Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Bravo

    20.03.2015, Norbert Gregor Günkel
    Endlich zählt mal jemand zwei und zwei zusammen bei einer kritischen Betrachtung solcher Projekte. Da die NASA-Raumfahrt vor sich hin dümpelt, ist die Versuchung offenbar groß, mit "Visionen" an die Öffentlichkeit zu gehen. Bisher hat keiner ernsthaft nach der Möglichkeit einer Verwirklichung gefragt, die Medien haben in diesem Punkt einmal mehr versagt. DAS ist der eigentliche Skandal. Denn wenn von Anfang an kritisch nachgedacht und dementsprechend auf eine Berichterstattung verzichtet worden wäre, gäbe es jetzt keinen Schaden für die Wissenschaft. Die Medien machen es sich zu einfach, "hinterher" die Schuld auf ein paar Spinner abzuwälzen, die es ohne kräftige Mithilfe der unkritischen Medien so weit gar nicht gebracht hätten.
  • Wann beginnt die Sprache

    20.03.2015, Frank Wohlgemuth, Tornesch
    Bevor man da versucht, eine Antwort zu geben, muss man erst einmal die Sprache von der vorhergehenden tierischen Kommunikation trennen: Auch Spatzen und Schimpansen "unterhalten" sich ja. Aber in der nichtmenschlichen Tierwelt dient die "Sprache" - auch bei unseren Vettern der Gattung Pan - im Wesentlichen der Signalisierung von Gefühlsinhalten, auf die die anderen entsprechend zu reagieren haben. Auch Schimpansen kennen ein Lächeln, auch wenn es anders aussieht als bei uns, ansonsten gibt es Gesten von Demut über Beschwichtigung bis zur Aggression. Die allgemeine tierische Kommunikation dient also dem Sozialverhalten vom der Abstimmung zwischen Individuen, wer der Stärkere ist, ob man als Sexualpartner in Frage kommt usw. und zum Teil der Synchronisierung des Verhaltens in Verbänden von individualisierten Verbänden (Wolfrudel) bis zu Schwärmen. Der Signalvorrat ist gering, größtenteils angeboren wie unsere körperlichen Gefühlsäußerungen, auch und wenn er erlernt ist, bedeutet das nicht, dass er erweiterbar ist, sondern nur, dass einzelne Signale tradiert werden - das ist bei den Spöttern unter den Vögeln so. Objektive Nachrichten aus der Umwelt gibt es bei hochspezialisierten Tieren wie den Bienen (der Schwänzeltanz, der signaisiert, wo es Blüten gibt), aber auch diese Fähigkeit wird genetisch weitergegeben.

    Das bedeutet nun bei unseren nächsten Verwandten nicht, dass sie nicht zur Sprache fähig werden - Ende der 1960er Jahre wurde in den USA das "Washoe-Projekt" aufgesetzt und hat bis heute gezeigt, dass Schimpansen fähig sind, sich mehrere hundert Zeichen zu merken und in sinnvoller Kommunikation sowohl zu ihrer eigenen Lage als auch zu externen Themen (Spaziergang im Wald) zu benutzen, bereits Schimpansen sind also im Prinzip sprachfähig.

    Aber es müssen mehrere Sachen zusammenkommen, damit eine funktionierende Sprache entsteht:
    1.) Die grundsätzliche Symbolfähigkeit, die bereits bei den Schimpansen vorhanden ist und damit auch bei Homo erectus vorausgesetzt werden kann, die also, da sie bei den Schimpansen in freier Wildbahn nicht genutzt wird, als Seiteneffekt einer anderen Fähigkeit entstanden sein muss.
    2.) Das Verhalten / Bedürfnis, sich neben der Gestimmtheitsäußerung auch über Außenweltobjekte zu äußern. Tomasello weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Kleinkinder von sich aus beginnen, auf Gegenstände zu zeigen - ein Verhalten, das Schimpansen nicht zeigen.
    3.) Das alles führt nicht weiter ohne das Bedürfnis des aktiv Tradierenden und den Willen des Aufnehmenden zur Tradition. Bereits bei den ersten systematischen Freilandbeobachtungen an Schimpansen fiel genauso wie ihr regelmäßiger Werkzeuggebrauch auf, dass da jeder das Rad neu erfinden muss: Die alten geben ihre Entdeckungen nicht weiter und die jungen gucken sie nicht ab - erst das eigenen Experiment führt zum Lernerfolg.

    Die Gretchenfrage ist, woran wir nun festmachen, ab wann der Mensch über eine echte Sprache verfügt hat. Der fossile Befund kann da nicht wirklich etwas sagen, außer er erzählt uns, dass die Sprache unmöglich war. Aber auch das ist schwierig, weil wir zum einen nicht wissen, ob das Bruchstück gerade von einem gesunden Individuum stammt, zum anderen fossilisieren die Teile, auf die es hier eigentlich ankommen würde, nicht.

