Die Beringsee vor Alaska ist ein raues Meer für Fischer – nicht nur wegen der teils harschen Wetterlagen, die hier immer wieder auftreten können. Zunehmend beklagen sich die Seeleute auch über Schwertwalschulen, die ihnen den Fang streitig machen, wie die "Alaska Dispatch News" berichten: Die Wale folgen den Booten und stibitzen dann den Fang von den Langleinen, bevor ihn die Fischer wieder an Bord holen können. Dieses Verhalten zeigten die Schwertwale zwar schon seit Längerem, doch erst seit wenigen Jahren wurde aus einem gelegentlichen Fischzug ein systematisches Abgreifen der Fänge, erläutern die Seeleute.

An manchen Tagen ziehen sie demnach nur abgefressene Köpfe vom Pazifischen Heilbutt aufs Schiff statt der 9000 bis 14 000 Kilogramm an Tagen ohne Walbegleitung. Die Orcas scheinen dabei sogar spezifische Schiffe zu erkennen, die ihnen in der Vergangenheit reiche Beute eingetragen hatten. Zudem lehren die Mütter der Walschulen ihrem Nachwuchs, dass hier Nahrung angeboten wird und wie sie diese von den Haken fressen können. Bisweilen tauchten Gruppen mit bis zu 50 Mitgliedern auf, wie einer der befragten Fischer der Zeitung berichtete. Sie trieben dann so lange neben ihm her, bis er anfing seine Leinen einzuholen und damit die Fische aus der Tiefe in die Reichweite der Meeressäuger zu bringen. Die Seeleute versuchen zwar mit Sonar in bestimmten Frequenzen oder sogar Heavy Metal die Tiere zu vertreiben, doch lassen sich diese davon nicht beeindrucken.

Deshalb hoffen die Fischer, dass sie für die Jagd auf Heilbutt zukünftig bestimmte Netztypen statt Haken verwenden dürfen, in denen die Fische für die Wale nicht mehr erreichbar sind. Im Golf von Alaska sind sie bereits für Kohlenfisch zugelassen. Er wurde zuvor ebenfalls mit Langleinen gefangen, bis Pottwale diese Fänge als potenzielle Beute erkannten und nutzten. Nach Angaben der US-amerikanischen Meeresbehörde NOAA gehen erste Beobachtungen von opportunistischen Schwertwalen in die 1950er Jahre zurück, als japanische Fischer dieses Verhalten beobachteten. Doch erst seit 1995 werde dies vor Alaska systematisch erfasst, so die NOAA. Das Abfischen von Kohlenfischen durch Pottwale wurde von Megan Peterson und Dana Hanselman vom National Marine Fisheries Service in Juneau genauer analysiert: Demnach nahm die Zahl der entsprechenden Fischzüge zwischen 2000 und 2008 deutlich zu, sie schwankte danach jedoch deutlich. Es könne allerdings nicht ausgeschlossen werden, dass die Fischer einfach auch weniger auf Kohlenfische aus waren, weshalb die Wale seltener die Gelegenheit zum einfachen Mahl hatten, schränken die beiden Forscherinnen ein.

Mit Hilfe des Southeast Alaska Sperm Whale Avoidance Project (SEASWAP) soll die Zahl der Konflikte, zumindest was Pottwale betrifft, reduziert werden. Satelliten erfassen, wo sich die Meeresriesen gerade aufhalten und wohin sie ziehen. Die Fischer können die Daten bequem von der Website ziehen und dann die betroffenen Gebiete meiden.