf den so genannten Leistungsumsatz, also den Energieaufwand für physische Aktivität etc., der zum Grundumsatz hinzukommt. Zu den von Ihnen genannten 1700 Kilokalorien täglich müssen Sie also noch etwa 800 Kilokalorien täglich addieren und kommen dann auf rund 2500 Kilokalorien pro Tag.

    In der Grafik "Glykämischer Index" sind Werte angegeben, die bei einer Untersuchung an fettleibigen Jungen mit einem Alter von zirka 15 Jahren gewonnen wurden, also nicht an Erwachsenen. Dies erklärt, dass die dort angegebenen Werte zwischen rund 1200 und rund 1800 Kilokalorien täglich liegen und somit niedriger als bei Erwachsenen.

    Mit freundlichen Grüßen, d. Red.