    Es gibt aber etwas anderes, von dem wir getrost ausgehen können, sobald der Mensch anfängt, die Welt und sein Handeln in ihr zu benamsen und diese Tätigkeit auch wirklich geregelt tradiert: Er fängt an, sein Wissen von der Welt zu kumulieren, und das in einem Tempo, das um Größenordnungen schneller ist, als genetische Änderungen. Wir sollten also davon ausgehen, dass - aus paläontologischer Sicht - bereits kurz nachdem die Sprache des Menschen diesen Namen verdiente, sich sein Leben änderte, weil ab da alle Erfahrungen im Umfang der gemeinsamen Sprache festgehalten wurden. Es werden Lebenstechniken möglich, die vorher nicht möglich waren, weil die für das nötige Wissen nötigen Erfahrungen den individuellen Lebenshorizont sprengten. Nicht lange nach dem Beginn der Sprache tritt die Wichtigkeit des fossilen Befundes hinter der des archäologischen Befundes zurück und wir finden nicht mehr nur Abfallhaufen, wo die Menschen gelagert haben, sondern das Lager selbst bekommt erkennbare Strukturen und die Komplexität der Werkzeuge nimmt zu. Nicht lange nach dem Beginn der Sprache finden wir Überreste dessen, was wir gemeinhin unter Kultur verstehen.

    Die Konstanz der frühen Steingeräte über Hunderttausende von Jahren zeigt für mich, dass es da außerhalb des Steins selbst kein Medium zur Kumulation des Wissens gab, dafür aber bereits eine sichere Weitergabe dessen, was ein Mensch konnte.

    Das ist der Hintergrund, vor dem mir eine frühere Existenz von Sprache unglaubwürdig erscheint.
  • Nicht Feuchttücher machen die Strände schmutzig, sondern Menschen!

    20.03.2015, J. Mehner
    Nicht Feuchttücher machen die Strände schmutzig, sondern Menschen machen dies!
    Wenn Feuchttücher an Meeresküsten auftauchen, sind nicht die Feuchttücher das (Ursprungs-)problem, sondern die unzureichende Abfall- bzw. Abwasserbehandlung.
    Denn normalerweise entsorgt man Feuchttücher im Müll oder in der Toilette. Für beide Wege sollte es dann normalerweise eine funktionierende Behandlung geben, bei der keine unerwünschten Reststoffe in die Umwelt gelangen. Wenn nun massenhaft solche Dinge wie Feuchttücher oder Plastemüll an Küsten auftauchen, dann ist daran die unzureichende Abfall- bzw. Abwasseraufbereitung schuld und zum großen Teil leider auch die Mentalität vieler Menschen, ihren Müll einfach direkt in der Umwelt zu entsorgen.
  • Weitere

    20.03.2015, Blob
    Der Kolosskalmar verdient doch auch eine Erwähnung:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kolosskalmar
  • pünktlich

    20.03.2015, Herbert milli
    Ist ja gerade noch rechtzeitig angekommen 11:41 um noch schnell eine Lochkamera zu bauen oder eine Sternwarte aufzusuchen
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Milli,

    es tut uns leid, dass der Newsletter erst so spät ankam. Der Text selbst stand allerdings seit gestern auf der Homepage von Spektrum.de.

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
  • Nur bei Gammarus?

    19.03.2015, Bernd Poßeckert
    Ist dieser Effekt nur von Gammarus-Arten bekannt oder gibt es auch Erkenntnisse zu den mittelamerikanischen Flohkrebsen der Gattung Hyalella?
  • Nette Idee, aber...

    19.03.2015, Sandra Schröder
    Ich glaube, eines der Grundprobleme an der Sache ist, dass man Kleidung nun mal regelmäßig wechseln muss. So ein Alleskönner-T-Shirt ist sicher super - aber wenn es nach zwei Tagen mieft, brauche ich ein neuen oder muss es über Nacht waschen. Und wer wird sich schon einen ganzen Schrank voller High-Tech-Klamotten leisten können? Und wie sieht es mit der Abnutzung aus - und dem wechselhaften Geschmack in Bezug auf Mode? Kleidung ist in unserer Gesellschaft kurzlebig. Und teure Technik kann da in der Regel nicht mithalten.
  • Und umgekehrt...

    19.03.2015, blubb
    ... wie ist es bei Namen, die aus mehreren Teilen bestehen (von und zu xy) oder ähnliche Varianten? Ich denke da sähe der VOLLE Name reichlich lächerlich als E-Mail aus. Ein Beispiel: Meine Uni vergibt automatisch Email-Adressen, was ja super seriös wäre, aber ich kann meine nicht benutzen, weil der Teil vor dem @ geschlagene 47 Zeichen hat - und in weiser Voraussicht habe ich bei der Uni schon nur einen Vornamen angegeben.
    Für meine reguläre Email-Adresse habe ich mir daher nur das allerletzte Wort im Nachnamen rausgepickt - das muss dann reichen.
  • wie peinlich

    19.03.2015, twister
    letztendlich ist es schon peinlich, wenn sich Personalsuchende von solchen Lappalien leiten lassen, statt auf die wirklichen Qualifikationen zu setzen. Wenn ein besser qualifizierter Mensch wegen der Adresse the-real-iron-man@xy.de abgelehnt wird während ein geringer qualifizierter Mensch nur wegen peter.fischer... bessere Chancen hat, dann zeigt das sehr deutlich, wie viel Wert auf letztendlich völlig unwichtige Nebensächlichkeiten gelegt wird.

