Im südwestlichen Pazifik liegt eine riesige Landmasse, die fast vollständig von Wasser bedeckt ist. Die einzigen Bereiche, die heute noch aus dem Meer herausragen, sind Neuseeland und Neukaledonien. In einer aktuellen Veröffentlichung fordert ein Team um Nick Mortimer vom neuseeländischen Forschungsinstitut GNS Science nun, die Masse mit dem Namen "Zealandia" endlich als eigenen Kontinent anzuerkennen.

In ihrer Arbeit beschreiben die Wissenschaftler, wie Zealandia vermutlich vor rund 100 Millionen Jahren begann, sich vom Großkontinent Gondwana zu lösen. Dadurch wurde die Landmasse eigenständig, versank aber vermutlich auch zum Großteil im Meer, weil sie durch die Abspaltung dünner wurde. Gesteinsproben und Gravitationsdaten deuten darauf hin, dass Zealandia aus einem einzigen, intakten Stück kontinentaler Kruste besteht, das sich insgesamt über fünf Millionen Quadratkilometer von einem Punkt in der Nähe der nordöstlichen Küste Australiens bis weit hinter die Inseln Neuseelands erstreckt. Es scheint sich auch um ein einziges, relativ homogenes Stück kontinentaler Kruste zu handeln und nicht um verschiedene, bunt gemischte Plattenbruchstücke. Damit sei klar, dass Zealandia den Status eines Kontinents verdiene.

Ob andere Experten das genauso sehen, bleibt abzuwarten. Da es keine internationale Vereinigung gebe, die Landmassen offiziell zu Kontinenten erklärt, können die Autoren wohl nur hoffen, genug ihrer Fachkollegen mit ihrer Argumentation zu überzeugen, damit Zealandia tatsächlich als solcher anerkannt wird, berichtet "Nature". Schon bei den übrigen Kontinenten sind sich Fachleute bislang nicht ganz einig – etwa im Hinblick auf Europa und Asien, die geografisch meist als zwei Kontinente betrachtet werden, aus der Sicht von Geologen aber den gemeinsamen Kontinent Eurasien bilden.