Die Explosion des Mount St. Helens am 18. Mai 1980 gehört zu den stärksten Vulkanausbrüchen des 20. Jahrhunderts; seitdem steht der Berg unter verschärfter Beobachtung durch Vulkanologen. Doch aus welchen Quellen sich der Vulkan speist, wird erst langsam klar. Alan Levander von der Rice University und seine Kollegen stellten am 3. November 2015 auf einer Tagung der Geological Society of America die ersten Daten ihrer 2500 Seismometer vor, die sie seit 2014 rund um den Mount St. Helens platziert hatten. Neben der bislang bekannten und relativ oberflächlichen Magmakammer existieren offensichtlich noch drei weitere Reservoirs unter dem Vulkan. Zwei befinden sich demnach in 5 bis 12 Kilometer Tiefe unter der Oberfläche und sind deutlich größer als die gipfelnahe Kammer. Sie werden noch übertroffen von einer dritten, gigantischen Magmablase in 12 bis 40 Kilometer Tiefe, die zudem weit nach Osten reicht und das unmittelbare Umfeld des Bergs deutlich überschreitet.

Alle Kammern stehen miteinander in Verbindung, allerdings nicht über einen direkten Gang. Stattdessen sorgen Erdbeben für Brüche und Risse im Gestein, durch die sich die Gesteinsschmelze immer wieder ihren Weg in die darüber liegenden Blasen bahnt. Womöglich stammte das bei der Eruption 1980 freigesetzte Material also aus größeren Tiefen als bislang gedacht: Damals pumpte die unterste Kammer wahrscheinlich Magma nach oben, bis das oberste Reservoir seine absoluten Kapazitätsgrenzen erreicht hatte und den mit erstarrtem Gestein verstopften Schlot – und damit gleich große Teile des Gipfels – sprengte. Die größte und tiefste der Magmakammern könnte zudem den Vulkan Mount Adams und das Indian-Heaven-Vulkanfeld speisen, die momentan ruhen. Unklar ist bislang noch, ob diese Gesteinsschmelze auch den Mount Rainier erreicht, der etwa 100 Kilometer entfernt ist.