Mit Durchmessern von 38 Kilometern am Äquator und 19 Kilometern von Pol zu Pol bei Atlas beziehungsweise 33 x 21 Kilometer bei Pan sind die beiden Saturntrabanten von durchaus stattlicher Größe. Im März und April 2017 nahm die Raumsonde Cassini erstmals detaillierte Bilder der beiden Trabanten auf, die von den Mitgliedern des Kamerateams ungeduldig erwartet wurden. Bei diesen Bildern sollten beide Monde ungleich größer und schärfer abgebildet werden als bei allen bisherigen Versuchen.

Die Saturnmonde Atlas und Pan im Vergleich (Montage)
© NASA / JPL-Caltech / Space Science Institute / Tilmann Denk
(Ausschnitt)
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Vor den Bildern von März und April 2017 waren dies die besten Ansichten der beiden kleinen Saturnmonde Atlas (oben) und Pan (unten). Die grauen Umrisse im Hintergrund geben die Größe der erwarteten Bilder wieder. Der weiße Balken zeigt 100 Bildpunkte der Telekamera von Cassini an.

In beiden Fällen glückten die Beobachtungen, und 109 neue Bilder und weitere Daten – insbesondere Spektren – sind verfügbar. Dass die beiden Monde in ihrem Aussehen mehr als ungewöhnlich sind, ließen die früheren Aufnahmen von Cassini bereits erahnen. Wie außergewöhnlich sie tatsächlich sind, das war dann aber doch überraschend.

Der Mond Pan sieht aus wie eine Speiseeiskugel mit äquatorialer Hutkrempe – ob es eine solche Speiseeiskreation ("Pan-Eis!") auch einmal zu kaufen geben wird? Die Zusammensetzung (des echten Pan) dürfte tatsächlich von Wassereis dominiert sein, und der Äquatorwulst besteht aus feinen Partikeln, die der Mond aus dem Ringsystem des Saturn aufgesammelt hat.

Drei Ringmonde von Saturn im Vergleich (Montage)
© NASA / JPL-Caltech / Space Science Institute / Tilmann Denk
(Ausschnitt)
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Hier sind die kleinen Saturnmonde Pan, Daphnis und Atlas im richtigen Maßstab zueinander dargestellt. Sie umrunden den Ringplaneten allesamt innerhalb der Ringe. Die Monde erscheinen in annähernd natürlichen Farben. Die Bilder nahm die Raumsonde Cassini seit Anfang 2017 auf. Die kleine, aber deutlich sichtbare Spitze am Äquator von Atlas – im Bild oben links – markiert genau den Anti-Saturnpunkt, der vom Ringplaneten abgewandt ist.

Wenn man sich vorstellt, man stünde auf Pan direkt am Übergang zwischen dem runden Hauptkörper und dem ringförmigen Wulst, dann würde einem der Wulst wie ein steiler Berghang vorkommen, der etwa drei bis fünf Kilometer in den Himmel ragt. Da die Anziehungskraft von Pan aber äußerst gering ist, dürfte man "oben" und "unten" kaum wahrnehmen. Außerdem sei vor unbedachten Sprungversuchen gewarnt: Sie könnten je nach Ungestüm für 30 bis 60 Minuten die Bodenhaftung vermissen und dabei ein bis zwei Kilometer in die Höhe getragen werden! Den gesamten Äquatorwulst zu überspringen und auf der anderen Seite zu landen, dürfte für Menschen aber doch schwierig sein. Für Ziegen (in Raumanzügen) hingegen erscheint es machbar.

Die neuen Atlas-Bilder vom 12. April 2017 zeigen interessanterweise ein ziemlich andersartiges Objekt. Während "Hutkrempe" und "Eiskugel" auf Pan sehr scharf und hart wirken, erscheint Atlas unscharf und weich. Offenbar konnte dieser Mond noch deutlich mehr Ringteilchen aufsammeln als Pan – alles Material, das der Ring nach außen verliert, scheint auf Atlas seinen Friedhof zu finden. Ein Kollege von mir am Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena kommentierte zweideutig: "Atlas trägt das Gewicht der Ringe auf seinen Schultern."

Diese Ringpartikel legten sich nicht in einem eher schmalen Wulst, sondern in einem großen breiten "Schwimmring" um die eigentliche Atlas-Mondkugel. Letztere ist sogar nur etwa halb so groß wie der zentrale Teil von Pan; wegen der aufgesammelten Ringpartikel ist Atlas aber letztlich der größere Mond.

Die mittleren Dichten werden auf 0,3 bis 0,4 Gramm pro Kubikzentimeter geschätzt, viel weniger als die Dichte von Wassereis. Somit müssen diese Monde extrem porös sein. Ihre Dichten sind wahrscheinlich noch geringer als die schon sehr kleine Dichte des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko mit 0,53 Gramm pro Kubikzentimeter. Anders als "Tschuri" kamen Pan und Atlas jedoch nie in Sonnennähe, so dass es signifikante Unterschiede in den Entstehungs- und Entwicklungsgeschichten dieser Körper geben muss. Ob die Oberflächen von Pan und Atlas auch so hart sind wie die von 67P, die ja immerhin den Landeversuch der Raumsonde Philae abschmettern konnte?

Definitiv bekräftigen die Bilder die Idee, dass zukünftige Raumfahrer zum Saturn an den beiden Polen von Pan Hotels für Sonnensystemtouristen errichten sollten – inklusive gigantischem Ringe- und Planetenblick und kontinuierlichen Beleuchtungswechseln im Rhythmus von 13,8 Stunden, der Umlaufzeit von Pan. Mit Hilfe einer Magnetschwebebahn, die auf direktem Weg mitten durch Pan hindurch die beiden Refugien verbindet, könnte man dann innerhalb von fünf bis zehn Minuten vom einen Mondpol zum anderen reisen.