Das Wetter: Die Ruhe vor dem Sturm?

Bis zum Wochenende setzt sich das Auf und Ab fort: Auf Schönwetterphase folgen Blitz und Donner, dann wieder Zwischenhocheinfluss, der vom nächsten Tiefausläufer beendet wird. Die Temperaturen bewegen sich dabei im Rahmen der letzten Wochen zwischen 22 und über 30 Grad Celsius bei schwüler Luft. Damit folgt das Wettergeschehen dem Trend seit dem Siebenschläferzeitraum.

Tropensturm Bertha
© NASA, GSFC, MODIS, Jeff Schmaltz
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Vor wenigen Tagen sorgte er für Dauerregen in der Karibik (hier östlich der Bahamas, links im Bild ist Kuba zu sehen), nun zieht Tropensturm Bertha ostwärts und könnte als Orkantief am Wochenende Europa erreichen.

Die Ursache: Vorerst noch eine Erhaltungsneigung

Wie bereits letzte Woche beschrieben, dominiert bislang noch eine hohe Erhaltungsneigung das System: Die Strömungsverhältnisse in der Atmosphäre haben sich eingespielt und erneuern sich immer wieder selbst, so dass sich generelle Wetterumschwünge nur schwer einstellen. Momentan dominieren noch ein Hoch über den Azoren und eines über Skandinavien, die jedoch keine Verbindung zueinander aufnehmen. Deshalb können immer wieder Tiefausläufer nach Mitteleuropa ziehen, die auf ihrer Vorderseite schwüle und teilweise heiße Luft aus Südwesten heranführen, während auf ihrer Rückseite kühlere Luft aus Nordwest folgt. Doch erstmals seit Ende Juni scheint dieses System kippen zu können – und zwar mit Gewalt.

Die Folgen: Rekordsommer in Nordeuropa

Da sich in Deutschland im Vergleich mit letzter Woche ebenfalls wenig getan hat, geht der Blick dieses Mal nach Nordeuropa. Schließlich liegt dort seit Wochen ortsfest ein Hoch, das Skandinavien bislang einen Traumsommer bescherte und vom Deutschen Wetterdienst folglich mit einem "Thema des Tages" bedacht wurde. Reihenweise purzelten in Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark verschiedene Rekorde. In Norwegen beispielsweise lag die Mitteltemperatur im Juli 4,3 Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt von 10,2 Grad Celsius – der Monat geht als wärmster Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1900 in die Statistiken ein. Selbst in Lappland lagen die Temperaturen im Schnitt bei 15 Grad Celsius und damit vier Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt. Da die Sonne zu dieser Jahreszeit nachts kaum hinter dem Horizont verschwindet, kühlte es auch dann nur wenig ab. Die "Nächte" waren daher ebenfalls recht warm: An insgesamt 33 Messstationen wurden 64 Tropennächte registriert, an der Spitze liegen dabei Ost- und Südnorwegen. Das gab es auch noch nicht.

Zusammen mit der Wärme machte sich großflächig Trockenheit breit, da Tiefdruckgebiete von dem Hoch nach Süden abgedrängt und damit zu uns geleitet wurden. Während Norwegen etwa 70 Prozent des üblichen Regens erhielt, waren es in Schweden stellenweise nur ein Viertel bis die Hälfte – mit durchaus katastrophalen Folgen: Seit Tagen brennt eine riesige Waldfläche in Schweden, ein Mann starb in den Flammen.

Wetterkarte für den 9. August
© Deutscher Wetterdienst (DWD)
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Noch liegt Hitze über Deutschland, aber von den britischen Inseln droht bereits Ungemach: ein heftiges Tief namens "Bertha" schickt seine Kaltfront Richtung Mitteleuropa.

Die Aussichten: Ein Ex-Hurrikan leitet den Wechsel ein

Momentan zieht der ehemalige Hurrikan "Bertha" als Sturmtief von der US-Ostküste über den Atlantik, wo er bis zum Wochenende mit einem weiteren Tiefdruckgebiet verschmelzen und dann die britischen Inseln heimsuchen könnte. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass damit schon im August ein Orkan die Küsten Westeuropas trifft – eine absolute Seltenheit. Irland, Großbritannien und Frankreich müssen bereits am Wochenende mit schwerem Seegang und Orkanböen treffen, wie man sie sonst eher im Herbst erwarten muss: Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometer pro Stunde sind möglich, dazu drohen Sturmfluten. Urlauber an den Küsten sollten also unbedingt Warnhinweise beachten. Ungeklärt ist vorerst noch, wie der der Ex-Hurrikan weiterzieht: Womöglich schlägt er den Weg über die Nordsee ein, die dieses Jahr ungewöhnlich warm ist, was dem Sturm neue Energie zuführen kann. Auch hier ist dann schwere See und Sturm zu erwarten. Dieser Verlauf erscheint nach den jüngsten Modellrechnungen aber eher unwahrscheinlich.

Im Gefolge hat Bertha jedenfalls eine Wetterumstellung: Sie verdrängt das skandinavische Hoch nach Osten und positioniert stattdessen die atlantische Frontalzone dort: Es stellt sich ab nächster Woche die so genannte Westwetterlage ein, bei der rasch Tiefdruckgebiete aus der Grönlandsee über den Nordatlantik und die Nordsee nach Skandinavien ziehen, bevor sie sich schließlich in Ost- oder Nordosteuropa auflösen. Ihre Ausläufer überqueren auch Deutschland und beeinflussen vor allem den Norden, während im Süden auch die Sonne hervorkommen kann. Die Hitze verdrängen sie allerdings großräumig: Maximal 24 Grad Celsius scheinen noch drin zu sein.

Mit etwas Pech für Sommerurlauber entwickelt sich daraus womöglich sogar eine Nordwetterlage, wenn sich über Skandinavien ein zentrales Tief einnistet und Luftmassen arktischen Ursprungs "anzapft". Das böte dann bereits einen ersten Vorgeschmack auf den Herbst, der meteorologisch am 1. September beginnt. Der Deutsche Wetterdienst macht allerdings etwas Hoffnung, dass es nicht lange dabei bleibt: "Eine Westwetterlage ist für August eher ungewöhnlich. Sie tritt häufiger im Spätherbst und im Winter auf. Wie lange diese Wetterlage dann anhalten würde, lässt sich derzeit noch nicht sagen. In den vergangen Jahren blieben jedoch reine Westwetterlage im Sommer selten längere Zeit stabil", schreibt der Meteorologe Christian Herold.