Reichtum und Einkommen sind heute in der Welt sehr ungleich verteilt. So verfügen nach dem Global Wealth Report des Credit Suisse Research Institute (CSRI) 2017 rund ein Prozent der Menschheit über etwa 50 Prozent des gesamten globalen Einkommens; andere Berechnungen setzen die Zahlen sogar noch deutlich dramatischer an. Diese Ungleichverteilung der Weltreichtümer ist allerdings keine neue Entwicklung: Man vermutet seit Langem, dass sich schon seit der ausgehenden Steinzeit unterschiedlich vermögende Schichten herausbilden und egalitäre Gesellschaftsordnungen verändern – wodurch ein Mechanismus in Gang kommt, über den Eliten dann immer leichter weiteren Reichtum anhäufen konnte. Wann dieser Prozess einsetze – und warum  – wollten nun Wissenschaftler um Timothy Kohler von der Washington State University herausfinden.

Dabei docken sie an frühere Erklärungsansätze an. Man vermutet, dass die neolithische Umwälzung mit dem Aufkommen der Landwirtschaft neue Besitztümer und Produktionsmittel geschaffen hat – deren Verteilung dann Hierarchien und dadurch schließlich eine ungleiche Verteilung förderte. Diese Hypothese wollten die Forscher mit archäologischen Belegen unterfüttern. Kohler und Co konzentrierten sich daher auf die umwälzenden Epoche des ausgehenden Neolithikums, in der sowohl Jäger und Sammler wie auch neue Farmer bereits in größeren Ansiedlungen lebten – und analysierten zu diesem Zweck die Unterschiede von tausenden Hausgrundrisse in 63 zwischen rund 11 000 und 300 Jahre alten Siedlungsstätten in Nordamerika, Europa, Asien und Afrika. Sehr deutliche Differenzen deuteten die Forscher dabei als Hinweis auf drastisch ungleich begüterte Hausbesitzer hin – die also eine wenig egalitäre Gesellschaft gebildete hatten. Als Vergleichsgröße errechneten die Forscher auf der Basis ihrer Daten dann den Gini-Koeffizienten – ein Maß für Ungleichheit – für jede Gemeinschaft.

Die Analyse bestätigte zunächst, dass die Ungleichheit im Lauf der Zeit insgesamt stetig zugenommen hat – allerdings vor allem in Eurasien und deutlich weniger in den Indianerkulturen Nordamerikas. Dies offenbart einen neuen, offenbar geografisch verankerten Aspekt: Mitentscheidend für die Entwicklung war wohl, welche Art der Landwirtschaft betrieben wurde und welche Mittel dafür notwendigerweise zum Einsatz kamen. Als auffällige Korrelation machen die Forscher aus, dass vor allem in Asien und Europa schon früh auch große Tiere wie Schweine, Pferde und Rinder domestiziert wurden. Sie waren als Arbeitstiere einsetzbar, was aber eine andere Form der Kooperation nötig machte und dem Besitzer eines Tiers größere Möglichkeiten an die Hand gab. Bald dürften Eliten über die resultierenden Besitzprivilegien gewacht haben – und danach entstanden berittene Kriegerkasten und konkurrierende Hierarchien, die von diesen Eliten gestützt wurden.

Wo große Haustiere als wertvolle, leichter monopolisierbare Mittel fehlten – etwa in weiten Teilen Nordamerikas – verlief die Entwicklung weniger kriegerisch und langsamer, schlussfolgern die Forscher aus ihren Daten. Das zeigten die Zahlen: Insgesamt war der Gini-Koeffizinet weltweit nach dem Aufkommen der ersten Nutzpflanzen über rund 2500 Jahre bei gemäßigten 0,35 Prozent stabil geblieben – dann aber in Europa, China, dem Nahen Osten und Ägypten auffallend parallel mit dem allmählichen Umstieg vom Wildbeutertum zur landwirtschaftlichen Produktionsweise auf etwa 0,6 angestiegen. Ein Gini-Koeffzient von 0 signalisiert ein völlig egalitäre, ein Wert von 1 eine völlig ungleiche Verteilung. Die Zahlen der Forscher sind mit den etwa von der OECD dokumentierten Gini-Koeffizienten moderner Staaten schlecht vergleichbar: Die Werte schwanken stark je nach Einberechnung von Steuern und Abgaben oder der Bewertungsgrundlage. Insgesamt konstatieren die Forscher übereinstimmend mit der offiziellen Statistik aber, dass die Welt über die Jahrtausende insgesamt deutlich wohlhabender geworden ist, während der wachsende Reichtum dann aber ungleicher verteilt wird.