Im Jahr 1996 wurde Marihuana für medizinische Anwendungen in Kalifornien legalisiert, der private Gebrauch kleiner Mengen gilt heute nur noch als Ordnungswidrigkeit. Seit diesen Reformen hat sich die Anbaufläche für Hanf im Bundesstaat allerdings beträchtlich vergrößert: Fast zwei Drittel des gesamten US-Konsums an Marihuana soll mittlerweile aus Kalifornien bedient werden. Doch die illegalen Plantagen belasten zunehmend die Umwelt und verschärfen Kaliforniens Wasserkrise, wie nun Studien von Wissenschaftlern um Mary E. Power von der University of California in Berkeley in "BioScience" und Scott Bauer vom California Department of Fish and Wildlife in "PLoS One" festgestellt haben. Bedenklich stimmt die Forscher vor allem der immense Wasserbedarf der Hanfpflanzen, deren Felder heimlich im Inneren von Wäldern in den Bergen Nordkaliforniens angelegt, aber professionell betrieben werden: Dazu werteten Bauer und Co Satellitendaten, Luftbilder und Untersuchungen am Boden aus, um die Gesamtgröße der Plantagen in vier nordkalifornischen Einzugsgebieten abzuschätzen. Das setzten sie dann in Relation zum gemessenen Wasserbedarf der Pflanzen: Selbst bei vorsichtiger Abwägung der Daten rechnen sie damit, dass die künstliche Bewässerung der Felder bis zu drei Milliarden Liter Wasser pro Quadratkilometer und Saison verschwendet – doppelt so viel wie der Weinanbau benötigt. Viele Fließgewässer verlieren dadurch mindestens ein Viertel ihrer normalen Kapazität – mit negativen Folgen für darin lebende Fische und andere Organismen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Plantagen auch gedüngt und mit Pestiziden behandelt werden – auf Grund des kriminellen Vorgehens natürlich ohne entsprechend Schutzmaßnahmen. Mitten in Wildnisgebieten gelangen die eingesetzten Chemikalien ins Wasser und in die Nahrungskette, wo sie sich anreichern, so die Fischbiologin Stephanie Carlson von der University of California in Berkeley. Betroffen von Wassermangel und Verschmutzung sind unter anderem mehrere bedrohte Fisch- und Amphibienarten sowie der Fischermarder, für die bereits Schutzprogramme laufen. Die Wissenschaftler fordern daher eine offene Diskussion über Marihuana, die nicht nur das Pro und Kontra einer Legalisierung thematisiert, sondern auch die ökologischen Folgen des Cannabiskonsums. Wird Marihuana in Treibhäusern oder im eigenen Zimmer gezüchtet, verbraucht der Anbau auch große Mengen Strom, was bei staatsweiter Freigabe auch den Bau neuer Kraftwerke nötig machen könnte, so eine letztes Jahr vorgestellte Hochrechnung. In Kalifornien herrscht seit einigen Jahren eine schwere Dürre, auch im letzten Winter gab es kaum Regen und Schnee, weshalb mittlerweile strenge Wassersparvorgaben erlassen wurden. Auch der Norden ist davon betroffen, allerdings in etwas geringerem Ausmaß als die südlichen Landesteile.