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Lexikon der Biologie

Endothelzellen

Endothelzellen [von Endothel], meist plattenförmige Zellen, die in einer einzigen Schicht die Blutgefäße auskleiden. Sie vermitteln und/oder beeinflussen in vielfältiger Weise verschiedene Stoffwechselfunktionen. An der Regulation des Blutdrucks sind Endothelzellen z.B. durch die Freisetzung von Stickstoffmonoxid und Prostacyclin (gefäßerweiternd, blutdrucksenkend) und Endothelinen (gefäßverengend, blutdrucksteigernd) beteiligt. Die Blutgerinnung wird in der Regel durch heparinartige Strukturen (Heparin) auf der Zelloberfläche sowie durch Faktoren wie den Gewebe-Plasminogen-Aktivator inhibiert. Bei Gefäßverletzung dagegen werden verschiedene Koagulantien und Inhibitoren von Antikoagulantien freigesetzt. Über die Regulation von Blutdruck und Blutgerinnung beeinflussen Endothelzellen auch den Blutfluß (Blut, Hämorheologie). Endothelzellen bilden außerdem Angiogenesefaktoren, die das Auswachsen neuer Blutgefäße fördern, sowie verschiedene Wachstumsfaktoren mit Einfluß auf die Teilung der Gefäßmuskelzellen. Bei Infektionen setzen Endothelzellen Chemokine frei, die Immunzellen wie Monocyten und neutrophile Granulocyten anlocken. Über verschiedene Zelladhäsionsmoleküle (Adhäsine), z.B. P- und L-Selektine sowie ICAM-1 und ICAM-2, wird die Adhäsion der Immunzellen an das Gefäßendothel (Blutzellenadhäsion) sowie deren Passage durch das Endothel vermittelt. – Zahlreiche Risikofaktoren, wie Bluthochdruck (Hypertonie), Rauchen, cholesterinreiche Ernährung (Cholesterin), Entzündungen oder Gifte, können die Funktion der Endothelzellen beeinträchtigen und u.a. zu Arteriosklerose, einer gestörten Blutgerinnung oder Immunantwort führen. Inzwischen ist es möglich, Endothelzellen in vitro zu vermehren. Dies und die weitere Entwicklung der Gentherapie sollen in Zukunft wirksamere therapeutische Maßnahmen bei Fehlfunktionen der Endothelzellen ermöglichen. ECGF-2a, ECGF-2b, fibroblast growth factor, Interleukine.

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