    Aber nun ja - manch Behörde lehnt ja auch Anfragen ab, wenn die Emailadresse nicht auf den "richtigen Namen" lautet. Da fehlen einem die Worte.
  • Häufig vorkommnde Namen?!

    19.03.2015, Tina M.
    Ist ja gut und recht, aber was macht jetzt eine Frau Anna Maier? Oder ein Herr Peter Müller? Namen, die es zu hunderten gibt. Selbst mein Name (und ich hab nen eher seltenen Nachnamen!) war bei allen anbietern in der Form vorname.nachname@provider.de, nachname.vorname@provider.de, initialien.... in allen denkbaren einfachen Formen schon vergeben sind? a.maier5982 ist sicher auch nicht ideal...
    Antwort der Redaktion:
    Das ist natürlich richtig, und ein echtes Problem für jene mit häufigen Namen. Leider sagt die Studie nichts darüber aus, wie man dem abhilft. Vielleicht wäre eine Lösung, in solchen Fällen eine Berufsbezeichnung oder den akademischen Grad einzubauen.
  • Ich dachte es gibt einen Fachkräftemangel!

    19.03.2015, John Doe
    Wenn es tatsächlich einen Fachkräftemangel gibt, wundert es mich doch, dass Firmen es sich erlauben können, Leute ungesehen herauszufiltern, nur weil sie eine "falsche" E-Mail-Adresse haben oder sich einen kleinen Rechtschreibfehler erlaubt haben.

    Daran sieht man doch überdeutlich, dass gewisse HR-Abteilungen nur mit sich selbst beschäftigt sind, statt gute Fachkräfte zu suchen. Und weil man irgendwie sein Dasein begründen und rechtgertigen muss, denken sich diese riesigen HR-Apparate eben jene Spielchen aus.
    Lächerlich.

    Ganz ehrlich: Als begehrter Experte lehne ich es ab, in solchen Firmen zu arbeiten.
  • Werbung in der E-Mail-Adresse

    18.03.2015, Christian Wust
    Die E-Mail Adresse gehört zur Visitenkarte, zum persönlichen Profil. Kann nicht verstehen, wieso für die private E-Mail Adresse noch fast immer kostenlose Anbieter genutzt werden, die sich mit Werbung finanzieren. Ich zahle gerne 20 Euro im Jahr(!) für meine persönliche E-Mail-Adresse und Postfach, will ja auch keine Postadresse in der ein kommerzieller Anbieter genannt wird. Individuelle E-Mail-Adressen kriegt man heute easy z.B. über mailvergleich.de
  • Das ist ja mal was ganz neues ...

    18.03.2015, B. Rösner
    ... was da von vermutlich sehr gut bis überbezahlten Spezialisten herausgefunden wurde. Ich habe seit 22 Jahren eine Email Vorname.Nachname@Emailprovider und weiss in etwa genaso lange warum
  • Magnetfeld, solare Protonen, irdisches Wasser

    18.03.2015, Konrad Marek
    dieser fasziniernde Vorgang könnte auch heute noch stattfinden in den Auroras. Solare Protonen würden in OH- und H2O gebunden. Sofern sie nicht zu schnell ins Weltall abdiffundieren würden sie das Wasser der Erde zwar sehr langsam, doch stetig steigern!
  • Wann fing Sprache an

    18.03.2015, Eduard Kirschmann, Hannover
    Die Frage, wann die Sprachentwicklung einsetzte, ist nicht so eindeutig geklärt, wie Frank Wohlgemuth es vorauszusetzen scheint. 1999 musste ich in der Tat noch davon ausgehen, dass die Sprachentwicklung nicht parallel zur Entwicklung des Homo erectus eingesetzt haben konnte, weil man aus der Untersuchung der Rückenwirbel des 1,6 Millionen Jahre alten Jungen von Turkana darauf schloss, dass er den Luftstrom aus der Lunge nicht mit der für eine Sprache erforderlichen Präzision kontrollieren konnte. Ich sah daher 1999 von der nahe liegenden Interpretation ab in der Sprachentwicklung eine direkte Reaktion auf die Werferanpassungen zu sehen. Heute stellt sich die Sache anders dar. Die Rückenwirbel eines 1,8 Millionen Jahre alten Skeletts (das dem mit 600 ccm kleinsten Dmanissi-Schädel zugeordnet wird) wurden offensichtlich von Nervenbündeln durchzogen, die dick genug waren, um eine Sprache zu ermöglichen. Der Befund des Turkana-Jungen war ohnehin nicht zuverlässig, da man wusste, dass er unter einer Knochenerkrankung litt. Heute gehe ich daher davon aus, dass Sprache und Werferqualitäten in den letzten zwei Millionen Jahren parallel evolvierten.